Die Gemeinde Hofbieber wird mit Wirkung vom 1. April Besitzerin der Milseburghütte. Mit dem bisherigen Betreiber, dem Rhönklub, wird ein Auflösungsvertrag geschlossen. Dies beschloss die Vertretung der hessischen Rhöngemeinde bei ihrer jüngsten Sitzung mit großer Mehrheit.
Auslöser dafür, dass sich der Rhönklub von dem Gebäude trennen will, sind die Umbaupläne. Die 134 Jahre alte Milseburghütte ist stark renovierungsbedürftig. Sie soll deshalb nicht nur saniert, sondern teilweise neu aufgebaut werden. Da viele Rhönklub- Zweigvereine, vor allen die aus Thüringen und Bayern, sich nicht an einer Finanzierung beteiligen wollten, hat sich der Rhönklub-Hauptvorstand zu der Trennung entschlossen, die bei der Hauptversammlung im Sommer des vergangenen Jahres beschlossen wurde. Nur etwa ein Fünftel der Delegierten stimmte gegen die Pläne des Hauptvorstandes.

"Das bisherige Dreiecksverhältnis Gemeinde als Eigentümerin, Rhönklub als Betreiber und dem Pächter wird jetzt neu geordnet", erklärte Hofbiebers Bürgermeister Markus Röder dazu. Die Gemeinde ist künftig Eigentümerin und Betreiberin und verpachtet die Hütte. Dies sei wichtig, um die "Seele der Rhön", wie er die Hütte nannte, weiterentwickeln zu können. Es sei eine Arbeitsgruppe im Gemeindevorstand gebildet worden, um den Weiterbetriebzu gewährleisten, so Röder. "Wir sind jetzt in der Verantwortung", erklärt CDU-Fraktionsvorsitzender Toni Kaufmann.

Wolfgang Kümpel, der mit seiner Ehefrau Patrizia die Hütte bis 2021 gepachtet hat, erläutert gegenüber dieser Redaktion, dass unbedingt etwas gemacht werden müsse, ansonsten bestehe die Gefahr, dass das Gebäude wegen der schlechten Substanz eventuell geschlossen werden müsse. Kümpel geht davon aus, dass die Gemeinde Hofbieber und der Landkreis Fulda hinsichtlich eines Neu- oder Umbaus initiativ werden.

Landkreis-Pressesprecherin Leoni Rehnert sagt zu dem Beschluss der Vertretung: "Die Gemeinde Hofbieber ist seit 2006 Eigentümerin der Milseburg und künftig auch Betreiberin der Hütte. Das ist folgerichtig und quasi eine Bereinigung der Situation." Auf Pläne und Entscheidungen des Landkreises habe das keinerlei Auswirkungen, führt sie aus. In Kreistagssitzungen im vergangenen Jahr machten sowohl die CDU-Mehrheitsfraktion als auch Landrat Bernd Woide (CDU) deutlich, dass der Landkreis mit der Gemeinde Hofbieber zusammen die notwendige Sanierung und den Teilneubau vorantreiben wollen. Der Landkreis werde dabei die Bemühungen koordinieren und Fördermittel organisieren, erläuterte Woide. Wie es jetzt mit einem möglichen Neubau weitergeht, steht noch nicht fest.

Vieles hängt davon ab, ob eine Bohrung erlaubt wird. Ist dies der Fall, könnten Ver- und Entsorgungsleitungen, also Strom-, Wasser- und Abwasserleitungen bis zur Hütte in etwa 800 Meter Höhe unterirdisch gelegt werden. Danach könnte mit den Planungen begonnen werden. Dafür stehen im Haushalt der Gemeinde insgesamt 400 000 Euro zur Verfügung. Ob eine Bohrung überhaupt erlaubt wird, soll die Obere Naturschutzbehörde des Regierungspräsidiums Kassel entscheiden. Denn der gesamte Berg ist als Kernzone ausgewiesen, in der nichts verändert werden darf.
Eine Erkundungsbohrung ist im Spätherbst 2017 erfolgt. Dabei sollte herausgefunden werden, ob das Bohrgestänge die Gesteinsschichten schädigt. "Das entsprechende Gutachten darüber liegt beim Regierungspräsidium zur Auswertung", berichtet die Kreissprecherin.

Historie Seit 2006 ist das Milseburg-Areal im Besitz der Gemeinde Hofbieber. Damals gab es einen Streit um das 26-Hektar-Areal mit Vorbesitzer Freiherr Johannes von Guttenberg. Er hatte den Pachtvertrag für die Milseburghütte zum 31. Dezember 2005 gekündigt und drohte, dass sie abgerissen werden müsse, falls es zu keiner Entscheidung komme. Die Gemeinde Hofbieber wurde dank der Vermittlung des damaligen Landrats Fritz Kramer und Ex-Rhönklub-Präsidentin Regina Rinke neue Eigentümerin.

Rainer Ickler