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Hauptbahnhof Nürnberg: Das passiert mit dem Ergo-Hochhaus - erneute Analyse gibt Klarheit


Autor: Isabel Schaffner

, Sonntag, 26. März 2023

Wie mit dem massiven, leerstehenden Ergo-Hochhaus am Nürnberger Bahnhofsplatz umgehen? Um sich zwischen Sanierung oder Neubau zu entscheiden, führte ein Erlanger Projektentwickler eine letzte Analyse durch. Mit eindeutigem Ergebnis.
Das Ergo-Hochhaus am Nürnberger Hauptbahnhof ragt nicht mehr lange so markant aus dem Gebäude-Ensemble heraus.


  • Nürnberger Ergo-Hochhaus soll abgerissen werden
  • Sanierung oder Neubau? Letzte 100.000-Euro-Analyse untersuchte Kriterien
  • Energie, Grundrisse, Schall - Unternehmen nennt Hintergründe
  • Wettbewerbsbeginn im Sommer geplant - so ist der Zeitplan

Im Mai 2022 hat der Erlanger Projektentwickler S&P Commercial Development, eine Beteiligung der Sontowski & Partner Group, nach eigenen Angaben das 7880 Quadratmeter umfassende ehemalige Ergo-Bürogebäude in Nürnberg erworben. Es stand im Raum, ob dieses für einen Neubau abgerissen oder saniert werden soll. Vor allem die Nachhaltigkeit rückte bei der Abwägung in den Vordergrund. In den vergangenen zwei Monaten lief eine letzte 100.000 Euro teure Analyse in Absprache mit dem Baukunstbeirat. Danach fiel die endgültige Entscheidung, wie das Unternehmen gegenüber inFranken.de erklärt.

Ergo-Hochhaus in Nürnberg wird abgerissen - Unternehmen nennt Gründe gegen Sanierung

Das Gebäude liegt in unmittelbarer Nähe zur Nürnberger Altstadt und den Einkaufs- und Freizeitmöglichkeiten - hat also viel Potenzial. Allerdings stammt es laut S&P aus dem Jahr 1965. Um den heutigen Standards zu genügen, wäre ein großer Aufwand nötig, wie in den Erläuterungen deutlich wird: "Für eine Sanierung des Bestandsgebäudes müsste die komplette Fassade ausgetauscht werden, um einen ausreichenden Wärmeschutz zu ermöglichen. Die Fenster aus den 60er Jahren müssten alle ersetzt werden."

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"Auch das Innere des Gebäudes müsste komplett entkernt und neu ausgebaut werden, um die aktuellen Standards bezüglich Schallisolierung und Brandschutz zu erfüllen und die Gebäudetechnik zu ertüchtigen", so das Unternehmen. Die Tiefgarage, die als Fundament das gesamte Gebäude trage, sei stark sanierungsbedürftig. Auch wenn eine aufwendige Sanierung mit viel Materialaustausch erfolgen würde, sei "keine moderne Energieversorgung umsetzbar. Hinzu kommt, dass die heutigen Grundrisse des Gebäudes die Flächen nicht optimal ausnutzten."

Grundrisse müssten flexibel sein und die Wände damit austauschbar, damit sie an verschiedene Bedürfnisse angepasst werden könnten. Der Altbau würde zudem 40 Prozent mehr Kohlendioxid pro Quadratmeter im Jahr erzeugen, als der Neubau auf eine Laufzeit von 50 Jahre gerechnet, führt der Projektentwickler weiter aus. Bei einem Neubau könne überdies Erdwärme genutzt und das gesamte Regenwasser auf dem Grundstück aufgefangen werden.

Arbeiten neben Nürnberger Hauptbahnhof: Unternehmen verrät Baubeginn und -dauer

"Bei dem Abriss wird übrigens ein Großteil des Materials nicht entsorgt, sondern sorgfältig getrennt abgebaut und recycelt. Das heißt, wieder einem Drittverwendungsmarkt zugeführt", betont das Unternehmen. Denkmalgeschützt sei das Gebäude darüber hinaus nicht. Gemeinsam mit der Stadt werde voraussichtlich Ende Juni 2023 ein neues Wettbewerbsverfahren ausgelobt. "Im Spätsommer wird es dann das Auswahlverfahren der Siegerentwürfe geben. Danach folgt die Bauantrags- und Genehmigungsphase, die aktuell in der Regel nochmal über ein Jahr in Anspruch nimmt."

S&P geht davon aus, dass der Bau Ende 2024 oder Anfang 2025 beginnen kann. Er solle etwa zwei Jahre dauern und das Gesamtinvestitionsvolumen liege im oberen zweistelligen Millionenbereich. "Die genauen Nutzungsmöglichkeiten prüfen wir derzeit in enger Abstimmung mit der Stadt Nürnberg. Sobald das endgültige Konzept steht, werden wir die Projektdetails vorstellen", verlautet Sven Sontowski, geschäftsführender Gesellschafter der S&P Commercial Development, auf der Projektseite zum einstigen Ergo-Hochhaus in Nürnberg.