Feiertag und nichts im Kühlschrank? Bei häuslichen Versorgungsengpässen an Sonn- und Feiertagen machen sich immer mehr Menschen auf den Weg zum Hauptbahnhof in Nürnberg.

Zahlreiche Geschäfte vom Drogeriemarkt bis zur Metzgerei haben hier auch außerhalb der normalen Ladenschlusszeiten geöffnet. Auf einen Supermarkt im Bauch des Bahnhofes haben es die Opfer des arbeitnehmerfreundlichen Ladenschlusses besonders abgesehen.

Vor einer unscheinbaren Fassade im Keller des neobarocken Bahnhofes drehen viele Menschen den rigiden Ladenöffnungszeiten in Bayern eine lange Nase. Zwischen den Regalen drängeln sich diejenigen, die das Lebensmittel-Hamstern vor Sonn- und Feiertagen vergessen haben.

Andere pfeifen schon länger auf den Ladenschluss und schwören auf den Bahnhof-Supermarkt, der vor genau zwei Jahren in Nürnberg neben den vielen Gleisen eröffnet hat. "Ich komme fast jeden Sonntag her", sagt eine Frau und befördert noch eine Tiefkühl-Pizza in den Einkaufswagen. Letzterer ist keiner der herkömmlichen Komfort-Wägen mit den vier selbstlenkenden Rollen unter dem Drahtgestell. Im Feiertags-Supermarkt gibt es für den Sonntagsshopper einen Hackenporsche mit Teleskoparm.


Körperkontakt nicht zu vermeiden

Das Sportmodell unter den Einkaufswägen ist erstens klein und zweitens wendig. Drittens ist es schmal, was sich im Gedränge des sonntäglichen Supermarktes besonders bezahlt macht. Außerdem ist das wendige Wägelchen weniger gefährlich bei unliebsamen Begegnungen.

Erfahrene Einkäufer jenseits der üblichen Ladenschlusszeiten wissen, dass sich Körperkontakt im Supermarkt kaum vermeiden lässt. "Wenn mir noch einer auf die Füße tritt, raste ich aus", sagt die Dame, die vor der Gemüseabteilung am Ende der Schlange steht. Der ganze Laden fühlt sich zu Stoßzeiten an wie eine unendliche Schlange. Dann sind die Kassen am Horizont kaum auszumachen.

Laut einer aktuellen Umfrage wollen fast zwei Drittel der Deutschen die Regeln für Öffnungszeiten am Sonntag lockern. Darin sprachen sich 61 Prozent dafür aus, dass Händler selbst darüber entscheiden sollten, ob sie sonntags öffnen oder nicht. Der Bayerische Städtetag ist der Auffassung, dass die Staatsregierung, vor allem mit Blick auf die zunehmende Notwendigkeit einer Attraktivitätssteigerung des Einzelhandels in den Innenstädten als Gegenreaktion auf den zunehmenden Online-Handel, die von den Städten seit langem monierten Hürden abbauen soll. Große Warenhäuser wie Karstadt oder Kaufhof wollen am Sonntag ebenfalls aufsperren.

Die Staatsregierung ist anderer Auffassung und sieht derzeit keinen Bedarf, das Ladenschlussgesetz neu zu regeln. "Speziell der Schutz der Sonn- und Feiertage ist ein wichtiges Anliegen der Staatsregierung und fest in unserer Verfassung verankert", teilte eine Sprecherin des Ministeriums für Arbeit und Soziales auf Anfrage mit.