Kreis Main-Spessart: Über 30 Skelette gefunden - Blick ins Mittelalter
Autor: Isabel Schaffner
Spessart, Samstag, 27. Juni 2026
Einen faszinierenden Blick in vergangene Zeiten ermöglichen derzeit Gräber an einer Kirche im Kreis Main-Spessart. Hier liegen etliche Skelette von Kindern und Erwachsenen.
Im Zuge der geplanten Erneuerung eines Dorfes in Unterfranken sind bei archäologischen Untersuchungen zahlreiche Gräber entdeckt worden. Wie die Pressereferentin des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege inFranken.de mitteilt, handelt es sich um den Bereich rund um eine Kirche. Aufgrund des Raubgräberrisikos nennen wir nur den Landkreis.
Für das Kirchenumfeld sei eine Neugestaltung vorgesehen. "Da die heutige Kirche von 1868/69 einen mittelalterlichen Vorgängerbau hatte, ist ein Teil dieses Bereichs als Bodendenkmal in die Bayerische Denkmalliste aufgenommen worden", erklärt die Sprecherin. Schon zuvor habe man vermutet, dass sich im Umfeld der Kirche weitere Bodendenkmäler - vor allem Bestattungen - befinden könnten.
"Vornehmlich in Leichentüchern": Landesamt zu Skeletten aus Kreis Main-Spessart
Seit Ende April 2026 entdeckten die Archäologen hier insgesamt 34 Bestattungen. Dabei sind nach Angaben der Pressestelle alle Altersgruppen vertreten, auch Kinder. Wie für Friedhöfe dieser Zeit typisch, wurden die Gräber nicht geräumt. "Jüngere Bestattungen wurden über ältere gebettet. Daher finden wir bei der Ausgrabung oft mehrere Bestattungen übereinander", so die Sprecherin weiter. Nur bei wenigen Bestattungen habe man Hinweise auf Särge festgestellt.
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Es sei deshalb wahrscheinlich, "dass die geborgenen Toten vornehmlich in Leichentüchern beerdigt wurden". Die gefundenen Skelette lassen sich nach Einschätzung des Landesamts dem Mittelalter sowie der frühen Neuzeit zuordnen. Die ersten Gräber könnten aus der Zeit um 1408 stammen. Für eine exakte zeitliche Einordnung der Funde wären allerdings aufwendige naturwissenschaftliche Untersuchungen nötig.
Die Experten erwarten noch weitere Bestattungen unter einem Weg vor der Kirche. Eine neue Teerschicht bewahrt sie im Sinne der Totenruhe in der Erde, wie der Bürgermeister im Gespräch erklärt. Auch am Bamberger Rathaus stießen Archäologen dieses Jahr auf Skelette.
Funde bieten aufschlussreiche Informationen über die Region
"Durch die Ausgrabung und Dokumentation der Bodendenkmäler bleibt ein Teil der in ihnen enthaltenen Information zur Geschichte der Region erhalten", fügt das Landesamt hinzu. "Die archäologische Ausgrabung ist eine Ersatzmaßnahme für den Erhalt der Bodendenkmäler, die bei Bauvorhaben in historischen Ortskernen oft betroffen sind. Eine möglichst denkmalschonende Planung solcher Vorhaben liegt daher sowohl im Sinne des Bauherren als auch im Sinne der Bodendenkmalpflege", fügt das Landesamt hinzu.
Wie im "Eiszeitkrimi" fühlten sich kürzlich Forscher der FAU Erlangen-Nürnberg. Sie untersuchten das Skelett eines Wollhaarmammuts. Weitere Nachrichten aus Main-Spessart findest du in unserem Lokalressort.