Mittelfranken: WhatsApp Betrugsmasche "Hallo Mama, hallo Papa, ich habe eine neue Telefonnummer" - Ermittlungserfolg der Nürnberger Kriminalpolizei gegen bundesweit agierende Betrügerbande
Autor: inFranken.de
, Dienstag, 23. April 2024
Mittelfranken (ots) -
Seit Anfang 2023 ermittelt das Kommissariat 47 des KFD 4 Nürnberg gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth wegen bandenmäßigen Betrugs gegen eine mindestens sechsköpfige Betrügerbande. Diese begingen WhatsApp-Betrügereien sowie Taten, in denen sie sich als falsche Bankmitarbeiter ausgaben.
Zur Bewältigung der umfangreichen Tatkomplexe wurde eine Ermittlungskommission "EKO Geist" beim zuständigen Fachkommissariat gebildet.
Wie die Ermittlungen zeigten, unterhielt die Bande ein Netzwerk aus mindestens 50 Finanzagenten, die ihre Bankkonten für inkriminierte Geldströme zur Verfügung stellten. Unter dem Begriff "Finanzagenten" sind Personen zu verstehen, die durch die Betrüger - oftmals über soziale Netzwerke - angeworben werden und die ihre eigenen, legal bestehenden Bankkonten für die Straftaten zur Verfügung stellen. Hierzu übergaben diese nicht selten ihre Bankkarten samt PIN an die Bande. Für die Bereitstellung der Konten wurden die Finanzagenten monetär entlohnt.
Im Folgenden werden die begangenen Betrugsmaschen näher erläutert:
Beim Modus WhatsApp-Betrug handelt es sich um einen organisierten Überweisungsbetrug. Die Geschädigten werden per SMS oder WhatsApp kontaktiert. Dabei geben sich die Täter als leibliches Kind der Geschädigten aus und teilen mit, dass ihr Handy defekt wäre und sie deshalb eine neue Rufnummer hätten. Im weiteren Verlauf des Chats werden die Geschädigten gebeten, für das vermeintliche Kind Rechnungen zu begleichen. Dies wäre aktuell nicht möglich, da aufgrund des defekten Handys kein Zugriff auf das Onlinebanking möglich wäre. Den Geschädigten wird versprochen, dass sie das Geld umgehend zurückbekommen. Wenn die Angerufenen einwilligen, Rechnungen zu begleichen, werden ihnen die Kontodaten von zuvor angeworbenen Finanzagenten als Zahlungsempfänger mitgeteilt. Dieser Vorgang wird solange wiederholt, bis die Geschädigten Verdacht schöpfen und weitere Überweisungen einstellen.
Beim Modus falscher Bankmitarbeiter werden die Geschädigten von einem Täter kontaktiert, der sich als Mitarbeiter der jeweiligen Bank, bei der diese ihr Konto haben, ausgibt. Zu diesem Zeitpunkt haben die Täter bereits Zugriff auf das Konto der Geschädigten, da die Zugangsdaten zum Onlinebanking bereits im Vorfeld meist über "Phishing" erlangt wurden. Das Betrugsopfer wird durch geschickte Gesprächsführung dazu veranlasst, Zahlungen welche durch die Täter in Auftrag gegeben wurden, im TAN-Verfahren freizugeben. Lediglich das TAN-Verfahren hält die Täter zu diesem Zeitpunkt davon ab, die Überweisungen ohne Mitwirken des Geschädigten auszuführen. In einigen Fällen gelang es den Tätern im Telefonat, Zugang zum TAN-Verfahren zu erlangen. Ab diesem Zeitpunkt hatten die Täter uneingeschränkten Zugriff auf das Konto der Geschädigten und konnten ohne deren Mitwirken Überweisungen tätigen.
Die Überweisungen, die bei beiden Vorgehensweisen zustande kamen, wurden per Echtzeitüberweisung getätigt, sodass der Betrag umgehend auf dem Konto der Finanzagenten gutgeschrieben wurde. Direkt nach Geldeingang wurde das Geld in bar abgehoben oder auf ein weiteres Konto überwiesen, so dass Rückforderungen der Überweisungen in vielen Fällen erfolglos blieben.