• Schwabach: Kripo ermittelt gegen Mann - er sprach Buben mit Schokolade an 
  • Gehäufte Vorfälle in den vergangenen Tagen - Täter agierte aus dem Auto und auf dem Schulweg
  • Kripo veranstaltet Infoabend für Eltern 
  • "Wirksamer Schutz": Polizei gibt wichtigen Ratschlag 
  • Dienstag, 17. Mai 2022: 70-Jähriger vorläufig festgenommen

Im Nürnberger Land sind zuletzt immer wieder Kinder von einem fremden Mann angesprochen worden, der sie in seinen Kastenwagen locken wollte. Aufgrund der besorgniserregenden Vorfälle hielt die Polizei einen Info-Abend für Eltern ab, bei dem 300 Teilnehmer anwesend waren. Nun wurde ein 70-jähriger Tatverdächtiger vorläufig festgenommen. Er sprach am Montagabend ein Mädchen in Schwarzenbruck an, die mit ihrem Hund spazieren war. Das Mädchen informierte sogleich ihre Eltern, welche die Polizei alarmierten.

Update: Mann (70) mit rotem Kastenwagen vorläufig festgenommen - er sprach ein Mädchen in verdächtiger Weise an

Am Montagabend (16. Mai 2022) ist ein Mädchen in Schwarzenbruck im Kreis Nürnberger Land von einem zunächst unbekannten Fahrer eines roten Kastenwagens "in verdächtiger Weise" angesprochen worden, wie das Polizeipräsidium Mittelfranken berichtet. Das Mädchen war gegen 19.30 Uhr mit ihrem Hund in der Klausener Straße spazieren, als neben ihr ein roter Kastenwagen der Marke Mercedes hielt. 

Der Fahrer sprach das Mädchen an, um es nach Angaben der Polizei so möglicherweise in seinen Kastenwagen zu locken. Das Mädchen rief offenbar lautstark "Nein!" und rannte davon. Zu Hause vertraute sie sich sogleich ihren Eltern an, welche die Polizei informierten. Im Rahmen weiterer Ermittlungen konnte der Fahrer am Dienstag (17. Mai 2022) angetroffen und vorläufig festgenommen werden. 

Der 70-jährige Tatverdächtige versuchte sich den polizeilichen Maßnahmen zu widersetzen, weshalb ihm unter Zwang Handfesseln angelegt werden mussten. Der 70-Jährige muss sich nun wegen des Verdachts des Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte strafrechtlich verantworten. Zudem wird geprüft, ob er mit ähnlichen vorangegangenen Fällen im Gemeindegebiet Wendelstein in Verbindung steht. 

Info-Abend für Eltern aufgrund besorgniserregender Ereignisse

Aufgrund der jüngsten besorgniserregenden Ereignisse veranstaltete die Schwabacher Kriminalpolizei und die Beauftragte für Kriminalitätsopfer des Polizeipräsidiums Mittelfranken in Zusammenarbeit mit den Schulen des Marktes Wendelstein einen Informationsabend für Eltern, wie das Polizeipräsidium Mittelfranken mitteilt. Der Informationsabend fand am Montag (09.05.2022) ab 19 Uhr in der Waldhalle in Großschwarzenlohe statt - dort wo ein fremder Mann einen Buben in sein Auto locken wollte. Auf Einladung der Schulleitungen aller Grundschulen des Marktes Wendelstein und der Schwabacher Kriminalpolizei nahmen mehr als 300 Eltern an der Veranstaltung teil.

Kriminalhauptkommissarin (KHKin) Sabine Lauterbach (Fachkommissariat für Sexualdelikte der Schwabacher Kriminalpolizei), erläuterte zunächst die Tathandlungen der beiden verifizierten Fälle und wiederholte zudem die Personenbeschreibung des unbekannten Mannes. Weiterhin skizzierte Lauterbach die bisher getroffenen sowie die weiter fortlaufenden polizeilichen Maßnahmen zur Klärung des Sachverhalts und sorgte hierbei für höchste Transparenz für die kriminalpolizeiliche Ermittlungsarbeit bei den Zuhörern. Die Sorgen der Eltern nehmen die Ermittler sehr ernst, weshalb dieses Ermittlungsverfahren derzeit höchste Priorität innerhalb der Schwabacher Polizei genieße.

Am Dienstagmorgen (03. Mai 2022) hat ein unbekannter Mann in Großschwarzenlohe (Gemeindeteil von Wendelstein im Landkreis Roth) ein Kind auf dem Weg zur Schule auf verdächtige Art und Weise angesprochen, wie das Polizeipräsidium Mittelfranken berichtet. Bereits am Mittwoch (27. April 2022) gab es demnach einen ähnlichen Fall in Röthenbach bei St. Wolfgang (ebenfalls Gemeindeteil von Wendelstein). Die Kriminalpolizei Schwabach sucht dringend nach Zeugen.

