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Gemünden: Mann erstickt Baby seiner Freundin - erhält lebenslänglich Haftstrafe wegen Mordes


Autor: Redaktion, Agentur dpa

Würzburg, Donnerstag, 20. Oktober 2022

Ein 25-Jähriger wurde Anfang 2021 in Würzburg für den Tod eines acht Monate alten Babys schuldig gesprochen: Der Mann soll das Kind seiner Freundin schwer misshandelt und erstickt haben. Der Fall wurde jedoch neu aufgerollt und der Angeklagte für Mord statt Totschlag verurteilt.
Die Staatsanwaltschaft plädierte auf Mord statt Totschlag.


Update vom 20.10.2022, 13.20 Uhr: Kammer schwenkt von Totschlag auf Mord und verhängt Urteil

Im Revisionsverfahren um den gewaltsamen Tod eines Babys in Unterfranken ist der Angeklagte wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt worden. In erster Instanz hatte die Entscheidung des Landgerichts Würzburg noch auf Totschlag gelautet - elf Jahre Freiheitsstrafe wurden verhängt. Am Donnerstag (20. Oktober 2022) sah es eine andere Kammer als erwiesen an, dass der 25-Jährige das Kind seiner Freundin geplant tötete, weil er sich von ihm gestört fühlte. Er habe in menschenverachtender Feindseligkeit und Selbstsucht gehandelt, sagte der Vorsitzende Richter. Das Urteil gegen den Deutschen ist noch nicht rechtskräftig.

Der Mann soll den acht Monate alten Jungen kurz vor Weihnachten 2019 im Raum Gemünden am Main misshandelt und erstickt haben. Der Angeklagte hatte dies stets bestritten. Die Staatsanwaltschaft hatte am Donnerstag auf Mord plädiert, die Verteidigung auf Totschlag.

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Im März dieses Jahres wurde entschieden, dass der Prozess neu aufgerollt werden soll. Es sei nicht sicher geklärt, ob der Angeklagte das Baby nicht doch gezielt getötet hat - und daher vielleicht Mord statt Totschlag vorliege.

Update vom 06.10.2022, 20.30 Uhr: Gutachterin attestiert Persönlichkeitsstörung

Im Revisionsverfahren um den gewaltsamen Tod eines Babys in Unterfranken hat eine psychiatrische Sachverständige dem Angeklagtem eine dissoziale Persönlichkeitsstörung attestiert. Zudem weise der 25-Jährige narzisstische Züge auf, sagte die Gutachterin am Donnerstag vor dem Landgericht Würzburg.

Das Gericht hatte den Angeklagten in erster Instanz am 22. Februar 2021 zu elf Jahren Freiheitsstrafe wegen Totschlags verurteilt. Der Deutsche soll das acht Monate alte Baby seiner Freundin kurz vor Weihnachten 2019 im Raum Gemünden am Main misshandelt und erstickt haben, "weil er sich durch das Kind gestört fühlte", hieß es vor Gericht

Der Mann hatte dies stets bestritten. Das Landgericht ging nach der Beweisaufnahme davon aus, dass der Verdächtige den Jungen schon mehrfach in den Wochen vor dem Tod schwer misshandelt hat. Da am Donnerstag, dem 6. Oktober 2022, die Beweisaufnahme abgeschlossen wurde, könnten Plädoyers und Urteil nun am 14. Oktober folgen.

Update vom 08.03.2022, 19.30 Uhr: Fall um totes Baby neu verhandelt

Mehr als ein Jahr nach dem Würzburger Urteil um den gewaltsamen Tod des Babys hat der Bundesgerichtshof (BGH) den Fall zurück ans Landgericht verwiesen. Damit müsse die Sache in Würzburg vor einer anderen Strafkammer als Schwurgericht neu verhandelt und entschieden werden, teilte eine BGH-Sprecherin am Dienstag (8. März 2022) in Karlsruhe mit.

Das Landgericht hatte den Angeklagten bereits am 22. Februar 2021 zu elf Jahren Freiheitsstrafe wegen Totschlags verurteilt. Der 25 Jahre alte Deutsche soll das acht Monate alte Baby seiner Freundin kurz vor Weihnachten 2019 im Raum Gemünden am Main misshandelt und erstickt haben. Der Mann hatte dies stets bestritten.

Sein Verteidiger hatte sich in seinem Plädoyer für eine Haftstrafe von sieben Jahren wegen Körperverletzung mit Todesfolge ausgesprochen. Die Staatsanwaltschaft hatte für eine Freiheitsstrafe von zwölf Jahren wegen Totschlags plädiert.

Ursprünglich war der Mann wegen Mordes angeklagt. Eine psychiatrische Gutachterin hatte im Laufe des Prozesses seine volle Schuldfähigkeit festgestellt. Nach dem Urteil waren Staatsanwaltschaft und Verteidigung in Revision gegangen.

Ursprüngliche Meldung vom 22.01.2021: Prozess um ersticktes Baby

Im Prozess um den gewaltsamen Tod eines Babys in Franken hat ein Gutachter die massiven Verletzungen des Kindes geschildert. Er sehe "sehr wahrscheinliche Hinweise", die einen Tod durch Ersticken nahelegen, sagte Rechtsmediziner Michael Bohnert am Freitag (22. Januar 2021) vor dem Landgericht Würzburg. Das Baby habe außerdem bis kurz vor seinem Tod unter "heftigen Gewalteinwirkungen" und "wiederholten Misshandlungen" gelitten.

Seit Oktober muss sich der damalige Freund der Mutter wegen Mordes vor Gericht verantworten. Der mittlerweile 24 Jahre alte Mann bestritt zum Prozessauftakt, das Kind kurz vor Weihnachten 2019 tödlich misshandelt zu haben.

Verletzungen gezielt herbeigeführt

Die Obduktion zeigte nach Angaben des Rechtsmediziners zahlreiche Verletzungen, die nicht durch einen Unfall oder die Reanimation entstanden sein können, sondern gezielt herbeigeführt wurden. So hatte der damals acht Monate alte Junge diverse Hämatome, Einblutungen durch einen Schädelbruch sowie eine schwere Verletzung im Bauchraum. Diese stamme wohl vom Todestag und sei nur durch einen sehr schmerzhaften "Faustschlag oder Fußtritt oder starkes Zusammenpressens des Bauches" zu erklären.

Seine Lunge wies zudem auf Anzeichen eines Erstickungstodes hin, weitere Rippenbrüche seien in ihrer Art "praktisch beweisend für Kindesmisshandlung". Der Mediziner fasste zusammen: "Ich habe einen solchen Befund in 30 Jahren Arbeit nur einmal bei schwerer Kindesmisshandlung gesehen."

red/dpa