Die Meldung schlug am späten Sonntagabend ein wie eine Bombe: Zwölf Topclubs aus England, Spanien und Italien wollen eine eigene europäische Super Liga gründen - und damit in Konkurrenz zur Champions League treten.  

Deutsche Vereine sind bei dem höchst umstrittenen Projekt bislang nicht dabei. Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. Eine Auswahl...

Super League: FCN-Coach Klauß wettert gegen Superliga - eine "Vollkatastrophe"

Robert Klauß, Trainer des 1. FC Nürnberg: Der FCN-Coach hat die Super-League-Pläne einiger europäischer Topclubs als "Vollkatastrophe" für den Fußball kritisiert. Der 36-Jährige begründete seine Ablehnung am Montag bei einer Video-Pressekonferenz zum Zweitligaspiel gegen Erzgebirge Aue (Dienstag, 18.30 Uhr) vor allem aus der Sicht als Fan. Die Pläne der Großvereine seien aber auch verheerend für die kleineren Clubs - gerade in der Corona-Pandemie.

"Ich finde, das ist eine total beknackte Idee", sagte Klauß. "Wir haben diese Super League ja schon im Sinne der Champions League. Diese Mannschaften spielen ab dem Achtelfinale, Viertelfinale jedes Jahr gegeneinander - ohne Ausnahme. Da gibt es vielleicht mal eine oder zwei Mannschaften, die da mal reinrutschen. In der Champions League wird doch jedes Jahr schon der Sieger der Super-Mannschaften in Europa gekürt."

Angesichts der finanziellen Probleme aller Vereine wegen Corona mit Spielen ohne Zuschauer empört sich Klauß über den Vorstoß der zwölf Teams aus England, Spanien und Italien. "Gerade jetzt, in der aktuellen Phase, wo die kleinen Vereine Probleme haben, schauen die großen Vereine, dass sie noch mehr Geld generieren. Das ist ja Wahnsinn!" Topclubs wie der FC Liverpool oder Real Madrid litten im Verhältnis gesehen am wenigsten unter der Pandemie, weil sie immer noch große Einnahmen etwa durch Fernsehen, Champions League, Merchandising hätten, bemerkte der Nürnberger Coach.

Rudi Völler, Sportchef von Bayer 04 Leverkusen: Auch der ehemalige Bundestrainer kritisierte die Pläne zur Super League deutlich: "Eine geschlossene Gesellschaft ist ein Verbrechen am Fußball", sagte der Weltmeister von 1990 der Bild und Sport Bild und kritisierte vor allem den von Jürgen Klopp trainierten FC Liverpool: "Für einen Klub, bei dem die Fans „You’ll never walk alone“ singen, ist das beschämend."

Das Verhalten der deutschen Vereine in diesem Konflikt sei dagegen vorbildlich. "Dass Bayern München und Borussia Dortmund da nicht mitmachen, zeigt, dass sie Rückgrat haben", sagte Völler und forderte für die zwölf Vereine aus England, Spanien und Italien, die sich den Plänen bisher anschließen: "Wer ins dieser Liga mitspielen will, muss aus allen nationalen Ligen aussortiert werden. Mit allen Mannschaften. Die Jugend, die Frauen – alle müssen dann raus!"

Lukas Podolski, Stürmer bei Antalyaspor: Die Pläne zur Super League sind eine "Beleidigung für meinen Glauben" und "Fußball ist Glück, Freiheit, Leidenschaft, Fans und ist für jeden. Dieses Projekt ist ekelhaft, nicht fair und ich bin enttäuscht, dass Vereine, die ich vertreten habe, daran beteiligt sind." Man müsse gegen die Pläne "kämpfen", schrieb der ehemalige Bundesliga-Profi (1. FC Köln, FC Bayern) bei Twitter und versah seinen Post mit dem Hashtag "#StopTheSuperLeague".

