- Die historische Fassade bleibt nahezu unverändert.
- Maßnahmen beschränken sich auf das baulich Notwendige.
- Neue Nutzung soll mit der Vergangenheit kritisch umgehen.
Neue Räume für Kunst, Kultur und das Staatstheater
Im Inneren der Kongresshalle entstehen bis voraussichtlich 2028 zahlreiche neue Räume: Ein Theater-Foyer, Abendkasse, Büros, Werkstätten, Proberäume, Ateliers und Veranstaltungsflächen für die freie Kunst- und Kulturszene.
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Die Nürnberger Oper wird während der Sanierung des Opernhauses in der Innenstadt in den Innenhof der Kongresshalle umziehen. Die dort entstehende Ausweichspielstätte bleibt anschließend für Musik und Theater erhalten, wie die Stadt Nürnberg versichert.
- 7.000 Quadratmeter sind für die freie Kunst- und Kulturszene reserviert.
- Im Innenhof wird ein neues, modernes Theatergebäude errichtet.
- Die verschiedenen Sparten des Staatstheaters werden hier proben und auftreten.
Fertigstellung für 2028 geplant
Das gesamte Bauprojekt wird aktuell auf etwa 296 Millionen Euro geschätzt, wovon etwa 210 Millionen Euro durch Fördermittel von Bund, Land und EU finanziert werden sollen. Nach aktuellem Zeitplan sollen die neuen Räume bis 2028 fertiggestellt werden. Im Dezember 2024 begannen die Bauarbeiten sogar früher als geplant.
- 296 Millionen Euro Gesamtkosten
- 210 Millionen Euro Fördermittel eingeplant
- Fertigstellung der wichtigsten Abschnitte bis 2028
Die Kongresshalle heute: Ort der Kunst und Erinnerung
Bereits jetzt finden in bestimmten Segmenten der Kongresshalle regelmäßig Kunst- und Kulturveranstaltungen statt. Im sogenannten Segment#1 zeigt die Stadt ein vielfältiges Programm mit Theater, Tanz, Konzerten, Ausstellungen und Performances. Über 10.000 Besucherinnen und Besucher kamen bereits zu Veranstaltungen.
- Junge Musikerinnen und Musiker nutzen die Räume für ungewohnte Konzertformate.
- Die Stadt setzt auf kreative Zwischennutzung, Experiment und Potenzialentfaltung.
Im Rahmen einer Kooperation mit dem Deutschen Pavillon der Biennale di Venezia werden Künstlerinnen und Künstler des Deutschen Pavillons ihre Arbeiten unter dem Titel "Thresholds" in unterschiedlichen Formaten in der Nürnberger Kongresshalle zur Diskussion stellen. In Nürnberg wie auch im Deutschen Pavillon auf dem Biennale-Areal in Venedig steht die Frage nach dem Umgang mit den baulichen Signaturen des Nationalsozialismus zur Debatte, wie die Musikzentrale berichtet.
Hufeisen aus Stein mit monumentalen Ausmaßen
Die Kongresshalle steht am Dutzendteich, südöstlich des Stadtzentrums und im Herzen des ehemaligen Reichsparteitagsgeländes. Eingebettet zwischen dem malerischen See und großzügigen Grünflächen, findet sich das Monument heute an einer der geschichtsträchtigsten Stellen der fränkischen Metropole (auf Google Maps). Mit dem Bau des heutigen architektonischen Relikts von gewaltiger Größe wurde im Jahr 1935 begonnen. Über mehrere Jahre hinweg schritten die Arbeiten voran, doch das Ende des Zweiten Weltkriegs bedeutete auch das abrupte Aus für das megalomane Vorhaben der Nationalsozialisten. Nicht einmal die Hälfte des geplanten Umfangs wurde realisiert.
Umso eindrucksvoller ist Kongresshalle, ein Hufeisen aus Stein mit monumentalen Ausmaßen: Der Rohbau misst beeindruckende 250 Meter in der Breite und 39 Meter in der Höhe. Die Grundfläche erstreckt sich über rund 25.000 Quadratmeter. Innerhalb des Torso-Gebäudes öffnet sich ein riesiger Innenhof, dessen Fläche ursprünglich für eine Kuppelhalle mit bis zu 50.000 Plätzen vorgesehen war. Der Zweck des Bauwerks war ebenso ambitioniert wie größenwahnsinnig: Die Halle sollte als Kongresszentrum der NSDAP dienen. Großveranstaltungen, Parteitage und Propagandainszenierungen waren geplant. Der monumentale Stil spiegelte die Ideologie der Machthaber wider, betont die Stadt Nürnberg.
Heute jedoch hat sich der Charakter des Baus gewandelt. Vom Sinnbild der Machtdemonstration entwickelte sich die Kongresshalle zu einem Mahnmal, einem Ort der kritischen Auseinandersetzung und inzwischen auch zu einem Zentrum für Kunst und Kultur.
Neues Kulturareal als Impuls für die Entwicklung in Nürnbergs Südosten
Die Transformation der Kongresshalle ist damit nicht nur ein Bauprojekt, sondern auch ein gesellschaftliches Statement: Nürnberg will an diesem geschichtsträchtigen Ort Kunst, Kultur und kritische Erinnerung eng miteinander verknüpfen. Das neue Kulturareal soll zudem wichtige Impulse für die Entwicklung im Südosten Nürnbergs setzen. In unmittelbarer Nähe entsteht die neue Technische Universität Nürnberg, während im Westen ein neuer Stadtteil wächst. Die Kongresshalle wird so zum zentralen Begegnungsort für Kultur, Wissenschaft und Gesellschaft, heißt es auf dem offiziellen Portal.
Die Kongresshalle in Nürnberg verwandelt sich also schrittweise von einem Symbol gescheiterter NS-Architektur in ein lebendiges Zentrum für Kunst, Kultur und gesellschaftlichen Diskurs. Die Stadt setzt dabei auf Transparenz, Mut zur Veränderung und einen respektvollen Umgang mit der schwierigen Geschichte des Ortes – mit dem Ziel, ein Mahnmal und einen Ort der Zukunft gleichermaßen zu schaffen. sl/red/dpa