Untereisenheim/Würzburg: Familie ist fassungslos - Betrunkener überfährt junge Frau und bekommt bloß Geldstrafe
Autor: Benjamin Stahl
Würzburg, Samstag, 26. Oktober 2019
Nach einem aufreibenden Prozess um den Tod einer jungen Frau in Unterfranken steht nun ein Urteil, mit dem selbst der Richter hadert. Die Familie ist fassungslos, die Staatsanwaltschaft geht in Berufung.
Mildes Gerichtsurteil sorgt für Empörung in sozialen Netzwerken.
Elke und Ronald Stahl sind entsetzt über das Urteil im "Eisenheim-Prozess". Die Eltern von Unfallopfer Theresa warteten, bis die Reporter und Prozessbeobachter den Gerichtssaal verlassen hatten. Danach haben sie sich minutenlang mit ihrem Anwalt beraten, denn sie waren als Nebenkläger aufgetreten. Später verließen sie wortlos das Gebäude. Die Eltern hatten Tränen in den Augen.
Eine Geldstrafe von 5000 Euro und ein weiteres Jahr Fahrverbot - so lautete am Mittwochmittag das Urteil gegen den Hauptangeklagten Niclas H., zweieinhalb Jahre nach dem Unfall bei Untereisenheim (Landkreis Würzburg). Nicht wegen fahrlässiger Tötung, wie ursprünglich angeklagt, sondern wegen fahrlässigen Vollrauschs.
Mit 2,89 Promille: Nach Weinfestbesucht Fußgängerin überfahren
Der heute 21-Jährige, daran hat Richter Bernd Krieger keinen Zweifel, hat sich in der tragischen Aprilnacht nach einem Weinfestbesuch mit mindestens 2,89 Promille Alkohol im Blut ans Steuer seines Golf gesetzt und die 20-jährige Fußgängerin Theresa mit bis zu 80 Stundenkilometern überfahren. Sie starb wenige Tage später an ihren schweren Verletzungen. Auch die drei Mitangeklagten, die mit im Unfallauto saßen, kamen mit einer Geldstrafe davon. 1000, 1500 und 2000 Euro müssen die 21 und 22 Jahre jungen Männer zahlen, weil sie keine Hilfe holten und sich stattdessen schlafen legten.
Video:
Alle vier Angeklagten wollen gegen das Urteil keine Rechtsmittel einlegen. Anders die Gegenseite. Wie Sprecher Boris Raufeisen auf Nachfrage dieser Redaktion am Abend bestätigt, hat die Staatsanwaltschaft nur wenige Stunden später Berufung gegen das Urteil eingelegt. Es ist ein Urteil, mit dem sich selbst Richter Krieger nicht wohlfühlte.
Die Begründung des Richters klingt wie Entschuldigung
Seine Begründung klingt in Teilen wie eine Entschuldigung für das Urteil. "Es fällt mir schwer, Ihnen in die Augen zu schauen", bekennt er. "Eigentlich werden Urteile ,Im Namen des Volkes‘ gesprochen. Heute wurde ein Urteil ,Im Namen des Gesetzes' gesprochen", das "das Volk" nur verstehe, wenn es "einige Semester Jura studiert hat".