Prozess in Nürnberg gestartet: Rockerbande soll mit Hightech tonnenweise Drogen verkauft haben - FBI deckt Rauschgiftring auf
Autor: Redaktion
Nürnberg, Donnerstag, 02. März 2023
Ein Ring im Dunstkreis des Nürnberger Ablegers der Rockerbande "United Tribuns" soll tonnenweise Marihuana verkauft haben - und auch Kokain sowie Haschisch hatten sie wohl im Angebot. Wegen der Nutzung von Kryptohandys dachten sie, dass sie ewig unter dem Radar fliegen werden. Dabei haben sie die Rechnung aber ohne das FBI gemacht. Nun stehen sechs der Rocker vor Gericht,
Sage und schreibe 1,2 Tonnen Marihuana sollen die sechs Beschuldigten gehandelt haben. Dazu kommen noch unbekannte Mengen an Kokain und Haschisch. Wie der Bayerische Rundfunk berichtete, sollen sie den Stoff in Frankfurt eingekauft und im Raum Nürnberg verkauft haben. Nun stehen sie in dort vor Gericht - auch, weil sie zu blind ihrer Technik vertraut haben.
Kopf der Bande soll Marius S. gewesen sein, der ehemalige Vize-Chef der Nürnberger "United Tribuns". Ein weiterer Angeklagter soll ebenfalls Mitglied der Bande gewesen sein, die 2022 vom Bundesinnenministerium verboten wurde. Ob die vier weiteren ebenfalls aus dem Dunstkreis der Rockergruppe stammen, ist nicht bekannt.
Rocker vertrauten auf Kryptohandys - Geheimdienste ließen sie auffliegen
Nun drohen Marius S. und den fünf weiteren Angeklagten lange Haftstrafen - laut dem BR zwischen fünf und 15 Jahren. Einer der Gruppe sitzt jedoch bereits im Gefängnis. Er war 2020 von einer Polizeistreife bei einer Kurierfahrt samt Drogen erwischt und zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren und sechs Monaten verurteilt worden. Eines steht fest: Die Liste an Vorwürfen ist lang. Die Verlesung der Anklage vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth am Mittwoch dauerte fast zwei Stunden - 70 Anklagepunkte gegen die Männer stehen im Raum.
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Mit Auto und Zug schafften sie den Stoff in den Jahren 2020 und 2021 nach Nürnberg und lagerten ihn teilweise in Privatwohnungen - so rekonstruiert die Anklage die Vorgehensweise. Dann verkauften sie das Gras und die anderen Drogen im Raum Nürnberg. Sie sollen so rund 5400 Euro pro Kilo Marihuana verdient haben - insgesamt setzen sie wohl gute sechs Millionen Euro um. Das Geld landete unter anderem auf dem Konto der Eltern des Hauptangeklagten.
Dabei haben sich die sechs mutmaßlichen Dealer alle Mühe gegeben, mit ihren illegalen Geschäften unter dem Radar der Behörden zu fliegen. Dazu nutzten sie laut den Ermittlern zwei verschiedene Arten von Kryptohandys. Sie waren fest davon überzeugt, dass man ihre Nachrichten damit nicht entschlüsseln kann. Womit sie nicht rechneten: Sowohl das FBI als auch der französische Geheimdienst lasen mit. Diese gaben die Daten schließlich an die deutschen Behörden weiter, die dann nur noch zugreifen mussten.
Der Prozess starte am Mittwoch und es sind sieben Verhandlungstage angesetzt. Mit einem Urteil wird bereits Ende des Monats gerechnet.
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