Club-Coach Köllner: Keine 100-prozentige Sicherheit
Autor: Redaktion
Nürnberg, Donnerstag, 06. Sept. 2018
Michael Köllner hält Unterbrechungen und Korrekturen im Fußball für schwierig. Im Basketball soll es künftig sogar weniger "Absicherungen" geben.
Der Videobeweis in der Fußball-Bundesliga: Er erhitzt die Gemüter - und hat bereits erste personelle Konsequenzen nach sich gezogen: Wolfgang Stark, zwei Mal "Schiedsrichter des Jahres" und nun als Video Assistent Referee (VAR) tätig, wurde von Jochen Drees, der ab 1. Oktober für den Bereich Videobeweis im DFB-Video-Zentrum in Köln hauptverantwortlich zeichnet, zunächst einmal auf die "Ersatzbank" befördert. Stark hatte in der Partie zwischen dem VfL Wolfsburg und Schalke 04 am ersten Spieltag zwei Mal bei der Frage rote Karte oder nicht eingegriffen und Schiedsrichter Patrick Ittrich ganz offensichtlich aus der Spur gebracht.
"Richtig und nachvollziehbar"
;"Beim Spiel in Wolfsburg war es tatsächlich so, dass nach meiner persönlichen Auffassung in beiden Szenen die ursprüngliche Entscheidung, die der Schiedsrichter und seine Assistenten auf dem Platz getroffen haben, für mich richtig und nachvollziehbar war", hatte Drees gegenüber dem TV-Sender Sky gesagt - und in diesem Zusammenhang noch einmal verdeutlicht, dass es sich bei den Personen in Köln, in der Regel ehemalige Referees aus der Bundesliga, um Video-Assistenten und nicht um Video-Schiedsrichter handelt.
Für Jens Staudenmayer, einst nationaler Spitzen-Unparteiischer in der Basketball-Bundesliga, "sollte es nicht sein, dass in irgendeinem Keller jemand sitzt, der nicht unmittelbar mit dem Geschehen auf dem Platz zu tun hat und mitunter dennoch entscheidend eingreift". Auch wenn die Entscheidungsgewalt, so Staudenmayer, weiterhin beim Schiedsrichter liege, so führe das Eingreifen von außen dazu, dass die Referees "weniger selbstentscheidungsfähig" würden - "weil das Überprüfen mit Souffleur gegenüber der ursprünglich getroffenen Entscheidung offensichtlich Priorität hat". In seiner Funktion als sportlicher Leiter und Mitglied des Schiedsrichterreferats der Basketball-Bundesliga war der gebürtige Berliner vor vier Jahren für die Installation des Instant Replay Systems (IRS) in der BBL verantwortlich.
"Fehler wird es immer geben"
;Für Michael Köllner, den Trainer des 1. FC Nürnberg, steht fest, dass es selbst "mit einer weiteren Meinung, einer weiteren Einschätzung, nie zu einer 100 Prozent zweifelsfreien Entscheidung kommen wird". "Denn", dessen ist sich Köllner bewusst, "Fehler wird es immer geben". Um die Emotionalität des Spielgeschehens beizubehalten und den Spielfluss zu gewährleisten ("Im Gegensatz zu einer sequentiellen Sportart wie American Football handelt es sich beim Fußball um eine fließende Sportart - deswegen halte ich Unterbrechungen und Korrekturen für schwierig"), könnte sich der 48-Jährige ein System wie in der Champions League vorstellen. In diesem Wettbewerb decken die zusätzlichen Schiedsrichter den "kritischen Strafraum" ab.
Köllners Trainer-Kollege Sandro Schwarz vom FSV Mainz 05 versucht, mit den Irritationen und Debatten um den Videobeweis pragmatisch umzugehen: "Irren ist menschlich - und letztlich sitzen in Köln an den Monitoren auch nur Menschen. Von daher gehe ich davon aus, dass auch in der laufenden Saison wieder Fehler passieren werden. Aber jeder Fehler bietet die Möglichkeit, sich zu verbessern."
Verbesserungen mit Blick auf die Nutzung des IRS erhofft sich auch Staudenmayer. Weil es zuletzt viel häufiger in Anspruch genommen worden war als in der Premieren-Saison, wurden die bisher geltenden Kriterien noch einmal dezidiert verfeinert - "weil wir festgestellt haben, dass die Unterbrechungen durch die Absicherungen teilweise zu einer Scheingenauigkeit geführt haben". Das sei für das Produkt nicht förderlich, argumentiert der 50-Jährige. Er bestätigt, dass es selbst mit der Hinzunahme von Bildern "keine hundertprozentige Fehlervermeidung" geben wird, sondern "lediglich die Gerechtigkeitslücke weiter geschlossen werden kann".