Ex-FCN-Profi im Interview: Über die Club-Hinrunde, den Klassenerhalt und das plötzliche Ende seiner Fußballkarriere
Autor: Redaktion
Nürnberg, Donnerstag, 10. Januar 2019
Er lief selbst für den 1. FC Nürnberg auf, stand vor dem Sprung in die Nationalmannschaft und guckt auch heute noch die Spiele des Club. Im Interview spricht Jörg Dittwar (55) unter anderem über seine Sicht zur Hinrunde des FCN und wieso seine Bundesliga-Karriere abrupt endete.
Von 1987 bis 1994 bestritt der "Allrounder", wie er sich selbst bezeichnet, 150 Bundesliga-Partien - in der Abwehr und im Mittelfeld. Noch heute kickt er in der Traditions-Mannschaft des Club und berichtet als Fan-Reporter von den Spielen - für Blinde oder Menschen mit Sehbehinderung. Sein nächstes Projekt ist der Aufbau einer eigenen Fußballschule zusammen mit dem ehemaligen DDR-Profi Dieter Kurth (BSG Motor Suhl). Im folgenden Interview äußert sich der vierfache Vater und fünffache Großvater, der beiin Dietersdorf nahe Coburg lebt, über die positiven wie negativen Aspekte der Club-Hinrunde, seine schweren Verletzungen in seiner aktiven Zeit und seinen einstigen Job als Bundestrainer.
Was ist Ihnen nach der Club-Hinrunde positiv im Gedächtnis haften geblieben?
Jörg Dittwar: Dass wir noch nicht abgeschlagen sind. Vor Saisonbeginn habe ich gesagt: Wenn wir vor dem 34. Spieltag auf einem Relegationsplatz stehen, können wir zufrieden sein. Damals wurde ich für diese Aussage ich belächelt. Fakt ist aber, dass in der Mannschaft, von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen, nur Talente ohne Bundesliga-Erfahrung stehen. Und die bekommen nun zu spüren, dass die Bundesliga ein anderes Kaliber als die Zweite Liga ist.
Wer oder was hat Sie am meisten enttäuscht?
Dass die Laufleistung in einigen Begegnungen zwei bis drei Kilometer hinter denen des Gegners zurückgeblieben ist. Wenn du hinten drinstehst, musst du den inneren Schweinehund überwinden und über den Kampf kommen. Die Jungs müssen mehr laufen und Zweikämpfe gewinnen - so wie im Training, wo richtig Zug dahinter ist. Und noch etwas...
Ja, bitte...
Die Jungs spielen keinen schlechten Fußball, im Gegenteil. Sie versuchen zumeist, spielerische Lösungen zu finden, so wie es Michael Köllner, den ich schon sehr lange kenne, vorgibt. Das geht allerdings nur bis 20 Meter vor dem Tor gut, danach geht leider nicht mehr viel. Erschwerend kommt hinzu, dass die Stürmer zu wenig treffen.