Main-Spessart: Pamela Nembach über Diskriminierung in der Kommunalpolitik
Autor: Riccarda Rascher
Spessart, Montag, 08. Juni 2026
Frauen in der Kommunalpolitik erleben oft Abwertung und Ausgrenzung, sagt Pamela Nembach. Die SPD-Politikerin schildert, welche Herausforderungen sie im Alltag erlebt und wie sie trotzdem weiterkämpft.
Pamela Nembach spricht fast gelassen in die Kamera - doch die Inhalte sind deutlich. Die Kommunalpolitikerin, die sich seit Jahren in der Region engagiert, schildert in sozialen Medien und im Gespräch gegenüber inFranken.de ihre Erfahrungen mit abwertendem Verhalten im politischen Alltag. Ihr Ziel: Aufmerksamkeit schaffen für Strukturen, die Frauen noch immer den Einstieg in die Politik erschweren.
Nembach, SPD-Kreisvorsitzende für Main-Spessart, berichtet von Situationen, die sie nicht länger für sich behalten möchte. "Ich will niemanden an den Pranger stellen", betont sie. Vielmehr gehe es darum, "ein paar wirklich seltsame Begebenheiten zu erzählen, die zeigen, warum Frauen so abgeschreckt davon sind, in die Kommunalpolitik zu gehen". Eine dieser Begebenheiten ist ihr besonders im Gedächtnis geblieben. Als sie in offizieller Funktion als stellvertretende Landrätin bei einer Veranstaltung unterwegs war, wurde sie nach einem sachlichen Beitrag von einem hochrangigen bayerischen Politiker mit den Worten konfrontiert: "Denken ist Glückssache." Für Nembach ein Beispiel für den Ton, den Frauen in politischen Gremien immer wieder erleben.
Männliche Kollegen seien "von oben herab, arrogant und abgehoben"
Dabei beschreibt sie das Verhalten einiger männlicher Kollegen als "von oben herab, arrogant und abgehoben". Gleichzeitig stellt sie klar, dass dies nicht für alle gelte: "Ich habe auch ganz zauberhafte Kollegen im Kreistag und im Stadtrat – nur leider begegne ich auch den anderen." Dass Frauen in der Kommunalpolitik noch immer unterrepräsentiert sind, spürt Nembach im Alltag ganz konkret. Besonders deutlich sei ihr das im Bauausschuss des Kreistags geworden: "Da war ich bei manchen Sitzungen neben der Landrätin die einzige Frau." Ein Umstand, der aus ihrer Sicht auch Auswirkungen auf politische Entscheidungen hat. Gerade Infrastrukturthemen würden häufig nicht ausreichend aus weiblicher Perspektive gedacht – obwohl sie Frauen im Alltag stark betreffen, etwa bei Fragen der Beleuchtung oder Barrierefreiheit.
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Neben inhaltlichen Aspekten sieht Nembach vor allem strukturelle Probleme. Immer wieder beobachte sie informelle Netzwerke unter Männern: "Die stehen in so Grüppchen herum und man hat den Eindruck, die besprechen jetzt wichtige Dinge." Frauen seien in diese "kumpelige Ebene" deutlich seltener eingebunden. "Weil sie leider oft auf den Kumpelskreis stoßen, in dem Männer dann alles auskarten, ohne dass Frauen dabei sind." Wenn eine Frau dann versuche, eine "Lücke in diese Wagenburg zu schlagen, trifft sie auf onkelige Typen", die ihr die Welt erklärten, wie sie in ihrem Facebook-Beitrag erläutert.
Zugleich sieht sie in Frauen besondere Stärken für die politische Arbeit. "Frauen bringen Problem-Lösungs-Kompetenzen und Flexibilität mit", sagt sie. Außerdem hätten sie oft weniger Scheu, bei komplexen Themen nachzufragen. Das könne langfristig zu besseren Entscheidungen führen, weil Hintergründe gründlicher beleuchtet würden.
Nembach will in der Politik bleiben
Trotz der negativen Erfahrungen hat Nembach nie daran gedacht, sich aus der Politik zurückzuziehen. Im Gegenteil: Gerade diese Erlebnisse hätten sie motiviert, dranzubleiben. "Wenn alle gehen, die irgendwann sagen, ‚das ist mir zu blöd hier‘, dann bleiben nur die übrig, die einen ärgern", sagt sie. Ihr Ansatz sei deshalb, selbst einen anderen Umgang vorzuleben – respektvoller, offener, und bewusster, wie sie es formuliert.