Corona-Demos: Stauffenberg-Enkel verbittet sich "widerliche" Vergleiche. Karl Graf Stauffenberg, Enkel des gescheiterten Hitler-Attentäters Claus Schenk Graf von Stauffenberg, übt scharfe Kritik an historischen Vergleichen bei Corona-Demos. "Ich habe jetzt von Querdenker-Demonstranten in Berlin immer wieder gehört, dass es einen Stauffenberg geben müsse, der gewaltsam diese Diktatur beenden solle", berichtet der Eventmanager aus dem unterfränkischen Höchheim (Landkreis Rhön-Grabfeld) in einem emotionalen Facebook-Post. Sichtlich entsetzt fragt er rhetorisch: "Habt ihr eigentlich noch alle Latten am Zaun?"

Er kritisiere zwar selbst die Corona-Politik von Bund und Ländern. Deutschlands Regierungen jedoch mit der DDR oder gar mit der NS-Diktatur gleichzusetzen, sei "schlicht dämlich und gefährlich". "Menschen wie meinen Großvater, der in einer völlig anderen Zeit gelebt hat, für rechtspolitische oder rechtsextreme Tendenzen zu missbrauchen, halte ich für widerlich", erklärt Stauffenberg inFranken.de

"Geschichtsklitterei": Stauffenberg beklagt Instrumentalisierung seines Großvaters auf Corona-Demos

Stauffenbergs Großvater, Claus Schenk Graf von Stauffenberg, versuchte am 20. Juli 1944 gemeinsam mit Verbündeten, Diktator Adolf Hitler mit einer Bombe zu ermorden - und damit den Zweiten Weltkrieg zu beenden. Der Umsturzversuch schlug jedoch fehl und endete noch in der Nacht mit der Hinrichtung der gescheiterten Attentäter. 

Unpassende Gleichsetzungen mit der Nazizeit gibt es laut Karl Graf Stauffenberg immer wieder. Er verweist etwa auf eine junge Frau, die sich als Rednerin auf einer Querdenken-Demo mit der Widerstandskämpferin Sophie Scholl verglich. "Die Geschwister Scholl, Georg Elser oder gar meinen Großvater Claus Graf Stauffenberg für die Querdenker, die AfD oder sonstige Schwafler zu instrumentalisieren, ist Geschichtsklitterei", moniert Stauffenberg auf Facebook. "Wir leben nicht in einer Diktatur!"

Schon die Tatsache, "dass ihr trotz Demoverbot in Berlin euere Meinung kundtun konntet, ohne um euer Leben zu fürchten", bestätige dies. "Man kann mit der Corona-Politik überhaupt nicht einverstanden sein, dann würde es aber sinnvoll sein, sich demokratisch und politisch um einen Politikwechsel zu bemühen", unterstreicht Stauffenberg. 

Enkel von Hitler-Attentäter Stauffenberg: "Dieser Vergleich ist einfach abartig" 

"Ich bin selber mit der Corona-Politik der Bundesregierung nicht einverstanden", sagt Stauffenberg, der seit 2020 für die FDP im Kreistag des Landkreises Rhön-Grabfeld sitzt. Gegenüber inFranken.de kritisiert er hierbei die getroffenen Infektionsschutzmaßnahmen und insbesondere den Inzidenzwert als entscheidenden Faktor für entsprechende Einschränkungen. "Aber ich bin kein Maskengegner oder Impfgegner", betont der Unternehmer aus Unterfranken. So habe er etwa bis März ehrenamtlich im Impfzentrum gearbeitet - "damit wir möglichst schnell aus dieser Krise herauskommen." 

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Zweifelhafte historische Vergleiche kommen Stauffenberg zufolge in der Querdenker-Szene öfter vor. "Im Endeffekt setzt man unsere Regierung mit der einer Diktatur gleich", erklärt Stauffenberg. "Dieser Vergleich ist einfach abartig. Das darf man nicht hinnehmen." Er sorgt sich dabei nicht zuletzt um das Ansehen seines hingerichteten Großvaters. "Wenn dann auch noch der Name meines Großvaters in den Dreck gezogen wird, ärgert es mich doppelt."