Mesut Özil, Mittelfeldspieler bei Fenerbahce Istanbul: Ex-Nationalspieler Özil findet ebenfalls keine positiven Worte für die geplante Elite-Liga. "Kinder wachsen auf und träumen davon, eine Weltmeisterschaft oder die Champions League zu gewinnen - nicht irgendeine Super League", schrieb der 32-Jährige bei Twitter. Die Entscheidung dieser Topclubs sein "schwer zu verstehen, für alle Fußballfans da draußen", schrieb der ehemalige Bundesliga- und Arsenal-Profi und postete dazu Emojis eines Fußballs und eines gebrochenen Herzens.

Darmstadt 98, Fußball-Zweitligist: Der SV Darmstadt 98 will in der hitzigen Debatte um die Super League auch mitreden. "Klarstellung: Der #sv98 steht für eine europäische #SuperLeague nicht zur Verfügung. Wir glauben weiterhin, dass wir uns auf sportlichem Weg für den europäischen Wettbewerb qualifizieren können. Irgendwann. Vielleicht", twitterten die humorvollen Lilien am Montag.

Darmstadt ergänzte dies noch mit einem Gruß an Florentino Pérez, den Präsidenten von Real Madrid und designierten Vorstandsvorsitzenden des neuen Wettbewerb-Formats: "P.S: Hören Sie auf, uns ständig anzurufen, Florentino Perez."  Die Darmstädter spielten zuletzt von 2015 bis 2017 in der ersten Liga. In den Europapokal schaffte es der südhessische Clubs bislang nicht.

Hans-Joachim Watzke, Geschäftsführer von Borussia Dortmund: BVB-Geschäftsführer Watzke hat betont, dass der BVB und der FC Bayern München sich über die Ablehnung der geplanten europäischen Super League im Fußball einig seien. Watzke erklärte in einer Mitteilung seines Vereins, dass "beide deutsche Klubs, die im ECA-Board vertreten sind, der FC Bayern München und Borussia Dortmund, in allen Gesprächen zu 100 Prozent deckungsgleiche Auffassungen vertreten haben".

Grundsätzlich betonte der BVB-Boss noch einmal. "Die Mitglieder des Boards der European Club Association haben sich am Sonntagabend zu einer virtuellen Konferenz zusammengeschlossen und bekräftigt, dass der Board-Beschluss vom vergangenen Freitag nach wie vor Gültigkeit hat. Dieser Beschluss besagt, dass die Clubs die geplante Reform der UEFA Champions League umsetzen wollen. Es war die klare Meinung der Mitglieder des ECA-Boards, dass man die Pläne zur Gründung einer Super League ablehnt."

Luis Figo, Ex-Weltfußballer, spielte bei Real Madrid und dem FC Barcelona: "Diese sogenannte "Superleague" ist alles andere als "super"", twitterte der 48 Jahre alte Portugiese am Montag. "Dieser gierige und gefühllose Schritt würde eine Katastrophe für unsere Basis, den Frauenfußball und die breitere Fußballgemeinschaft bedeuten."

Es gehe den Clubeigentümern, "die sich seit langer Zeit nicht mehr um ihre Fans kümmern", nur um ihre eigenen Interessen, betonte der ehemalige Superstar. "Tragisch." Figos ehemalige Clubs FC Barcelona und Real Madrid gehören zu den zwölf Gründungsvereinen der Super League.

Gary Neville, Ex-Profi aus England (Manchester United): Der ehemalige Fußballprofi Gary Neville hat die geplante Gründung einer europäischen Super League in einem emotionalen Statement scharf verurteilt und auch seinen Herzensclub heftig attackiert. "Ich bin Manchester-United-Fan, ich bin das seit 40 Jahren - aber ich bin empört, total empört", sagte der 46-Jährige sichtlich bewegt bei Sky Sports am Sonntagabend nach dem 3:1-Sieg von Man United gegen Burnley. "Das ist kriminell. Das ist ein krimineller Akt gegen die Fans! Das ist eine Schande."

Die an dem Projekt beteiligten englischen Clubs - neben Manchester United auch der FC Liverpool, Manchester City, FC Arsenal, FC Chelsea und Tottenham Hotspur - würden ihre eigene Geschichte und ihre Fans verraten, meinte der ehemalige Weltklasse-Fußballer. "Das ist reine Geldgier. Das sind Hochstapler", meinte Neville und forderte als einzige Reaktion auf den Vorstoß: "Das sollte verdammt werden!"

