Mellrichstadt: 7500 Jahre alter Fund begeistert Forscher
Autor: Erik Jasper
Mellrichstadt, Sonntag, 02. August 2026
Jahrtausende lag sie unter der Erde - bis Bauarbeiten an der SuedLink-Trasse ihre Entdeckung ermöglichten: Eine steinzeitliche Siedlung sorgt aktuell für Begeisterung unter Forschern.
Das beschauliche Mellrichstadt im Kreis Rhön-Grabfeld ist stolz auf seine Vergangenheit. Auf ihrer Website schreibt die Stadt ausführlich über die eigene Historie - und dürfte hier wohl schon bald ein weiteres Kapitel hinzufügen. Denn in der Umgebung wurde vor einigen Monaten ein bedeutender Fund gemacht, der einen spannenden Einblick in die Geschichte unseres Kontinents erlaubt. Ähnlich spektakulär war vor einigen Monaten auch die Ausgrabung eines Riesen-Sauriers in Oberfranken.
"Es sind Zeugnisse der ersten sesshaften Menschen in Mitteleuropa", ordnet das Landesamt die Entdeckung in Mellrichstadt, deren Alter auf etwa 7500 Jahre geschätzt wird, in einem offiziellen Statement ein. Bisher seien mehrere Häuser, zahlreiche Pfostengruben und Siedlungsgruben aus der Jungsteinzeit - in Fachkreisen Neolithikum genannt - freigelegt worden. Ebenso habe man Gefäßfragmente aus Keramik, Geräte aus Silex und Felsgestein sowie Tierknochen bergen können.
"In gewisser Weise unsere Urahnen": Forscher erklärt Bedeutung von Fund in Unterfranken
"In gewisser Weise sind diese Menschen in ihrer Lebensweise unsere Urahnen", erklärt der archäologische Abschnittsleiter Jan Hafner, der für die Koordination der Ausgrabung zuständig ist, am Donnerstag (30. Juli 2026) im Gespräch mit inFranken.de. "Wir haben mindestens ein neolithisches Langhaus gefunden - gebaut von Menschen, die in der Jungsteinzeit in unsere Region eingewandert sind", berichtet der Wissenschaftler. Bei den damaligen Bewohnern der Siedlung handelt es sich laut Hafner um eine etwa 20 bis 40 Menschen umfassende Sippe, die sich der "Linearbandkeramischen Kultur" zuordnen lässt.
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Benannt ist diese Kultur nach den für sie typischen, in Keramik eingeritzten Linien. Der Name mag für manchen banal klingen, für die Geschichte der europäischen Zivilisation ist die Besiedlung durch diese Einwanderer aus dem östlichen Mittelmeerraum jedoch von monumentaler Bedeutung. "Die jungsteinzeitliche Kultur hat sich ursprünglich in der Region des sogenannten Fruchtbaren Halbmonds im Bereich des heutigen Iraks und Syriens entwickelt und hat sich über Anatolien und den Donauraum bis zu uns ausgebreitet. Ihre Menschen haben dabei ihre neolithische Lebensweise nach Mitteleuropa importiert. Sie haben beispielsweise den Ackerbau und verbesserte Keramikherstellungstechniken mitgebracht und Nutzvieh gezüchtet", führt Hafner aus.
Ein entscheidendes Kapitel der europäischen Zivilisation - sichtbar in Unterfranken. Dass man bei Mellrichstadt ein weiteres Puzzlestück bei der Erforschung der europäischen Frühgeschichte entdeckt hat, ist tatsächlich dem Zufall geschuldet, denn die Siedlung wurde im Rahmen von Bauarbeiten an der SuedLink-Trasse gefunden. Nach Angaben von Abschnittsleiter Hafner befinden sich die Ausgrabungen aktuell in den letzten Zügen - anschließend sollen die Funde weiter ausgewertet werden.
Der Zufall half zuletzt auch bei einer spannenden Entdeckung in Oberfranken: Beim Verlegen einer Fernwärmeleitung stieß man am Bamberger Rathaus auf mehrere Skelette. Weitere Nachrichten aus dem Kreis Rhön-Grabfeld findest du im Lokalressort.