Das Urteil soll am Freitag (10. Mai 2024) verkündet werden.
Update vom 03.05.2024, 17.25 Uhr: Angeklagte Erzieherin laut Gutachter schuldfähig
Im Prozess um mutmaßlich gewalttätige Übergriffe in einem Kinderhaus bei Würzburg hat der psychiatrische Sachverständige einer der beiden Angeklagten eine konfliktvermeidende Persönlichkeit bescheinigt. Die 37-Jährige sei intelligent und versuche, Konflikte informell zu lösen, sagte Psychiater Hans-Peter Volz am Freitag vor dem Landgericht Würzburg. Die Erzieherin sei im angenommenen Tatzeitraum einsicht- und steuerungsfähig und zudem schuldfähig gewesen, ihr Leben sei allerdings geprägt von depressiven Episoden und einer Panikstörung.
Die frühere Leiterin der betroffenen Kindergartengruppe im Landkreis Würzburg ist wegen Körperverletzung durch Unterlassen und Misshandlung von Schutzbefohlenen durch Unterlassen angeklagt. Die Frau soll die mutmaßlichen Übergriffe einer jüngeren Kollegin auf Kleinkinder mitbekommen, aber sie erst rund ein Jahr später gemeldet haben. "Ich hatte Angst, dass mir keiner glaubt", hatte sie zu Prozessauftakt Anfang April gesagt.
Die zweite Angeklagte, eine 30-Jährige, steht wegen Misshandlung von Kleinkindern vor Gericht. Die Erzieherin soll Ende 2021 ein- bis zweijährige Kinder absichtlich gequält haben. Die Angeklagte hatte die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft zu Prozessbeginn bestritten, allerdings eingeräumt, sich gegenüber den Mädchen und Jungen in manchen Situationen unangemessen und inakzeptabel verhalten zu haben. Die Anklage wirft der 30-Jährigen vorsätzliche Körperverletzung in acht Fällen, Nötigung, Misshandlung von Schutzbefohlenen, gefährliche Körperverletzung und versuchte schwere Misshandlung von Schutzbefohlenen vor.
Das psychiatrische Gutachten zur Hauptangeklagten wurde hinter verschlossenen Türen vorgestellt. Am kommenden Montag sollen die Plädoyers gehalten werden - zum Schutz der 30-Jährigen ebenfalls nicht öffentlich. Wann das Urteil verkündet wird, stand zunächst nicht fest.
Update vom 08.04.2024, 15.30 Uhr: "Vor Schmerzen geweint" - Hauptangeklagte bestreitet Vorwürfe und wird schwer belastet
Eine wegen Misshandlung von Kleinkindern angeklagte Erzieherin hat vor dem Landgericht Würzburg bestritten, die Ein- bis Zweijährigen absichtlich gequält zu haben. "Sie hat nie ein Kind zu Boden geknallt", sagte der Anwalt der 30-Jährigen am Montag (8. April 2024) zu Prozessauftakt. Auch Zwangsfütterungen habe es durch sie nicht gegeben. "Es war ein normaler Fütterungsvorgang. Das Kind wollte nicht", sagte der Anwalt. Nachdem das Mädchen erbrochen habe, habe seine Mandantin das Füttern beendet.
Allerdings habe die 30-Jährige damals - Ende 2021, Anfang 2022 - eine kurze Zündschnur gehabt und sich in dem Kinderhaus im Landkreis Würzburg gegenüber den Mädchen und Jungen in manchen Situationen unangemessen und inakzeptabel verhalten. Wenn sie ein Kind mal unter den Armen gepackt und auf den Po gesetzt habe, könnte es auf objektive Betrachter unsanft gewirkt haben, erklärte der Jurist. Die 30-Jährige ließ über ihn Vorwürfe zurückweisen, sie habe Kinder bestrafen oder gar quälen wollen.
Die Staatsanwaltschaft wirft der 30-Jährigen vorsätzliche Körperverletzung in acht Fällen, Nötigung, Misshandlung von Schutzbefohlenen, gefährliche Körperverletzung und versuchte schwere Misshandlung von Schutzbefohlenen vor.
Rache, Eifersucht? Schwierige Motivsuche bei Prozess um Gewalt in Kita
Angeklagt ist zudem eine 37-Jährige, die frühere Leiterin der betroffenen Kindergartengruppe. Die Frau soll die mutmaßlichen Übergriffe ihrer jüngeren Kollegin mitbekommen, aber sie erst rund ein Jahr später gemeldet haben. "Die Kinder haben dann geweint, auf jeden Fall vor Schmerzen", erzählt die 37-Jährige der 1. Großen Strafkammer von den mutmaßlichen Übergriffen der ihr unterstellten Kollegin. Wenn etwa eine Kleine nicht mehr essen wollte, habe die 30-Jährige ihr "den Löffel mit dem Essen reingestopft, (...), so dass sie gewürgt hat und dann auch erbrochen." Das Erbrochene habe das Mädchen dann selbst wegwischen müssen.
Die wegen Unterlassens angeklagte 37-Jährige spricht von Zerren, grob Anpacken, Anschreien und Misshandlungen bis hin zu Hämatomen. Einen Jungen habe die 30-Jährige zur Strafe von einem Hochbett auf den Boden gezerrt, andere in einen dunklen Raum gesperrt. Vor Gericht versucht die 37-Jährige zu erklären, warum sie nicht einschritt: "Ich hatte Angst, dass mir keiner glaubt." Nun steht sie wegen Unterlassens vor Gericht.
