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Tiergarten Nürnberg zeigt niedliche Nachwuchs-Bilder: "großer Erfolg"


Autor: Isabel Schaffner

Tiergarten Nürnberg, Samstag, 05. Juli 2025

Der Tiergarten Nürnberg teilt Bilder von Luchsen, die erst wenige Wochen alt sind. Sie zeigen sich den Besuchern immer mehr.
Ganz zaghaft erkunden die kleinen Luchse mit ihrer Mama das Gelände im Tiergarten Nürnberg.


Im Tiergarten Nürnberg gibt es bei den Karpatenluchsen Nachwuchs: Weibchen Desari brachte vor wenigen Wochen drei Jungtiere zur Welt, informiert die Stadt. Das Geschlecht der Jungen ist noch unbekannt, da Störungen während der Aufzucht vermieden werden sollen. Die Jungtiere verweilen vorwiegend in einer Felsnische, zeigen sich aber zunehmend den Besuchern. Bei der Geburt sind Luchse noch blind und wiegen zwischen 250 und 300 Gramm. In den ersten Wochen blieben die Jungen in ihrem Versteck, wo sie von ihrer Mutter Desari gesäugt wurden. Der genaue Geburtstermin ist laut Stadt unbekannt.

Der Vater der neugeborenen Luchse ist Yuri. Der Kuder, also das männliche Tier, ist mittlerweile nicht mehr im Tiergarten. Im Rahmen des Erhaltungszuchtprogramms des Europäischen Zooverbands EAZA (EAZA Ex situ Programme, kurz EEP) zog er Ende März in den Zoo de Labenne in Frankreich um. Im Gegenzug kam Anfang April Kuder Sitka aus dem belgischen Zoo Monde Sauvage in den Tiergarten. Sitka akzeptiert die Jungtiere, beteiligt sich jedoch - wie bei Luchsen üblich - nicht an deren Aufzucht.

Neugeborene Luchse aus dem Tiergarten Nürnberg mit noch ungewisser Zukunft

Auch die zwei Jungtiere vom letzten Jahr sind in den letzten Monaten umgezogen: Ein Kuder wurde an die Tierwelt Herberstein in Österreich übergeben, während der zweite in das sogenannte Koordinationsgehege des Zoologischen Stadtgartens Karlsruhe übersiedelte. Von dort aus soll er im Laufe des Jahres ausgewildert werden, führt die Stadt fort. Ob die drei Jungtiere aus diesem Jahr ebenfalls ausgewildert oder im Rahmen des EEP weiter gezüchtet werden sollen, steht noch nicht fest.

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"Unsere Luchse ziehen jetzt schon zum dritten Mal in Folge Jungtiere groß - das ist ein großer Erfolg. Damit können wir - wie auch in den letzten Jahren - einen Beitrag zum Erhalt der größten Katzenart Europas und zu ihrer Wiederansiedlung in der Natur leisten", sagt Jörg Beckmann, Biologischer Leiter und stellvertretender Direktor des Tiergartens. "Am Beispiel des Luchses wird einmal mehr deutlich, wie wichtig Zoos für den Artenschutz sind." Der Tiergarten engagiert sich eigenen Angaben zufolge darüber hinaus für den Schutz und Erhalt des Karpatenluchses.

Er ist Mitglied im beratenden Gremium des EEP, dem sogenannten Species Committee, und Mitglied bei "Linking Lynx": Das internationale Netzwerk beschäftigt sich mit der Erhaltung, dem Monitoring und dem Management des Karpatenluchses. Ziel ist es, Vorkommen zu stützen, zu gründen und miteinander zu verbinden. Die Luchs-Anlage, in dem früher Wölfe lebten, wurde 2014 mit finanzieller Unterstützung des Vereins der Tiergartenfreunde Nürnberg e. V. und mehrerer Tierpaten neu angelegt. Sie umfasst eine Fläche von rund 1850 Quadratmetern und bietet Rückzugs- und Versteckmöglichkeiten. 

Ausgestorben und wiederangesiedelt

Obwohl die Weltnaturschutzunion (IUCN) den Eurasischen Luchs (Lynx lynx) aufgrund seiner weiten Verbreitung bis nach Nordostasien als global "nicht gefährdet" einstuft, ist er in großen Teilen Europas als ausgestorben gelistet und konnte nur in bestimmten Gegenden wiederangesiedelt werden. In Deutschland und der Schweiz steht der Luchs deshalb auf der nationalen Roten Liste: in Deutschland als "stark gefährdet" und in der Schweiz als "vom Aussterben bedroht". Bis ins späte 20. Jahrhundert hinein galt er in Deutschland als ausgestorben. Laut Bundesamt für Naturschutz lebten Ende 2020 wieder etwa 190 Eurasische Luchse in freier Wildbahn in Deutschland.

Das umfangreichste Vorkommen befindet sich im Harz und erstreckt sich bis nach Nordhessen. Diese Population geht auf die Auswilderung von 24 Luchsen zurück, die Anfang der 2000er-Jahre aus Zoos und Wildparks stammten. Ein weiteres Vorkommen liegt im Bayerischen Wald, wo die Tiere aus dem Šumava-Gebirge in Tschechien eingewandert sind. Im Pfälzerwald hat sich aus einem 2016 gestarteten Wiederansiedlungsprojekt ein drittes Vorkommen entwickelt, bei dem Luchse aus der Schweiz und der Slowakei angesiedelt wurden.

Der Luchs ist die größte Raubkatze Europas und zählt zusammen mit Wolf und Bär zu den drei großen, landlebenden Beutegreifern der mitteleuropäischen Tierwelt. Luchse bewohnen hauptsächlich Wälder und sind vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Charakteristisch sind ihre Haarpinsel an den Ohren und der kurze Schwanz, erklärt die Stadt zum Schluss.