Während des mehrjährigen Umbaus im Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände in Nürnberg ersetzt eine zweisprachige Interimsausstellung in der großen Halle die bisherige Dauerausstellung. Die Anfang Mai 2021 fertiggestellte Interimsausstellung „Nürnberg – Ort der Reichsparteitage. Inszenierung, Erlebnis und Gewalt“ erzählt die Geschichte rund um das Reichsparteitagsgelände von den Anfängen bis heute insbesondere aus lokalgeschichtlicher Perspektive und ist bis zum Einbau der neuen Dauerausstellung voraussichtlich Ende 2023 zu sehen. Das teilt die Stadt Nürnberg mit.

Seit Beginn des Jahres 2021 wird das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände in der Bayernstraße 110 umgebaut und ist daher nur teilweise zugänglich. Die bisherige Dauerausstellung „Faszination und Gewalt“ ist abgebaut und wird während des Umbaus durch eine Interimsausstellung ersetzt, die räumlich wie inhaltlich den historischen Ort ins Zentrum stellt.

"Nürnberg - Ort der Reichsparteitage": Auch NS-Gesellschaft wird beleuchtet

Das ehemalige Reichsparteitagsgelände in Nürnberg ist das größte erhaltene Ensemble nationalsozialistischer Staats- und Parteiarchitektur in der Bundesrepublik Deutschland. Seine Bauten zeugen vom Macht-und Überlegenheitsanspruch des „Dritten Reichs“. Von 1933 bis 1938 fanden hier mit den Reichsparteitagen nationale Großveranstaltungen statt, die den jährlichen Höhepunkt der nationalsozialistischen Propaganda bildeten und an denen Hunderttausende von Parteimitgliedern und Zuschauern teilnahmen.

Die Interimsausstellung „Nürnberg – Ort der Reichsparteitage. Inszenierung, Erlebnis und Gewalt“ erzählt "die wechselvolle Geschichte des Geländes vom Ende des Ersten Weltkriegs bis heute" und rückt sie in den Kontext der gesellschaftlichen Kämpfe um die politische Ordnung Deutschlands im 20. Jahrhundert, der Verbrechen des NS-Regimes und der zögerlichen Aufarbeitung der nationalsozialistischen  Vergangenheit in der Bundesrepublik, heißt es. 

Zu Beginn der Ausstellung nimmt die großformatige Medieninstallation „Topografie im Wandel“ die Besucherinnen und Besucher mit auf eine Zeitreise durch die Jahre 1918 bis 2020 und vermittelt eine erste Orientierung auf dem weitläufigen Reichsparteitagsgelände. In vier Zeiträumen werden die Ereignisse rund um das Gelände und in der Stadt Nürnberg genauer beleuchtet.

Neue Ausstellung zum Nürnberger Reichsparteitagsgelände: Das wird gezeigt

Auf ein klassisches Aufsichtsmodell wurde verzichtet. Solche Großmodelle waren Teil der nationalsozialistischen Propaganda. Diese Botschaft möchte die neue Ausstellung nicht weitertragen, heißt es. Umgesetzt wurde daher eine neutrale, reduzierte Form der Darstellung. Auf einer vertikalen Projektionsfläche führen Filmsequenzen durch die Geschichte. Projizierte Schattenwürfe zeigen an, welche Bauten in welcher Form geplant waren, Kurztexte und Bilder liefern den historischen Kontext. Auf einer horizontalen Platte erläutern Steckbriefe Entstehung und Nutzung jedes einzelnen Gebäudes. 

In den vier Zeiträumen wird die Geschichte der Reichsparteitage sowie des Geländes erstmals aus der lokalen Perspektive erzählt. Zahlreiche Biografien und Zeitzeugenberichte "öffnen persönliche Sichtweisen auf das Thema und betonen die Stimmenvielfalt der Gesellschaft auch im Nationalsozialismus". Dabei sei der kritische Umgang, insbesondere mit Propagandabildern ein zentrales Anliegen der Ausstellung. 

"Sofern es die aktuellen Pandemie-Bestimmungen erlauben", ist die Ausstellung von Mittwoch bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Sobald es die Inzidenzwerte und amtlichen Bestimmungen zulassen, werde es ein Begleitprogramm mit Führungen und Vorträgen geben. Ebenso werde ein Bildungsangebot für Schulklassen und Gruppen entwickelt.