Er sei nicht gegen die Modernisierung des Fußballs, aber dieser Plan mitten in der Corona-Pandemie sei wie ein Schlag - und der Zeitpunkt "schrecklich", kritisierte Neville. "In welcher Welt leben diese Leute eigentlich, wenn sie denken, sie können dies zu diesem Zeitpunkt durchziehen?" Er sei keineswegs gegen Geld im Fußball, "aber die Prinzipien und die Ethik sind die eines fairen Wettbewerbs", meinte der frühere Nationalspieler der Three Lions und achtmalige englische Meister mit Man United.

Mit den sechs beteiligten englischen Top-Clubs kannte er keine Gnade. "Zieht ihnen morgen alle Punkte ab! Verbannt sie an das Ende der Liga und nehmt ihnen das Geld weg", forderte Neville und fragte: "Haben sie denn das gottgegebene Recht, dabei zu sein? Ganz ehrlich, die Zeit ist jetzt reif für einen unabhängigen Regulator und diese Clubs" an ihrer Machtbasis zu stoppen. "Genug ist genug!"

Ralph Hasenhüttl, Trainer vom FC Southampton: "Es ist eine große Bedrohung, die ich aufziehen sehe, ein Krieg, wenn Sie so wollen, der großen Clubs."

Gründer, Teilnehmer, Modus: So soll die Superliga aussehen

Insgesamt 20 Mannschaften, viele garantierte Gruppenspiele und nur wenige K.o.-Partien: So stellen sich die Gründungsclubs ihre neue Superliga vor. Wann es losgeht und wie die Liga genau heißen soll, ist dagegen nicht so klar. In den in der Nacht zu Montag veröffentlichten Mitteilungen ist sowohl von "European Super League" wie auch mehrheitlich von "Super League" die Rede. Startpunkt: "Sobald wie möglich". Und so bald wie möglich soll es auch den gleichen Wettbewerb für Frauen geben.

Gründungsclubs: FC Arsenal, Manchester United, FC Liverpool, Tottenham Hotspur, FC Chelsea, Manchester City aus England; AC Mailand, Inter Mailand und Juventus Turin aus Italien; Real Madrid, FC Barcelona und Atletico Madrid aus Spanien. Aus Deutschland und Frankreich sowie den anderen europäischen Ländern ist bislang kein Club dabei.

Vorstände: Florentino Pérez (Präsident Real Madrid) als Vorstandsvorsitzender, Andrea Agnelli (Vorstandsvorsitzender Juventus Turin) und Joel Glazer (stellvertretender Vorstandsvorsitzender Manchester United) als stellvertretende Vorstandsvorsitzende

Teilnehmerzahl: 20

Teilnehmer: Die zwölf bekannten Gründungsclubs rechnen mit drei weiteren Clubs, die sich ihrem Kreis anschließen. Diese dann 15 Mannschaften sind gesetzt, dazu sollen fünf weitere Teams kommen, die sich auf Grundlage ihrer Erfolge in der vorausgehenden Saison qualifizieren. Nähere Angaben dazu, wie und auf welcher Grundlage das ablaufen soll, gibt es bislang nicht.

Modus: In zwei Zehnergruppen sollen die Teams Heim- und Auswärtsspiele austragen. Die Top Drei sind sicher im Viertelfinale. Die Teams auf Platz vier und fünf spielen in Hin- und Rückspiel den letzten Platz fürs Viertelfinale aus. Ab da geht es weiter wie in der K.o.-Phase der Champions League, also mit Hin- und Rückspiel im Viertel- und Halbfinale und einem einzigen Finalspiel an neutralem Ort.

Spielplan: Die Superliga soll im August beginnen, das Finale ist für Ende Mai angekündigt. Gespielt werden soll nur an den mittleren Wochentagen.

Und sonst? Die Pläne sehen vor, dass alle Mannschaften auch weiterhin in ihren nationalen Meisterschaften antreten.