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Röthenbach: Ernestine Hipper plant Rückzug aus Franken - "will jemand eine Oscar-Gewinnerin als Mieterin?"


Autor: Isabel Schaffner, Agentur dpa

Röthenbach an der Pegnitz, Dienstag, 21. März 2023

Der Oscar-Gewinn kam für die in Röthenbach wohnhafte Filmausstatterin Ernestine Hipper überrraschend. Vier Auszeichnungen erhielt der Film "Im Westen nichts Neues". Nun berichtet die Preisträgerin, dass sie Heimweh nach ihrer bayerischen Heimat habe.
Oscar-Gewinnerin Ernestine Hipper hat Heimweh - und will zurück in die bayerische Heimat.


  • Oscar-Gewinnerin Ernestine Hipper hat Heimweh nach bayerischer Heimat
  • Wohnhaft in Röthenbach - doch Filmausstatterin will nach München
  • Voller Erfolg: "Im Westen nichts Neues" erhält vier Oscars

Filmausstatterin Ernestine Hipper konnte es kaum fassen: Der Netflix-Film "Im Westen nichts Neues" gewann insgesamt vier Oscars - darunter für das beste Szenenbild. Doch die in Röthenbach an der Pegnitz ansässige Preisträgerin verrät trotz aller Euphorie nun, dass sie Heimweh habe. Sie wolle zurück in ihre bayerische Heimat, wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet. 

Update vom 20.03.2023: "Wichtig ist gerade, dass ich unbedingt nach Hause will" - Oscar-Gewinnerin will zurück in die bayerische Heimat 

Die Oscar-Gewinnerin Ernestine Hipper hat Heimweh und möchte in ihre bayerische Heimat zurückkehren. "Wichtig ist gerade, dass ich unbedingt nach Hause will", sagte die 60-Jährige der Deutschen Presse-Agentur. "Vielleicht will jemand eine Oscar-Gewinnerin als Mieterin in München?"

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Von Los Angeles fliege sie jetzt nach Island, wo sie bis Ende April für das Kinoprojekt "Eine Million Minuten" von Christopher Doll drehen werde. Die gebürtige Oberbayerin hatte zusammen mit Christian M. Goldbeck die begehrte Filmtrophäe für das Produktionsset von "Im Westen nichts Neues" erhalten.

Der deutsche Antikriegsfilm von Regisseur Edward Berger gewann in der vergangenen Woche insgesamt vier Oscars. Sie habe nicht mit einer Auszeichnung gerechnet und fühle sich noch immer wie in einem schönen Traum, sagte Hipper.

Erstmeldung vom 16.03.2023: "Werden sowieso nicht gewinnen": In Röthenbach wohnhafte Film-Ausstatterin wird mit Oscar überrascht

Hipper sei in Oberbayern aufgewachsen und zwei Jahre lang in Heilsbronn im Landkreis Ansbach zur Schule gegangen, berichtet sie inFranken.de. Wohnhaft sei sie aktuell in Röthenbach, arbeite aber überall auf der Welt, wie im Gespräch deutlich wird. Den Zeitraum ihres Einsatzes für den Antikriegsfilm "Im Westen nichts Neues" fasst sie so zusammen: "Drei Wochen Vorbereitung und fünf Monate gearbeitet. 7000 Sandsäcke, der ganze Draht vom Schlachtfeld, der Müll, Schlamm und Dreck, Munition - alles" sei ihrer Arbeit zuzuordnen. 

Der Film gewann letztlich nach neunfacher Nominierung Oscars in den Kategorien Bester Internationaler Film, Beste Kamera, Beste Filmmusik und Bestes Szenenbild. Schon allein wegen der Nominierung habe sich Hipper als Gewinnerin gefühlt. In Los Angeles habe sie sich vor der Verleihung in einem Panel auf der Bühne zwischen "gestandenen Weltgrößen" wiedergefunden, um von Studierenden befragt zu werden. Hochachtung habe sie vor der jahrelangen Arbeit für andere nominierte Filme wie etwa "Elvis". "Wir saßen ganz klein daneben und für uns war klar, wir werden sowieso nicht gewinnen", sagt sie auch im Namen von Szenebildner Christian M. Goldbeck.

Aus dem relaxten "Enjoy the party"-Modus wurde dann aber doch ein Hochgefühl der Freude und Überraschung, wie sie weiter ausführt. Die eigentliche Verleihung fand im Dolby Theatre statt, wo Hipper als Nominierte im Bereich um die Bühne Platz nehmen durfte. "Es hatte etwas sehr Erhabenes. Irgendwann füllten sich die Hallen." Weltstars wie Cate Blanchett seien nur wenige Meter entfernt gewesen. Nähere Begegnungen hätten sich für Hipper allerdings nicht ergeben. 

"Dachte, ich würde erstarren": Ernestine Hipper berichtet von Preisverleihung in Los Angeles

"Plötzlich heißt es: In 30 Minuten geht's los. 'Please walk to your seat'", erinnert sie sich. "Jetzt jubeln wir gleich jemandem zu, nur nicht uns", seien die Gedanken der beiden gewesen. Zumal deutsche Filme im Westen Amerikas wenig beachtet würden, so ihre Erfahrung. Die Academy of Motion Picture Arts and Sciences mit etwa 10.000 Mitgliedern aus der Filmbranche habe sich dann aber tatsächlich für "Im Westen nichts Neues" entschieden.

"Ich dachte, ich würde erstarren, aber nein: Es kommt ganz tief aus einem eine so unbändige, fast kindliche Freude und Dankbarkeit heraus. So etwas habe ich selten erlebt. Es war wie im Rausch", beschreibt sie das Gefühl. "Einen Oscar als Deutsche zu bekommen, war nie in unserem Gedankenradius angesiedelt." Nach einer Dankesrede seien Hipper und Goldbeck vor dem Theater auf Netflix-Mitarbeiterinnen getroffen, die "nur noch gekreischt" hätten. Nach einer Foto- und Interviewsession sei es für die Preisträger zu einem großen Ball gegangen.

"Oben auf der Bühne war die Station, wo man sein Schildchen auf den Oscar geschraubt bekommt", erklärt die in Röthenbach wohnhafte Ausstatterin. Vier Kilogramm wiege er. Nach einer langen Feiernacht hätten für Ernestine Hipper in den darauffolgenden Tagen Besuche bei Familie und Freunden angestanden. Dann gehe es nach Island - für ein neues Engagement bei dem Film "Eine Million Minuten".