In malerischem Ort in Franken liegt der Mittelpunkt der EU
Autor: Isabel Schaffner
Veitshöchheim, Samstag, 03. Oktober 2026
In einer unterfränkischen Gemeinde liegt der geografische Mittelpunkt der EU. Daneben bietet sie noch mehr Sehenswertes, wie ein Reiseportal hervorhebt.
Die Webseite für Reisetipps reisereporter.de hat Veitshöchheim als "einzigartigem Reiseziel in Deutschland – das kaum jemand kennt" einen Beitrag gewidmet. Viele verbinden sicherlich den Austragungsort der BR-Sendung "Fastnacht in Franken" mit der Gemeinde aus dem Landkreis Würzburg. Doch ein weiterer besonderer Ort befindet sich hier: Der Weiler Gadheim beheimatet den geografischen Mittelpunkt der Europäischen Union. Die Koordinaten des Punktes lauten 9°54′07″ östlicher Länge und 49°50′35″ nördlicher Breite.
In der Nacht zum 1. Februar 2020, als Großbritannien die EU verließ, wanderte der geografische Schwerpunkt um rund 70 Kilometer nach Südosten – auf ein landwirtschaftlich genutztes Feld. Ermittelt wird die Stelle vom französischen Institut national de l’information géographique et forestière (IGN).
Veitshöchheim mit besonderer geografischer Lage - weitere Sehenswürdigkeiten
Ein Findling markiert die Stelle, ein Messstab erinnert symbolisch an einen Speer, der vom früheren Mittelpunkt aus hierher geworfen worden sein könnte. Informationstafeln erklären den Bezug zur EU, dazu wehen die Fahnen Europas, Deutschlands und Veitshöchheims. Eine runde Sitzgruppe lädt zum Verweilen ein. Wer den Ort besucht, sollte beachten: Direkt am Mittelpunkt gibt es weder eine Zufahrt noch Parkplätze. Von Gadheim aus führt ein kurzer Fußweg hin, weitere ausgeschilderte Wege starten unter anderem an Parkmöglichkeiten in der Umgebung. Auch mit dem Fahrrad ist der Punkt erreichbar. Die Gemeinde würdigt seine besondere Lage außerdem mit einer EU-Mittelpunkt-Edition aus Wein und Bränden.
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Vom ländlichen EU-Punkt ist es nur ein Abstecher in den historischen Ortskern, der Veitshöchheims zweite, ganz andere Geschichte erzählt: Einst war der Ort Sommeraufenthalt der Würzburger Fürstbischöfe und ein Fischer- und Weinbaudorf. Das Schloss Veitshöchheim wurde laut der Touristeninformation um 1680 als Sommerhaus errichtet und 1753 von Balthasar Neumann erweitert. Bei Führungen geht es durch die historischen Wohnräume, deren Ausstattung Einblicke in höfisches Leben und private Sommerfrische gibt.
Direkt daneben liegt der Rokokogarten, eine der großen Attraktionen des Ortes. Anders als viele Anlagen, die später in Landschaftsparks umgestaltet wurden, blieb er in seiner Rokokoform erhalten, wie es auf der Webseite heißt. Zwischen Alleen, Hecken und Lauben begegnen Besucher rund 300 Sandsteinskulpturen – von antiken Göttern bis zu Putten und Fabelwesen. Im Großen See erhebt sich der Musenberg Parnass; die historischen Wasserspiele sind von April bis Oktober täglich zwischen 13 und 17 Uhr zur vollen Stunde zu sehen.
Fränkische Fastnacht und Spuren jüdischen Lebens
Auch der Altort lohnt einen Rundgang: Schmucke Gässchen, historische Gebäude und Plätze machen den früheren Dorfcharakter sichtbar. Zu den besonderen Stationen zählen die Martinskapelle aus dem 12. Jahrhundert und die Eremitenmühle aus dem 13. Jahrhundert. Auch andere fränkische Orte finden immer wieder auf deutschen Portalen Beachtung. So bezeichnet das Lifestyle-Magazin Esquire eine Fachwerkstadt als "perfektes Herbstziel".
Fans von "Fastnacht in Franken" mögen Freude am Begutachten des auffälligen Fastnachtshauses mit humorvoller Fassade haben. Im Foyer der Mainfrankensäle findet sich zudem eine kleine Ausstellung zu den Hintergründen der beliebten BR-Produktion.