Im Hinblick auf eine nachhaltige Zukunft wird das Verständnis der interdisziplinären Zusammenhänge im Städtebau immer essentieller. Prof. Ingrid Burgstaller von der Fakultät Architektur der TH Nürnberg erforscht in ihrem Projekt „Der Weltacker in Nürnberg“ daher die Verbindung zwischen Landwirtschaft, Architektur und Stadtplanung. Unter anderem geht es um die Frage, inwieweit urbane Ackerfläche zum Bild zukünftiger lebenswerter Städte gehören kann. Das Projekt wird durch die Stiftung „Innovation und Zukunft“ gefördert. 

Ein sogenannter „Weltacker“, so heißt es vonseiten der Technischen Hochschule Nürnberg, teilt die weltweit verfügbare Ackerfläche exemplarisch durch die Zahl der Menschen auf der Erde. So stehen jedem Einzelnen theoretisch 2000 m² zur Verfügung. Darauf muss wachsen, was die Menschheit ernährt und versorgt. Am Lernort Weltacker wird ganz praktisch gezeigt, wie die gesamte Menschheit gesund und gerecht versorgt werden kann – in Einklang mit Umwelt und Natur. Dieser Ort hat aber noch mehr Funktionen: als grüne Oase, kleinteilige Versorgungsinsel und Kultur- und Begegnungsstätte der Generationen, Ethnien und sozialen Schichten.

Die Kernfragen lauten also: Was bedeutet Ackerbau im urbanen Kontext? Wie lässt sich eine 2000 m² große grüne Insel sinnvoll in den Stadtraum integrieren und welche Orte bieten welche Potentiale? Prof. Ingrid Burgstaller, Professorin für Architektur und Stadtplanung an der TH Nürnberg, wird daher im Modul „Theorie und Stadt“ des Masterstudiengangs Architektur gemeinsam mit den Studierenden zur passenden Infrastruktur für die vielfältigen Funktionen eines Weltackers und zu geeigneten Flächen im Stadtgebiet forschen. Das Lehrforschungsprojekt findet im Sommersemester 2021 statt und wird auch Ansätze für architektonische Konzepte mit gärtnerischen Gebäudetypologien untersuchen, da Flächen für einen Weltacker möglicherweise nur temporär zur Verfügung stehen und das Projekt wandern können muss.

„Mit dem Weltacker-Projekt als Paradebeispiel für einen Baustein zukünftiger, nachhaltiger Stadtplanung vermitteln wir den Studierenden die Kompetenzen für die Recherche zu den Grundlagen der Zukunftsthemen in der städtebaulichen Entwicklung“, erläutert Prof. Ingrid Burgstaller. „Beim selbständigen Erforschen wechselnder Aufgaben, Denkrichtungen und Strukturansätze trainieren wir bereits an der Hochschule das Verständnis der interdisziplinären Zusammenhänge im Städtebau und in der Stadtplanung. Bei diesem Projekt suchen wir insbesondere den fachlichen Austausch mit der Landschaftsarchitektur und dem Gartenbau.“

Die gemeinnützige Innovation und Zukunft Stiftung bringt den Weltacker zusammen mit dem Projekt „SDGs go local“ des Vereins Bluepingu e.V. nach Nürnberg und sieht in der Forschungsarbeit der TH Nürnberg einen wichtigen wissenschaftlichen Beitrag für eine erfolgreiche Ansiedelung des Projekts. Stifterin Barbara Schmitz betont: „Angesichts von Klimawandel und Überbevölkerung wollen wir mit diesem Projekt zeigen, wie alle Menschen auf diesem Planeten gut überleben können – sofern jede und jeder einzelne von uns nachhaltig mit der Natur und ihren Ressourcen umgeht. Neben seiner Funktion als Lehr-, Lern- und Begegnungsort steht der Weltacker überdies für ein global gerechtes Miteinander und die große Hoffnung, eines Tages ohne kriegerische Auseinandersetzung um knappe Ressourcen auf dieser Erde leben zu können.“

Das neue Projekt von Prof. Ingrid Burgstaller fügt sich überdies nahtlos in die Historie der Gartenkultur der Nürnberger Stadtgesellschaft ein: Gärten, die aufgrund ihrer Lage eine städtebauliche Bedeutung haben und die durch architektonische Elemente charakterisiert sind – angefangen beim Circuli Viridari über die Hesperidengärten und diverse, während der Industrialisierung entstandene Schrebergärten bis zum Knoblauchsland.