Nach einem tödlichen Messerangriff vor einer Disco in Würzburg wird der Prozess gegen den Angeklagten neu aufgerollt. Der Bundesgerichtshof hatte das frühere Urteil wegen möglicher Notwehr aufgehoben.
Mehr als drei Jahre nachdem ein Mann vor einer Disco in Würzburg tödlich niedergestochen wurde und der Angeklagte später freigesprochen wurde, steht der 25-Jährige erneut vor Gericht. Der Bundesgerichtshof hatte das ursprüngliche Urteil des Landgerichts Würzburg aus dem Sommer 2024 aufgehoben. Nun wird der Prozess vor demselben Gericht, jedoch einer anderen Kammer, neu aufgerollt.
Das Verfahren könnte sich als schwierig erweisen, insbesondere weil die Tat bereits einige Zeit zurückliegt und sich viele Zeugen möglicherweise nicht mehr genau an den Abend in und vor der Disco erinnern können. Eine zentrale Frage dürfte sein, ob der Angeklagte in Notwehr gehandelt hat. Der 25-Jährige hatte im ersten Verfahren zugegeben, auf den 28-jährigen Clubbesucher eingestochen zu haben. Zudem wurden bei der Tat im September 2023 zwei weitere Männer verletzt.
Prozess um tödliche Auseinandersetzung in Würzburg wird neu aufgerollt
Das Landgericht Würzburg konnte im Jahr 2024 nicht ausschließen, dass der angeklagte Spanier in Notwehr gehandelt hatte, und sprach ihn daher frei. Die Staatsanwaltschaft hatte hingegen wegen Totschlags eine zwölfjährige Haftstrafe gefordert und ging nach dem Urteil in Revision.
Zu Beginn des neuen Prozesses verlasen die drei Verteidiger eine Erklärung ihres Mandanten: "Ich wünschte, ich könnte es ungeschehen machen", sagten sie im Namen des Angeklagten, der sich bei den Opfern und deren Angehörigen entschuldigte. Der 25-Jährige beruft sich auf Erinnerungslücken, auch weil er reichlich Alkohol konsumiert habe. Er sei vor dem Club über die Straße geschubst und beleidigt worden und habe sich "vier oder fünf Gegnern gegenüber" gesehen.
Der 25-Jährige soll laut Anklage damals vor der Diskothek verbal mehrere Frauen belästigt haben. Als ein Mann ihn davon abhalten wollte, soll er sich aggressiv und uneinsichtig gezeigt haben. Ein Türsteher soll den Verdächtigen schließlich mehrfach geohrfeigt haben. Im Zuge dessen versuchte das spätere Todesopfer laut Ermittlungen zu schlichten, geriet jedoch schließlich mit dem Angeklagten körperlich aneinander. Der 25-Jährige soll dabei mit einem Messer auf den 28-Jährigen eingestochen haben.