Die Staatsanwaltschaft vermutet private Probleme zwischen den beiden Erzieherinnen als Tatmotiv. So sollen beide Frauen unter anderem für eine weitere geschwärmt haben. Wörter wie Rache und Eifersucht fallen zu Prozessbeginn. Für die Verhandlung sind Termine bis Anfang Juni angesetzt.
Update vom 08.04.2024, 11 Uhr: "Angst, dass mir keiner glaubt"- Kollegin belastet Erzieherin zum Prozessauftakt schwer
Schwerwiegende Vorwürfe wurden laut zum Prozessauftakt am Montag (8. April 2024): Eine wegen Misshandlung von Kleinkindern durch Unterlassen angeklagte Erzieherin hat die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft eingeräumt. "Ich weiß, dass ich nicht geholfen habe", sagte die 37-Jährige vor dem Landgericht Würzburg.
"Die ganzen Fälle sind passiert." Sie habe eine ihr unterstellten Kollegin, die vier Kinder im Alter zwischen 18 Monaten und 2 Jahren grob misshandelt haben soll, nicht aufgehalten. Sie habe der heute 30-Jährigen nur gesagt, "dass sie aufhören soll". Mehr habe sie damals nicht gemacht. "Ich hatte Angst, dass mir keiner glaubt", sagte die Frau. Angeklagt sind Übergriffe in einem Kinderhaus im Landkreis Würzburg, die sich vermutlich zwischen September und Dezember 2021 ereignet haben.
Die Staatsanwaltschaft wirft der 30-Jährigen vorsätzliche Körperverletzung in acht Fällen, Nötigung, Misshandlung von Schutzbefohlenen, gefährliche Körperverletzung und versuchte schwere Misshandlung von Schutzbefohlenen vor. Sie soll die Kleinkinder bewusst gequält haben - vermutlich wegen eines Konflikts mit ihrer ebenfalls angeklagten Gruppenleiterin.
Es dauerte rund ein Jahr, bis sich die 37-Jährige entschied, nicht mehr zu den mutmaßlichen Übergriffen ihrer jüngeren Kollegin zu schweigen. So soll die 31-Jährige beispielsweise ein erst zweijähriges Mädchen in drei Fällen zum Essen gezwungen haben. Sie habe der Kleinen "gewaltsam den gefüllten Löffel so weit in den Rachen einführt, dass das Kind letztlich die Nahrung aufnehmen und schlucken muss", sagte Staatsanwalt Ingo Krist vor der 1. Großen Strafkammer. "Das Kind erbrach, nach anfänglichem mehrfachen Würgen, die gewaltsam eingeführte Nahrung."
Ursprungsmeldung: Erzieherin soll Kinder "bewusst gequält" haben - Prozess startet
Das Landgericht Würzburg verhandelt von Montag (8. April 2024) an gegen zwei frühere Erzieherinnen einer Kita in Unterfranken wegen möglicher Misshandlungen von Kindern. Die Taten sollen sich laut Staatsanwaltschaft in einer Einrichtung im Landkreis Würzburg zwischen September und Dezember 2021 ereignet haben. Der Prozess startet um 9 Uhr.
Von den Übergriffen sollen vier Kinder im Alter zwischen 18 Monaten und zwei Jahren betroffen gewesen sein. Eine 30-Jährige soll ein kleines Mädchen zum Essen gezwungen haben, bis es erbrach.
Einen Jungen soll die Frau zur Strafe brutal aus einem Hochbett gerissen haben - er erlitt einen großen Bluterguss über einem Auge. Ein anderer Junge soll wiederholt in ein dunkles Zimmer gesperrt worden sein.
Mutmaßlich vier Kinder "bewusst gequält" - Prozess gegen Erzieherin in Würzburg
Der 30-Jährigen wirft die Anklage Körperverletzung in acht Fällen, Nötigung, Misshandlung von Schutzbefohlenen, gefährliche Körperverletzung und versuchte schwere Misshandlung von Schutzbefohlenen vor. Sie soll die Kleinkinder bewusst gequält haben - vermutlich wegen eines Konflikts mit ihrer Gruppenleiterin, der ebenfalls angeklagten 37-Jährigen.
Diese soll während der meisten Taten untätig geblieben sein, sie soll die Kinder nach den Übergriffen lediglich getröstet haben. Laut Anklage hat die Gruppenleiterin die Taten weder den Eltern noch der Kindergartenleitung rechtzeitig gemeldet, um so künftige Übergriffe zu verhindern. Sie ist deshalb angeklagt, sich durch Unterlassen schuldig gemacht zu haben.
Erst als die Hauptangeklagte nach einer Krankheit zurück in die Kita kam und sich weiter aggressiv verhalten haben soll, soll die Gruppenleiterin die mutmaßlichen Vorfälle der Kitaleitung gemeldet haben - rund ein Jahr nach den angeklagten Übergriffen. Im Dezember 2022 wurden beide Erzieherinnen von ihrer Tätigkeit im Kinderhaus entbunden.
Misshandlungen blieben lange unentdeckt: Gruppenleiterin soll geschwiegen haben
Die 30-Jährige bestreitet die Vorwürfe den Angaben nach bislang. Ihre Kollegin habe sich dagegen bei den Ermittlungen geständig gezeigt. Für den Prozess sind insgesamt elf Verhandlungstage bis Anfang Juni angesetzt.