Nürnberg: Siemens-Tochter Evosoft schließt - 377 Mitarbeiter betroffen
Autor: Julian Drescher
Nürnberg, Samstag, 30. Mai 2026
Ein in Franken ansässiges Siemens-Tochterunternehmen schließt hierzulande seine Pforten. Die Folge ist ein dreistelliger Stellenabbau. Die Aufträge wandern künftig ins Ausland.
Nach mehr als drei Jahrzehnten stellt die Siemens-Tochtergesellschaft Evosoft ihre Geschäftstätigkeit in Deutschland ein. Die Standorte in Ungarn, Rumänien und der Türkei bleiben erhalten. Von der Schließung sind hierzulande 377 Mitarbeiter betroffen - der Großteil davon am Stammsitz in Nürnberg.
Die Evosoft GmbH ist auf Software-Dienstleistungen spezialisiert. Künftig sollen die in Deutschland erbrachten Leistungen an den übrigen Standorten in Osteuropa und auch neuerdings in Indien erbracht werden. Das teilt ein Siemens-Sprecher auf Anfrage von inFranken.de mit.
Evosoft gibt Deutschland-Zentrale auf: Dienstleistungen wandern nach Indien und Osteuropa
Bei Evosoft handelt es sich um eine hundertprozentige Siemens-Tochtergesellschaft. Laut der Beschreibung auf der Firmenwebseite entwickelt das Unternehmen seit 1995 "maßgeschneiderte Software-, IT- und Automatisierungslösungen". Der Firmensitz befindet sich bislang in der Marienbergstraße 80-82 in Nürnberg. Weltweit beschäftigt die Firma nach eigenen Angaben 2100 Mitarbeiter.
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Über 95 Prozent der Aufträge von Evosoft in Deutschland kamen bislang vom Mutterkonzern, erläutert ein Siemens-Sprecher im Gespräch mit inFranken.de. Doch damit ist bald Schluss: Der Konzern vergibt IT- und Software-Aufträge künftig nur noch an Evosoft-Standorte in Osteuropa oder Siemens-interne Entwickler in Indien, so der Sprecher.
Für Evosoft fehle damit in Deutschland die Geschäftsgrundlage. Ende des Kalenderjahres 2027 werden die Standorte in Deutschland geschlossen, so Siemens. Von den deutschlandweit 377 betroffenen Mitarbeitern arbeiten 340 in Mittelfranken. Der Rest verteile sich auf andere Standorte. Die Beschäftigten seien am 20. Mai über die Pläne informiert worden.
Verhandlungen über Sozialplan starten nach Pfingsten
Nach Pfingsten sollen die Verhandlungen zwischen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite beginnen, erläutert der Siemens-Sprecher. Ziel sei ein Interessensausgleich, bei dem beide Seiten weitestgehend in Einklang gebracht würden. Anschließend solle ein Sozialplan entwickelt werden. Es bestehe Hoffnung seitens Siemens, so der Sprecher, dass Angestellte von Evosoft künftig Arbeit in den Strukturen des Mutterkonzerns finden könnten.
Für die Übergangszeit von zwölf bis 18 Monaten werde der reguläre Geschäftsbetrieb fortgesetzt, allerdings würden keine neuen Aufträge mehr angenommen, betont Siemens. Bereits 2025 hatte Siemens einen massiven Jobabbau angekündigt, der auch die fränkischen Standorte betraf.