Uni-Würzburg-Studie entschlüsselt neuen Schutzmechanismus von Tumoren
Autor: Redaktion
Würzburg, Freitag, 23. Januar 2026
Ein Forscherteam hat einen bislang unbekannten Mechanismus entdeckt, mit dem Bauchspeicheldrüsenkrebs dem Immunsystem entgeht. Auch die Uni Würzburg ist beteiligt.
Könnte dies einen Wandel in unserer Sichtweise auf die Krebstherapie bedeuten? Zumindest im Labor deuten die Ergebnisse darauf hin. Einem internationalen Forscherteam ist es gelungen, einen wichtigen Mechanismus zu entschlüsseln, der das Wachstum von Bauchspeicheldrüsenkrebs steuert. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler identifizierten einen möglicherweise zentralen Mechanismus, mit dem sich Krebszellen vor Angriffen des körpereigenen Immunsystems schützen. Die Blockade dieses Mechanismus führte zu einer dramatischen Verringerung der Tumore bei Labortieren.
Die Ergebnisse der Studie wurden jetzt in der Fachzeitschrift Cell veröffentlicht. Die Forschung wurde in erster Linie von Leonie Uhl, Amel Aziba und Sinah Löbbert zusammen mit weiteren Teams der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU), des Massachusetts Institute of Technology (USA) und des Universitätsklinikums Würzburg durchgeführt.
Geleitet hat die Studie Martin Eilers, Inhaber des Lehrstuhls für Biochemie und Molekularbiologie an der JMU, als Teil des Cancer Grand Challenges KOODAC-Teams. Das Projekt wurde teilweise von Cancer Research UK, der Kinderkrebsstiftung (Kika) und dem französischen Nationalen Krebsinstitut (INCa) im Rahmen der Initiative Cancer Grand Challenges finanziert. Weitere Mittel stammen aus einem Advanced Grant des Europäischen Forschungsrats, der Martin Eilers bewilligt wurde.
In ihrer Studie haben sich die Forschenden auf ein spezielles Protein konzentriert, das in der Krebsforschung seit langem bekannt ist: das Onkoprotein MYC. "Dieses Protein ist in vielen Tumorarten einer der zentralen Motoren der Zellteilung und damit des unkontrollierten Wachstums der Tumoren", erklärt Martin Eilers. Doch eine entscheidende Frage blieb bisher unbeantwortet: Wie gelingt es Tumoren mit hoher MYC-Aktivität, die körpereigene Immunabwehr zu umgehen? Denn obwohl MYC-getriebene Tumore sehr schnell wachsen, bleiben sie für das Immunsystem oft unsichtbar.
Die Antwort auf diese Frage liefert die jetzt veröffentlichte Studie. Die zentrale Entdeckung des internationalen Forschungsteams ist, dass MYC eine Doppelfunktion besitzt. Neben seiner bekannten Rolle, an DNA zu binden und wachstumsfördernde Gene zu aktivieren, kann es seine Aufgabe wechseln, wenn die Zelle unter Stress steht. Unter den chaotischen Bedingungen, die in schnell wachsenden Tumoren herrschen, übernimmt MYC eine neue Funktion: Statt an DNA bindet es dann an neu entstehende RNA-Moleküle.
Diese Bindung an RNA hat weitreichende Konsequenzen: Mehrere MYC-Proteine bilden dichte Cluster, sogenannte Multimere, die wie molekulare Kondensate funktionieren. Diese "Tröpfchen" wirken als Sammelstellen, die gezielt andere Proteine – insbesondere den Exosom-Komplex – anziehen und an einem Ort konzentrieren.
Der Exosom-Komplex baut dann sehr gezielt zelluläre Abfallprodukte ab – in erster Linie sogenannte RNA-DNA-Hybride. Diese sind Fehlprodukte der Gen-Aktivität und wirken im Zellinneren normalerweise wie ein lautes Alarmsignal, das dem Immunsystem meldet: Hier stimmt etwas nicht.