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IG Metall sieht Bosch-Standort in Nürnberg von Schließung bedroht


Autor: Nele Nitschky

Nürnberg, Donnerstag, 23. Juli 2026

Die IG Metall schlägt Alarm am Standort eines Großunternehmens. Wenn es in Zukunft keinen Ansatz für neue Produkte gibt, stünden rund 1.700 Jobs auf der Kippe.
In Nürnberg hat auch Bosch ein Werk, das hier zu sehen ist. Das Unternehmen ist vielseitig aufgebaut, denn es ist in der Automobilbranche, aber unter anderem auch in der Industrie- und Gebäudetechnik vertreten. Foto: Bosch GmbH


Die Industriegewerkschaft Metall (IG Metall) befürchtet, dass der Werksstandort Nürnberg der Firma Bosch in Zukunft möglicherweise geschlossen wird. Das basiert auf der nicht vorhandenen Bereitschaft des Unternehmens, über neue zukunftsfähige Produkte zu sprechen, wie die Gewerkschaft Bosch vorwirft. Diese seien aber für den Erhalt des Werks unabdingbar.

Vorausgegangen seien, so schildert es Christian Heine, Pressesprecher der IG Metall, Gesprächsversuche, in denen über die zukünftige Sicherung des Standorts gesprochen werden sollte. Da die bestehende Standortsicherung am 31. Dezember 2026 auslaufe, habe es bereits seit Sommer letzten Jahres seitens des Betriebsrats und der Gewerkschaft Verhandlungsversuche gegeben. Bosch soll sich diesen widersetzt und sie rund ein Jahr lang aufgeschoben haben.

Fokus von Bosch auf Verbrenner sei "nicht zukunftsfähig"

In Nürnberg liegt der Fokus derzeit auf der Herstellung von Komponenten für Verbrenner-Autos. Das sei, so Heine im Gespräch mit inFranken.de, "nicht zukunftsfähig". Der Markt entwickle sich zunehmend in Richtung Elektromobilität. Außerdem bestehe ein hoher Preisdruck und Konkurrenz aus dem Ausland. "Wir sehen die Gefahr, dass das Werk Stück für Stück sterben wird", sagt er – wenn langfristig keine Produkte aus einem anderen Sektor vertrieben würden. "Nur die jetzigen Produkte werden das Werk nicht retten."

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Deshalb habe es im Juni bereits eine Betriebsversammlung gegeben, die in einem Eklat endete. Dort, so der Gewerkschaftssprecher, habe Bosch keine Fragen zu neuen Produkten beantwortet. Aus Protest haben Betriebsrat, Gewerkschaft und Belegschaft während des Gesprächs den Raum verlassen.

Am Dienstag (21. Juli 2026) wurde diese abgebrochene Betriebsversammlung fortgeführt. Bosch habe in diesem Rahmen signalisiert, dass es keine neuen Produkte geben werde, die aus Sicht der IG Metall zu einer Standortsicherung beitragen würden. Stattdessen, äußert Christian Heine, habe das Unternehmen Interesse an einem Personalabbau und einem Entgeltverzicht seiner Mitarbeiter. "Die Belegschaft ist ihnen zu teuer."

Vorwurf IG Metall: Bosch ignoriere Produktvorschläge von Belegschaft

Aus Sicht der IG Metall gehe das so nicht. "Wir können nicht über Verzicht reden, ohne über die Zukunft zu reden", betont Heine gegenüber der Redaktion. Jetzt, so kritisiert er, solle es mit den Gesprächen auf einmal ganz schnell gehen. Im Herbst 2026 wolle Bosch über die Standortsicherung verhandeln. Das bestätigt das Unternehmen auf Anfrage von inFranken.de. Zum Jahresende laufe eine Standortvereinbarung für das Werk in Nürnberg regulär aus, schreibt sie. "Dazu wollen wir zeitnah in Gespräche mit den Arbeitnehmervertretungen einsteigen." Was der Arbeitgeber abgesehen von einem Personalabbau und dem Entgeltverzicht vorhabe, davon sei der Gewerkschaft bisher nichts bekannt.

Bisher gibt es bei Bosch ein 3D-Druckzentrum. Das sei ein Anfang und könne eine Technologie sein "die den Standort mit in die Zukunft trägt". Das alleine ist nach Ansicht der Gewerkschaft aber nicht ausreichend.

Heines Angaben zufolge habe es in der Vergangenheit schon "gute" Vorschläge aus Reihen der Arbeitnehmer gegeben. "Die Kollegen aus der Entwicklungsabteilung haben sich Gedanken gemacht und Ideen entwickelt", sagt er. Teilweise seien die auch in Zusammenarbeit mit Universitäten entstanden. Für Bosch seien die Produktideen jedoch "nichts wert" gewesen, wie der Gewerkschaftssprecher erklärt. "Ich halte das für fahrlässig, wenn ein Konzern die guten Ideen seiner Beschäftigten nicht aufgreift."

Plant Bosch, Beschäftigte über Abmahnungen loszuwerden?

Weiter kritisiert er das Verhalten des Konzerns seinen Mitarbeitern gegenüber. Unter diesen herrschte Unsicherheit. Viele sorgten sich um ihren Arbeitsplatz. Die Übernahme dual Studierender sei nicht mehr sicher, weiter komme es "wegen Kleinigkeiten" zu Abmahnungen. "Das ist eine beliebte Strategie", sagt Heine, der dahinter die Absicht vermutet, Beschäftigte langfristig wegen ihres Verhaltens zu kündigen. Betriebsbedingte Kündigungen seien nicht möglich.

Zu allen Vorwürfen, die die IG Metall gegen Bosch am Standort Nürnberg erhebt, hat inFranken.de schriftlich Statements vom Unternehmen angefragt. Eine Unternehmenssprecherin von Bosch äußert sich dazu nicht. Stattdessen verweist sie allgemein auf "schwierige konjunkturelle Rahmenbedingungen" und den "fortschreitenden Wandel der Automobilindustrie". Bosch müsse unter sich wandelnden internationalen Rahmenbedingungen die Wettbewerbsfähigkeit seiner Standorte verbessern. "Diese Herausforderungen beschäftigen auch das Power Solutions Werk Nürnberg."

Insgesamt arbeiten am Bosch-Standort Nürnberg rund 1.700 Beschäftigte. Die Stimmung unter den Arbeitnehmern sei betrübt. Die IG Metall versuche, ihnen Mut zu machen. In einer Pressemitteilung schreibt Christian Heine abschließend: "Wir sind alarmiert! Ohne Zukunftsprodukte droht dem Werk in der Nürnberger Südstadt in wenigen Jahren die Schließung. Die Äußerungen des Arbeitgebers über massive Einschnitte in der Belegschaft nehmen wir sehr ernst. Daher bereiten wir uns aktuell auf alle denkbaren Szenarien vor." Er warnt Bosch vor einem massiven Konflikt mit der IG Metall.