Fußball-Wunder. Manipulation. Ein Spiel für die Ewigkeit. Eine Schande. Der 4:3-Erfolg des Fußball-Regionalligisten FC 05 Schweinfurt über den SV Heimstetten hat keinen kalt gelassen. Im Willy-Sachs-Stadion feierten 1600 Fans ihre Grün-Weißen, die auf dem allerletzten Drücker den direkten Abstieg vermieden hatten. Nach 1:3-Rückstand. Mit drei Treffern binnen weniger Minuten. Und das alles unmittelbar vor Spielende.

Zeitgleich in Hof: schreckensstarre Gesichter. Abstieg. Trotz Sieg. 3:1 hatte die Elf von Michael Voigt ihr "Endspiel" gewonnen gegen die Würzburger Kickers. Alles durfte passieren, nur Schweinfurt nicht gewinnen. Jetzt sehen die Oberfranken an ruhmreicher Stätte in der Grünen Au in der neuen Saison nur Bayernliga-Fußball. Und sehen sich betrogen.

"Drei Gegentore in drei Minuten. Das verhindert selbst eine Altherren-Mannschaft. Das stinkt nach Manipulation", sagte Hofs Präsident Reiner Denzler gegenüber der Frankenpost. Harter Tobak. Und Worte, die Markus Wolf nur bis zu einem gewissen Punkt nachvollziehen kann. "Betrug oder Wettskandal. Das ist doch Quatsch und völlig an den Haaren herbeigezogen", sagt der Vorsitzende des FC 05, dessen Team in der Relegation den Abstieg abwenden kann. Sportlich. Und sportlich sei ungeachtet der absurd anmutenden Dramatik auch das Spiel gegen Heimstetten gewesen, das mit Benjamin Cortus ein Bundesliga-Schiedsrichter geleitet hatte.

"Verschwörungs-Theorien und haltlose Unwahrheiten gehen unter die Gürtellinie. Die Enttäuschung auf Hofer Seite kann ich nachvollziehen. In dieser Situation würden auch wir der Sache nachgehen. Aber Beschuldigungen machen nur Sinn, wenn man Beweise hat", betont Markus Wolf, der ungeachtet der Vorwürfe keinen Kontakt nach Hof suchen will. "Wieso auch? Wir haben eine reine Weste und ein ruhiges Gewissen."

Schicksal und Glück

Nur eines stört den Vorsitzenden und Hauptsponsor des Vereins ganz gewaltig. "Ich habe Angst, unverschuldet Idioten eine Plattform gegeben zu haben. Solche Chaoten hat man leider nur schwer im Griff", sagt Markus Wolf. Und meint jene vermeintlichen Fans, die kurz vor Spiel ende aus Frust Böller gezündet hatten. Mit Folgen. Weil der Unparteiische die Partie unterbrach. Weil just in dieser Zwangspause der Gegner aus Heimstetten durch das Rosenheimer Remis beim FC Bayern München II von seiner "Rettung" erfuhr. Selbst bei einer Niederlage. "Keiner weiß, wie es ohne Unterbrechung ausgeht. Das alles ist Schicksal. Und Glück. Wir haben in der Saison schon oft genug Pech gehabt und auch nicht lamentiert", sagt der FC-Boss.

Fakt ist, dass Heimstetten nach einer Roten Karte 45 Minuten in Unterzahl gespielt hatte. Und nach der frohen Kunde vom Klassenerhalt wohl die nötige Spannung verlor. "Man hat doch auf den TV-Bildern des Bayerischen Fußball-Verbandes gesehen, dass die Tore herausgespielt waren und uns die Treffer garantiert nicht geschenkt wurden", sagt Markus Wolf. Auch beim SV Heimstetten wehrt man sich entschieden gegen Betrugs-Vorwürfe. Schlimm, dass SV-Abteilungsleiter Michael Matejka gar eine Morddrohung per Email erhalten hat.

Hofs Präsident Reiner Denzler steht hinter der Anzeige, will sogar mit einer Einstweiligen Verfügung die Relegation mit Schweinfurter Beteiligung aussetzen, bis der Fall geklärt ist. "Jeder, der realistisch denkt, muss doch sagen, dass dies nicht mit rechten Dingen zugegangen sein kann." Denzer ist empört, weil die Spielunterbrechung durch das Fehlverhalten der Schweinfurter Fans dem FC 05 indirekt genutzt hat.

"Heimstetten wusste, dass es gerettet ist und hat das Spielen eingestellt. Und es ist doch bekannt, dass auf Funktionärsebene gute Kontakte zwischen Heimstetten und Schweinfurt bestehen." Eine Bestrafung samt Punktabzug wünscht sich daher der Hofer Präsident. "Wir haben schließlich unsere Hausaufgaben gemacht mit dem Sieg über Würzburg. Die Schweinfurter offensichtlich nicht, wenn man gegen zehn Mann kurz vor Schluss mit 1:3 hintenliegt."

Keine Stellungnahme vom BFV

Der Bayerische Fußballverband hält sich bedeckt. Als BFV-Beobachter vor Ort war Walter Meding (Goßmannsdorf), der sich auf telefonische Nachfrage nicht äußern wollte. "Damit brechen wir das Gespräch ab", sagte Meding und verwies auf BFV-Pressesprecher Thomas Müther, der ebenfalls kein Statement abgeben wollte. "Es gibt aktuell keine offizielle Stellungnahme des BFV", heißt es lapidar in einer Email an die Redaktion.

Dubiose Wette

Die SpVgg Bayern Hof hat inzwischen mit anwaltlicher Hilfe Anzeige beim Sportgericht Bayern erstattet wegen des Verdachts der Manipulation. Inklusive der Information, eine Wette auf den Sieg der Schweinfurter (Quote: 1:300) hätte bei einem Einsatz von 3000 Euro einen Gewinn von 900.000 Euro gebracht. Dass eine derartige Wette im Umlauf war, wurde vom BFV übrigens dementiert.

Das Spiel in Schweinfurt war dem ehemaligen Nationalspieler Ander Kupfer gewidmet, dem berühmtesten Fußballer der Stadt, der im Mai hundert Jahre alt geworden wäre. "Vielleicht hat der Ander im Himmel ein gutes Wort für uns eingelegt", sagt Markus Wolf.

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