Nürnberg: Nur ein besonderer Hund kann Niklas (4) jetzt helfen - Diagnose "war Schock"
Autor: Isabel Schaffner
Fischbach bei Nürnberg, Montag, 13. November 2023
Vergangenes Jahr erhielt Niklas (4) aus Nürnberg eine schlimme Diagnose. Ein spezieller Hund könnte ihm sein Leben stark erleichtern, doch die Familie steht vor einer großen Hürde.
"Wir hatten es schon geahnt, aber als wir es schwarz auf weiß hatten, war es ein Schock", sagt Stephanie Wimmelbacher aus Fischbach (Nürnberg) im Gespräch mit inFranken.de über den Moment der Diagnose. Ihr ältester Sohn Niklas (4) leide an frühkindlichem Autismus und eventuell auch an ADHS.
"Im Alltag ist alles sehr schwierig für Niklas", sagt die Mutter eines weiteren einjährigen Sohnes. Niklas renne beispielsweise manchmal unvermittelt auf die Straße und könne Gefahren nicht einschätzen. Ein Assistenzhund würde viele Erleichterungen bringen, doch in Deutschland besteht kein rechtlicher Anspruch, sodass auch die Kosten nicht von der Krankenkasse übernommen werden. Das Schicksal von Niklas ist zudem nicht das einzige, mit dem die vierköpfige Familie zu kämpfen hat.
"Wurde immer eindeutiger": So äußert sich der Autismus von Niklas aus Nürnberg
Das Paar habe vor der folgenschweren Diagnose schon einen Verdacht bei Niklas gehabt. "Es wurde immer eindeutiger, dass er Autist ist", erinnert sie sich. Irgendwann sei er etwa nur noch auf eine bestimmte Art die Treppe hinuntergegangen. "Als er eine Handbewegung machte, die er sonst nicht macht, ist er hoch und wieder runter", nennt sie ein Beispiel. Neben einer verspäteten Sprachentwicklung zeige er auch Verhaltensweisen, die gefährlich werden könnten. Auch ein weiterer Nürnberger ist derzeit auf Hilfe angewiesen - Simos sucht seinen Lebensretter.
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"Man muss ihn rund um die Uhr im Blick behalten", denn er könne beispielsweise bei Spaziergängen einfach davonlaufen. "Er tut sich auch wahnsinnig schwer, wenn wir an der Kasse stehen, jemand unangekündigt kommt oder zu viele Menschen da sind." Die Verdachtsdiagnose ADHS mache "das Ganze nochmal schwerer", führt seine Mutter aus.
Bei sozialer Interaktion und Kommunikation habe Niklas die meisten Schwierigkeiten. Inzwischen gehe er für ein paar Stunden am Tag in einen heilpädagogischen Kindergarten mit acht Kindern, nachdem ein normaler Kindergarten für zu viel Reizüberflutung gesorgt habe. "Es ist jetzt wesentlich einfacher für ihn, aber immer noch problematisch."
Assistenzhund kostet 15.000 Euro - Tier kann beruhigen und für Sicherheit sorgen
Die Familie sieht in einem Assistenzhund eine große, potenzielle Hilfe. Zum Beispiel könne er das Weglaufen in der Öffentlichkeit verhindern, indem er mit einer speziellen Leine mit dem Kind verbunden sei und sich, wenn nötig, hinsetze. Er bleibe auch an jedem Straßenübergang stehen und überquere nur auf Kommando die Straße. Zudem könne er Niklas bei Reizüberflutungen beruhigen, zählt die Mutter die Fähigkeiten auf. Der Junge liebe bereits den Familienhund, dieser sei jedoch zu alt für die Ausbildung. Also sei eine Neuanschaffung nötig. "Das ganze läuft über eine Trainerin des Assistenzhundezentrum Deutschland."
Diese würde nach einem Vorgespräch mit der Familie auf Welpensuche gehen und einen Eignungstest machen. "Dann würde der Welpe bei uns einziehen, die Trainerin wöchentlich mit uns trainieren", erklärt Wimmelbacher. Nach einem Jahr folgten eine tierärztliche Kontrolle und die Hundeprüfung. Samt Anschaffung beliefen sich die voraussichtlichen Kosten auf 15.000 Euro. Niklas' Vater Timo ist OP-Leitung in einer Nürnberger Klinik, falle aktuell jedoch krankheitsbedingt wohl noch bis Mitte kommenden Jahres aus, so seine Frau. Sie selbst kümmere sich noch bis September 2024 um den zweiten Sohn und sagt: "Wir müssen momentan auf unsere Rücklagen zurückgreifen."