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Zuflucht für 400 DDR-Bürger


Autor: Theresa Schiffl

Bad Staffelstein, Mittwoch, 02. Oktober 2019

Als 1989 immer mehr Menschen aus der DDR in den Westen flohen, fanden einige am 9. November in der Adam-Riese-Halle Zuflucht. Klaus Langer, erinnert sich zum Tag der Deutschen Einheit an das Ereignis im Landkreis.
Parkende Wartburgs auf dem Hallenparkplatz: 400 Menschen fanden nach ihrer Flucht aus dem Osten in der Adam-Riese-Halle vorerst Unterschlupf und Hilfe.  Fotos: Stadtarchiv Bad Staffelstein/ Slg. Porzel


"Die Menschen kamen ja mehr oder weniger aus einem Gefängnis. Das war die richtige Entscheidung, dass wir damals die Betten vom Hilfskrankenhaus rauf in die Halle getragen haben", meint Klaus Langer. Einen Rückblick an das besondere Ereignis anlässlich dem Tag der Deutschen Einheit.

Die Räumlichkeiten unter Adam-Riese-Halle waren nur für den äußersten Notfall und zweckmäßig eingerichtet, zu Zeiten des Kalten Krieges: Die Räume befinden sich unter der Erde, keine Fenster, dicke Eisentüren, viele Rohre, Beton und Fliesen.

Flucht über Drittländern in Westen

Im Oktober 1989 hieß es aus München, dass die Flüchtlingszahlen aus der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) stark zunehmen. In der Nacht auf den 11. September 1989 öffnete Ungarn seine Grenzen für DDR-Bürger und ermöglichte ihnen die Flucht in den Westen. Über die Tschechoslowakei und Polen reisten viele in die Bundesrepublik Deutschland ein und fanden hier, wie in Bad Staffelstein Zuflucht. Deshalb wurde Klaus Langer, der insgesamt 48 Jahre im Bereich des Katastrophenschutzes tätig war, vom Bund kontaktiert.

"Im November bekamen wir schließlich aus München den Befehl, das Hilfskrankenhaus entsprechend fertig zu machen", erinnert er sich. Einsatzkräfte der Feuerwehr, des Technischen Hilfswerks und des Roten Kreuzes halfen die Betten in der Halle aufzustellen und die letzten Vorbereitungen zu treffen.

Versorgung in Adam-Riese-Halle

Am 9. November war es so weit und die ersten Menschen aus der DDR kamen mit ihren Autos in Bad Staffelstein an. Abends waren ungefähr 400 eingetroffen und wurden mit Lebensmitteln, Kleidung und Kosmetikartikeln versorgt.

"Sie sollten noch vom Bundesgrenzschutz befragt werden und wurden in den folgenden Tagen mit Bussen nach Bayreuth gefahren." Das sei aber problemlos verlaufen.

"Ich weiß noch, dass abends jemand zu mir gesagt hat, dass die Grenze offen ist", sagt Langer. Dann habe sich die Halle schnell geleert, da viele Familie und Freunde im Westen hatte. Ungefähr 150 bis 200 blieben übrig, die nicht wussten, wohin sie gehen sollten. "Wir haben eine Stelle für die Arbeits- und Wohnungsvermittlung eingerichtet."

Es habe auch ergreifende Momente gegeben: Die Bevölkerung brachte Kleidung und die Kinder hatten kleine Geschenke dabei. Die 400 Menschen hatten kaum Privatsphäre in der Halle. Das sei schon etwas eine Zumutung gewesen, jedoch fand sich keine andere Lösung. "Es war ein Glück, dass wir das Hilfskrankenhaus eingerichtet haben. Das hat es erleichtert so viele Menschen unterzubringen."