Großschwarzenlohe: Mann mit Schokolade spricht Buben aus Fahrzeug an

Gegen 07.45 Uhr sei der Junge in der Erlenstraße in Großschwarzenlohe auf einem Fußweg neben der Straße gelaufen. Auf Höhe des dortigen Sportclubs sprach ihn laut Polizei ein unbekannter Mann aus einem Fahrzeug heraus an und forderte ihn unter dem Versprechen von Schokolade auf, in das Fahrzeug zu steigen.

"Das Kind rannte davon und vertraute sich in der Schule einer Lehrerin an, die daraufhin die Polizei verständigte", heißt es. Bereits am Mittwoch (27.04.2022) habe es in Röthenbach bei St. Wolfgang einen ähnlich gelagerten Vorfall gegeben. Gegen 07.20 Uhr befand sich demzufolge ein Junge mit seinem Tretroller auf dem Schulweg.

In der Alten Salzstraße, auf Höhe der Straße Am Zehnthof, habe ein unbekannter Mann dem Kind Schokolade angeboten und es aufgefordert, mit ihm zu gehen. Der Junge entfernte sich und meldete das Ereignis ebenfalls in der Schule, so die Polizei. 

Lederjacke, roter Kastenwagen: Kripo Schwabach sieht höchstwahrscheinlich "gleichen Tatverdächtigen"

Eine Fahndung brachte in beiden Fällen demnach kein Ergebnis. Beschreibung des unbekannten Mannes: Etwa 50 bis 60 Jahre alt, etwa 175 – 180 cm groß, normale Gestalt, kurze graue Haare. Der Mann war in beiden Fällen mit einer kurzen, schwarzen Lederjacke bekleidet. Bei dem Fahrzeug handle es sich um ein rotes Auto, vermutlich einen Kastenwagen (ähnlich VW Caddy). Ein Kennzeichen sei nicht bekannt.

Die Kriminalpolizei Schwabach habe die Ermittlungen aufgenommen. Aufgrund des ähnlichen Vorgehens und der weitgehend übereinstimmenden Beschreibung bestehe eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass es sich in beiden Fällen um den gleichen Tatverdächtigen handeln könne. Personen, die sachdienliche Hinweise im Zusammenhang mit den beiden Vorfällen geben können, werden gebeten, sich unter der Rufnummer 0911 2112-3333 zu melden. 

Durch "umfangreiche Ermittlungen und durchgeführte Vernehmungen der Kriminalpolizei" gingen die Beamten nach derzeitigem Stand davon aus, dass die beiden Vorfälle nicht mit der Person in Verbindung zu bringen sind, vor der aktuell durch privat verteilte Flugblätter im Raum Wendelstein gewarnt wird.

Täter sprechen bevorzugt bestimmte Kinder an: Polizei gibt Ratschlag an Eltern

Die Polizei nehme "die Besorgnis der Bürger ernst", heißt es in der Mitteilung - und gibt verschiedene Tipps, insbesondere für Eltern. Der wohl entscheidendste Ratschlag: "Kinder sollten im Alltag Respekt und Selbstvertrauen erfahren, um Selbstbewusstsein entwickeln zu können." Täter sprächen "bevorzugt unsicher wirkende Kinder" an. "Selbstbewusstsein ist daher ein wirksamer Schutz", so die Polizei. Weiterhin sollten Eltern regelmäßig über Sorgen und Erlebtes sprechen. Das Kind solle das Gefühl haben, "dass es Ihnen alles erzählen kann".

Außerdem solle man seinem Kind "keine Angst" machen, sondern das Verhalten in bedrohlichen Situationen üben. Auch ein "Selbstbehauptungskurs" könne hilfreich sein. Im Akutfall sei es entscheidend, "Ruhe zu bewahren", dem Kind zuzuhören und dann die Polizei zu informieren, heißt es. Die Polizei warnt davor, eigenhändig "Fahndungsaufrufe" in sozialen Medien und Chats zu verbreiten. "Hier haben Sie weder den Verbreitungsgrad noch den Inhalt weiterer Verbreitungsnachrichten in der Hand." Und zur Vorbeugung? Hier gibt es folgende Hinweise der Polizei: 

  • "Besprechen Sie mit Ihrem Kind, wo es sich gegebenenfalls auf dem Schulweg/Spielplatz Hilfe holen kann (Geschäfte, Klingen an einer Haustüre, stark frequentierte Straßen etc.)."
  • "Schicken Sie Ihr Kind - wenn möglich - in kleinen Gruppen zusammen mit anderen Kindern zur Schule oder zum Spielplatz."
  • "Beschriften Sie Kleidungsstücke oder die Schultasche nicht von außen sichtbar mit dem Namen. Spricht ein Fremder das Kind mit Vornamen an, wird eine Vertrauensbasis suggeriert."
  • "Kinder sollen lernen, Distanz zu Fahrzeugen zu halten, wenn sie angesprochen werden."
  • "Kinder müssen wissen, dass Sie Aufforderungen oder Bitten von fremden Erwachsenen immer ablehnen dürfen, ohne dass dies unhöflich ist."