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Winterhausen: Steinmetz führt 4-Tage-Woche ein - überraschende Folgen


Autor: Isabel Schaffner, Agentur dpa

Winterhausen, Mittwoch, 07. Juni 2023

Seit acht Wochen gibt es beim Steinmetz Herrhammer aus dem Landkreis Würzburg die Vier-Tage-Woche. Mit effektiver Wirkung, wie Geschäftsführer Karl-Heinz Herrhammer merkte.
Die Stimmung im Steinmetz-Team Herrhammer aus Winterhausen ist gut. Die Vier-Tage-Woche kam als i-Tüpfelchen noch obendrauf.


Beim Steinmetzbetrieb Herrhammer aus dem unterfränkischen Winterhausen arbeiten drei Gesellen sowie Geschäftsführer Karl-Heinz Herrhammer und sein Sohn Sebastian. Seit acht Wochen nur noch in einem Vier-Tage-Rhythmus bei gleichem Gehalt - und das kommt gut an.

Während andere Unternehmen der Branche wegen Personalmangels schließen müssten, habe das Konzept der Herrhammers eine freudige Überraschung erlebt. Die Umstellung habe derartige Wellen geschlagen, dass sie mit neuen Anfragen konfrontiert gewesen seien. Doch die Vier-Tage-Woche ist auch umstritten.

"Haben alle sofort Ja gesagt": Winterhausener Steinmetz punktet mit Vier-Tage-Woche

Das Team habe zuvor bereits nur jeden zweiten Freitag gearbeitet. Der neue Vorschlag zur Vier-Tage-Woche sei dann von Herrhammer senior gekommen. "Ich habe es meinen Mitarbeitern angeboten und sie haben alle sofort Ja gesagt", berichtet er im Gespräch mit inFranken.de. So umfassten die Tage Montag bis Donnerstag neuneinhalb Stunden und jeder Freitag stehe dafür für private Aktivitäten zur Verfügung. Der Betrieb fokussiere sich auf Friedhofsarbeiten und könne sich die Arbeit so einteilen, "dass es passt". Der Output sei derselbe, so Karl-Heinz Herrhammer. "Wir hatten bisher noch keine Nachteile. Es klappt sehr gut."

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Durchaus mache dieses Modell einen Arbeitsplatz attraktiver, so seine Sicht. Das könne bei Personalmangel helfen. "Es haben schon einige angefragt", sei die Folge der Umstellung gewesen. Einen neuen Mitarbeiter habe das Unternehmen dadurch gewinnen können. Die Diskussion über eine Vier-Tage-Woche wird seit Jahren geführt. Gewerkschaften wie die IG Metall machen sich dafür stark. Befürworter verweisen auf positive Erfahrungen aus anderen europäischen Ländern.

Gegner warnen davor, dass Unternehmen finanziell überfordert werden könnten und dass die anfallende Arbeit sich nicht ohne Weiteres auf weniger Arbeitsstunden verteilen lasse. Nicht überall sei die Vier-Tage-Woche gut geeignet, findet auch Karl-Heinz Herrhammer. Es funktioniere am besten, "wenn man in einem Betrieb arbeitet und dann die Tür einfach eine halbe Stunde später zuschließen kann.

Schwimmbäder müssen derweil täglich besetzt sein. Anfang der Saison 2023 sprach der Bundesverband Deutscher Schwimmmeister angesichts von Personalmangel in Bädern von einem "Worst Case". Aktuelle Nachrichten aus Würzburg findest du auf unserer Übersichtsseite.