Kein Geld für letzten Wunsch: Fränkin droht namenloses Grab - dann passiert etwas Wundervolles
Autor: Isabel Schaffner
Röthenbach an der Pegnitz, Sonntag, 06. August 2023
Die Geschichte einer Verstorbenen aus der Gemeinde Hartenstein geht unter die Haut. Ohne Angehörige und finanzielle Mittel konnte sie sich kein Grab neben ihrem Mann leisten. Eine rührende Hilfsaktion bekam sie nicht mehr mit.
- Frau aus Hartenstein äußert letzten Wunsch vor Tod: ein Grab neben ihrem Mann
- Keine Angehörigen, kein Geld - ihr droht eine anonyme Bestattung weit entfernt
- "Erstaunlich", dass es dazu kommen muss: Sterbebegleiterin startet Spendenaktion
- Traurige Fälle "einmal im Monat" - so kann man sich selbst davor schützen
Erzählungen von Anica R. in ihrem Altenheim im Hartensteiner Gemeindeteil Rupprechtstegen (Landkreis Nürnberger Land) zeugten von großer Liebe für ihren schon länger verstorbenen Mann. Ihr letzter Wunsch war, neben ihm in Röthenbach begraben zu werden. Doch ihr Vermögen reichte dafür nicht aus - und Angehörige gab es nicht. Eine anonyme Bestattung rund 30 Kilometer weit weg drohte. Das Bewegende: Bis zu ihrem Tod Ende Juni rechnete sie genau damit, doch ihr Wunsch sollte doch noch in Erfüllung gehen. Ende Juli berichtete inFranken.de bereits über anonyme Bestattungen. Bereits 44 haben in Coburg in diesem Jahr stattgefunden.
In einem Grab "mit mehreren anderen": Frau aus Hartenstein fürchtete traurige anonyme Bestattung
Sabine Hess ist Hospizkoordinatorin bei der Caritas Nürnberger Land und war eine der wenigen Menschen, die Anica R. besuchten. Einer Ehrenamtlichen, die wöchentlich zu Besuch kam, habe die 76-Jährige kurz vor ihrem Tod erzählt, "wie schön die Ehe war, dass sie immer gelbe Rosen geliebt hat, die sie von ihrem Mann bekam und sie gerne neben ihm liegen möchte". So berichtet es Hess im Gespräch mit inFranken.de. Ihr Geld habe die Dame über den Bezirk bekommen, "und da war wohl zu wenig da".
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In solchen Fällen komme es zu einem Armengrab, das bezuschusst werde. "Sie wäre mit mehreren anderen in das Grab des Altenheims in Hartenstein gekommen." Nach dem Tod von Frau R. hätten Hess und die Ehrenamtliche von dem Betreuer erfahren, dass im September eine Armenbestattung erfolgen solle. "Dann ging alles seine Wege", so Hess. Denn die Ehrenamtliche sei daraufhin aktiv geworden, um die Verstorbene doch noch mit ihrem Mann zu vereinen.
Etwas mehr als 2000 Euro seien durch eine Spendenaktion in einem Zeitungsartikel zusammengekommen - und damit war das Ziel bereits erreicht. "Es ist schön zu sehen, dass es so viele Menschen gibt, die sich berühren lassen." Und es sei "erstaunlich", dass es erst einen öffentlichen Aufruf geben müsse, um Menschen eine würdevolle Bestattung zu ermöglichen. Hess empfinde Mitleid für alle anderen, die diese Unterstützung nicht erfahren.
"Zu früh gestorben"? Hospizkoordinatorin gibt wichtigen Rat
"Der Betreuer sagte mir, dass er einmal im Monat so einen Fall auf dem Tisch hat", führt sie fort. Doch es gebe einen Weg, den letzten Gang in ein Armengrab zu vermeiden. Anica R. sei in Sabine Hess' Worten "zu früh gestorben". Der Betreuer habe im Gespräch mit ihr betont, wie wichtig es ist, "dass die Betroffenen eine Betreuungsvollmacht über den Tod hinaus ausfüllen, am besten beim Notar, und somit einen Angehörigen festlegen".
Das könnte eben zur Not auch eine bekannte Person aus dem Umfeld sein. Sie kümmere sich dann um Bestattung und Grabpflege. Diese Vorsorge habe bei Anica R. nicht stattgefunden. "Ihr Betreuer ist eigentlich gar nicht mehr zuständig", schildert sie die Situation.