Urteil in Nürnberg: Sechs Jahre Haft für Kindesmissbrauch - Drohbriefe und Kita-Einbrüche

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Prozess gegen einen 43-Jährigen wegen sexuellen Missbrauchs
Der Angeklagte wird von einem Justizbeamten und seinem Rechtsverteidiger zu seinem Sitzplatz im Sitzungssaal 1.006 des Strafjustizzentrums Nürnberg gewiesen.
Prozess gegen einen 43-Jährigen wegen sexuellen Missbrauchs
Pia Bayer (dpa)

Die Taten des 43-Jährigen sind unbegreiflich. Seine Festnahme verhindert weitere Missbrauchsfälle.

Es fehlen einem die Worte, wenn man sich mit diesem Fall beschäftigt. Kindesmissbrauch. Mehrmals. Wie unter anderem die Deutsche Presse-Agentur (dpa) am Dienstag, 15. August 2023 mitteilt, muss ein 43-Jähriger jetzt nach dem Urteil am Landgericht Nürnberg eine Haftstrafe von sechs Jahren absitzen - unter anderem wegen schweren sexuellen Missbrauchs, Herstellung pornografischer Inhalte, Bedrohung und Diebstahls.

Doch was alles bis zur Festnahme des Mannes passierte, lässt sich gerade für Eltern nur schwer verarbeiten. Die Taten beunruhigen viele  - erst in Nürnberg, dann in einem kleinen Ort in Schwaben.

Landgericht Nürnberg: Täter ist verheiratet - mehrfacher Missbrauch fliegt durch Diebstähle auf

Ein Mann, so schreibt es die dpa, stiehlt Kinderkleidung aus Kitas und Schulen. Einer Familie legt er die Unterwäsche ihres kleinen Sohnes vor die Haustür, dazu anonyme Briefe, in denen er sexuelle Fantasien mit allen drei Söhnen der Familie schildert.

Als die Polizei einen Verdächtigen schnappt, ist die Erleichterung in Nürnberg groß. Die Fassungslosigkeit in dessen Wohnort im Landkreis Neu-Ulm unbeschreiblich. Der verheiratete Mann passte dort, demnach regelmäßig auf Kinder auf. 

Die Taten hätten für große mediale Aufmerksamkeit gesorgt, vor allem die Diebstähle, sagte der Vorsitzende Richter laut dem dpa-Beitrag zur Gerichtsverhandlung. Am Ende waren es aber die Drohbriefe an die Familie, die die Polizei auf den Verdächtigen aufmerksam werden ließen.

Polizei ermittelt mit GPS-Tracker - Daten bei Kita-Einbruch führen zum Täter

Laut einer Aussage eines Polizisten, sei er auf einer Überwachungskamera vor dem Haus zu sehen gewesen. Im Zuge der Ermittlungen wurden dann die Funkzellen in der Umgebung ausgewertet und mit denen bei einem der Kindergarten-Einbrüche in der Nähe verglichen. Der Verdächtige war dabei unter den Treffern gewesen.

Aufgrund des erhöhten Tatverdachts wurde dann ein GPS-Tracker an seinem Auto befestigt. Vor Gericht erklärt eine Polizistin dazu: "Man hat schon früh gesehen, dass er nachts in dem Bereich unterwegs ist, wo Schulen und Kindergärten sind." 

Dann der Erfolg: Bei einem weiteren Einbruch in eine Schule war er laut der GPS-Daten dort in der Nähe. Die Staatsanwaltschaft erließ Haftbefehl. Die Festnahme im vergangenen Dezember verhinderte nach Ansicht der Polizistin weitere schwere Straftaten. 

Festnahme verhindert weitere schreckliche Missbrauchstaten

Nach Angaben eines Profilers aus München, der die Briefe analysiert habe, sei der Mann demnach möglicherweise kurz davor gewesen, seine sexuellen Fantasien auszuleben. 

Weiter wird im Bericht beschrieben, dass in den Wohnungen des Mannes in Nürnberg und im Landkreis Neu-Ulm nicht nur massenhaft Kinderkleidung, sondern auch Datenträger, auf denen Sex-Szenen des Angeklagten mit einem Kind gespeichert sind, von der Polizei entdeckt wurden

In der Vernehmung habe er später gestanden, den Jungen aus der Nachbarschaft sechsmal missbraucht zu haben - und räumte damit dem Gericht zufolge mehr Taten ein, als man ihm hätte nachweisen können.