Nürnberg: André ist obdachlos, weil er andere nicht im Stich lassen will
Autor: Milena Graf
Nürnberg, Samstag, 12. Sept. 2026
Der 50-jährige André Parusel lebt seit 16 Jahren auf der Straße. Dennoch bleibt er - weil er die anderen Obdachlosen nicht sich selbst überlassen möchte.
André Parusel versucht, es sich in seinem Schlafsack gemütlich zu machen – trotz des Regens. Der 50-Jährige schläft in dieser Nacht am Aufseßplatz in Nürnberg. Dort ist er oft, zieht immer wieder von Schlafplatz zu Schlafplatz in der Metropole.
In dieser Nacht regnet es stundenlang. Es ist laut, das Prasseln des Regens direkt auf seinen Schlafsack lässt ihn nicht zur Ruhe kommen. Abschalten ist schwer. Das Plätschern bringt ihn immer wieder in Gang, treibt ihn zur Toilette. Der Wind weht, macht das Ganze noch ungemütlicher. Er ist durchnässt, trotz Schlafsack und Decken, erinnert er sich im Gespräch mit inFranken.de.
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Das ist für ihn nichts Ungewöhnliches. Schlechtes Wetter und schlechter Schlaf sind nur eine von vielen Widrigkeiten im Leben eines Obdachlosen.
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Dennoch entscheidet sich André seit 16 Jahren für ein Leben auf der Straße. "Ich müsste nicht obdachlos sein", das betont er immer wieder. Also was hält ihn dort?
"Ich kann die anderen nicht im Stich lassen. Dafür bin ich zu sozial, zu loyal veranlagt." Er sieht sich selbst als Kümmerer, als Verantwortlichen. "Ich bin 24/7 für alle da. Sobald einer was braucht, kriegt er das – Wissen, Geld, Information, Essen. Ich gebe mein letztes Hemd für die anderen."
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"Die Unterstützung auf der Straße ist sehr, sehr großgeschrieben", erklärt er. "Wir stehen wie eine Mauer, wie eine Wand gegen alle anderen." Untereinander geben die wohnungslosen Menschen aufeinander acht – insbesondere, wenn Frauen Schutz suchen. Sie sind auf der Straße besonders gefährdet, was sexuelle Übergriffe angeht.
Umso wichtiger ist der Zusammenhalt. "Hier hast du Freunde von Herzen, zu jeder Zeit, an jedem Ort. Wir stehen zueinander", betont André. Für ihn ist es etwas Grundsätzliches: "Ich habe die Menschlichkeit in den Menschen gefunden, die von anderen vorverurteilt werden." Es gebe viel zu viele Vorurteile über obdachlose Menschen. "Es gibt keine Dummen auf der Straße", versichert er. Die Leute hätten Berufsabschlüsse, aber eben keine Lust auf das System.