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Nürnberg: Immer mehr Senioren bei Rock im Park - und setzen neue Trends


Autor: Agentur dpa, Redaktion

Nürnberg, Donnerstag, 06. Juni 2024

Musikfestivals sind das Sommerhighlight für junge Leute - aber offenbar finden zunehmend auch ältere Semester Gefallen an lauten Bässen und Gitarren-Riffs. Nur ihr Rücken ist meist nicht mehr fürs Zelten ausgelegt.
Nicht mehr nur junge Leute feiern ausgiebig auf Festivals über mehrere Tage vor den Bühnen.


Auf Musikfestivals tagelang vor den Bühnen feiern und dazwischen kurze, unbequeme Nächte auf Luftmatratzen in Zelten verbringen - intuitiv denkt man hier vor allem an junge Leute. Doch auf vielen größeren Open-Air-Events sieht man mittlerweile auch viele Musikfans fortgeschrittenen Alters. "Senioren im Park" werden diese scherzhaft bei Rock im Park in Nürnberg genannt. 

Mit Rock im Park und seinem legendären Schwesterfestival Rock am Ring in der Eifel gehen an diesem Wochenende (7. bis 9. Juni 2024) die ersten großen Open Airs in Deutschland über die Bühne. Hier findest du alles, was du zur größten deutschen Rockveranstaltung am Nürburgring wissen musst. Und auch die Wettervorhersage hat vielversprechende Aussichten parat. Für Rock im Park in Nürnberg werden übrigens mehrere Straßen und Wege rund um das Festivalgelände gesperrt sein. Weitere Infos zu Lärm-Regeln und zum Camping-Verbot findest du hier

Alter geht nach oben: Fans sind mit Festivals erwachsen geworden

Laut Veranstalter liegt der Altersdurchschnitt bei beiden Festivals bei Ende 20. "Unsere Fans werden mit uns älter, gleichzeitig kommen viele jüngere Gäste hinzu", heißt es. Und weiter: "Ein Großteil unseres Publikums ist mit Rock am Ring und Rock im Park erwachsen geworden. Mittlerweile kommen sogar Eltern mit ihren Kindern zu den Festivals."

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Mit Bands wie Die Ärzte, Green Day und Donots werden in diesem Jahr wieder viele Idole auftreten, die noch so einige aus ihrer Jugend kennen. Eine Woche vor Rock im Park 2024 gab es allerdings nochmal Änderungen im Line-up - ganz zum Ärger der Fans: "Das ist einfach nicht fair". 

Festivalpublikum wird bunter: Nicht mehr das Alter zum Zelten

Der Veranstalter FKP Scorpio, der unter anderem das Hurricane und Southside oder das Gothic-Festival M’era Luna organisiert, bestätigt, dass das Publikum heterogener wird. Ein Grund dafür: "Auf unseren Festivals haben wir in den vergangenen Jahren Angebote gestärkt, die über das klassische Camping hinausgehen", sagt Sprecher Jonas Rohde. "Diese werden vor allem von Menschen genutzt, die unsere Festivals schon lange kennen, aber deren Rücken drei Nächte im Iglu-Zelt vielleicht nicht mehr unbeschadet übersteht."

Etwa 2200 Festivals gibt es nach Angaben der Bundesstiftung Livekultur in Deutschland. Diese arbeitet gerade an einer Studie zur Festivallandschaft hierzulande, die Ergebnisse sollen im Mai 2025 vorliegen. In Europa habe Deutschland die meisten Festivals pro Einwohner, sagt Axel Ballreich, Vorstand des Verbands der Musikspielstätten Livekomm. Diese reichten von ganz klein bis ganz groß und richteten sich an unterschiedliche Zielgruppen. Eine generelle Aussage für alle Musikfestivals ist deshalb nicht möglich. Aber: Das Alter bei den großen Festivals gehe eher nach oben

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Aus Sicht des Branchenkenners Robert Stolt sind gestiegene Ticketpreise mitverantwortlich. Zur Jahrhundertwende "konnte man es sich leisten, zu zwei bis drei Festivals im Sommer zu fahren", sagt er. Bei Ticketpreisen von 200 bis 300 Euro sei das aber nicht mehr möglich - vor allem nicht für jüngere Leute. Diese gingen deshalb eher zu kleineren oder nicht-kommerziellen Veranstaltungen. Hier ein großer Vergleich: Ist Rock im Park das teuerste Festival in Deutschland?

Auf den großen Festivals kommt mit den mehreren Zehntausend Besucherinnen und Besucher quasi eine Kleinstadt zusammen - somit bekommen diese auch die allgemeinen gesellschaftlichen Entwicklungen zu spüren. Ende 20, Anfang 30 - wenn die sogenannte Rushhour des Lebens beginnt, die Menschen also mit Karriere und Familiengründung beschäftigt sind - fehle den Leuten oft die Zeit und das Geld für mehrtägige Festivals, erläutert der Experte Ballreich. Deshalb gehe der Trend zu eintägigen Festivals und Tagestickets für mehrtägige Veranstaltungen. 

"Glamping" statt Zelten und Cocktails statt Dosenbier

Mit 40, 50 Jahren seien die Kinder älter und die Leute hätten wieder Lust auszugehen, sagt Ballreich. Damals hätten sich die Menschen in dem Alter auf Kegelbahnen und Vereinsfesten getroffen, heute gingen diese weiterhin auf Konzerte und in Clubs. Für die Festivals bedeute das, dass sich diese etwas einfallen lassen müssten, sagt Ballreich. "Die Leute sind anspruchsvoller geworden. Sie wollen auch ein schönes Ambiente." Sprich Cocktails statt nur Dosenbier, vegane Burger neben den klassischen Pommes und komfortable Übernachtungsmöglichkeiten. 

"Glamping" - eine Wortschöpfung aus glamourös und Camping - heißt der Trend, der sich seit einiger Zeit auf vielen Festivals durchsetzt. Neben den klassischen Zeltplätzen gibt es Areale, wo es sauberer und ruhiger zugeht. Man kann sich dort aufgebaute Zelte oder kleine Wohncontainer mieten - Ausstattung, separate Sanitäranlagen und VIP-Eingang zu den Bühnen inklusive. 

Andere wiederum gehen gleich ins Hotel. Bei Rock im Park, das mitten in Nürnberg liegt, bietet sich das besonders an. "Konnte es früher nicht nah genug an der Bühne und eng genug im Zelt sein, haben mittlerweile viele die Vorzüge eines eigenen Hotelzimmers für sich entdeckt", hat Thomas Geppert vom bayerischen Hotel- und Gaststättenverband festgestellt. Vor allem bei schlechten Wetteraussichten gingen die Reservierungen nach oben. Insgesamt halte sich die Nachfrage aber noch in Grenzen. 

Im kommenden Jahr werden Rock am Ring und Rock im Park ihr 40-jähriges und 30-jähriges Bestehen feiern. Im Publikum werden dann vielleicht die eine oder der andere dabei sein, die schon die erste Ausgabe miterlebt haben.