Zu wenig bezahlbarer Wohnraum in Lichtenfels

2 Min
Mit diesem mobilen Wohnzimmer am Säumarkt startete der Zukunftsdialog zum Thema Wohnen.Peter Zillig
Mit diesem mobilen Wohnzimmer am Säumarkt startete der Zukunftsdialog zum Thema Wohnen.Peter Zillig

Nach dem ersten Zukunftsdialog in der Lichtenfelser Innenstadt geht es nun an die Arbeit. Für die Gewerkschaften steht fest: Es müssen Lösungen gefunden werden.

Viele Passanten in der Lichtenfelser Innenstadt werden sich vor einigen Wochen gewundert haben, als sie am Säumarkt ein aufgebautes Wohnzimmer vorfanden. "Mit der Aktion am 25. März wollten wir die Aufmerksamkeit der Leute auf ein wichtiges Thema richten", sagt Heinz Gärtner, Kreisvorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) Lichtenfels.

Das mobile Wohnzimmer stand im Zusammenhang des Zukunftsdialoges, der von den Gewerkschaften ins Leben gerufen worden war. Unter dem Motto "Bezahlbar ist die halbe Miete" konnten Wünsche, Anregungen und Erfahrungen von Mietern eingebracht werden.

Druck auf Politik ausüben

"Diese Veranstaltung war erst der Anfang. Wir wollen das weiter aufgreifen und Lösungen finden", sagt Heinz Gärtner. Druck auf die Politik solle ausgeübt werden. "Wir haben bei dieser Veranstaltung Befragungen durchgeführt, um zu sehen, wie die Stimmung im Bereich Wohnen bei der Bevölkerung ist." Bis in den Sommer werden noch weitere Personen befragt und die Bögen im Anschluss ausgewertet.

Doch bereits jetzt lässt sich sagen, welche Probleme es in Lichtenfels gibt. "Es gibt einfach zu wenig bezahlbaren Wohnraum", fasst Heinz Gärtner zusammen. Im gesamten Landkreis sei der Wohnungsmarkt angespannt. Besonders das Stadtgebiet sei davon betroffen.

"Es gibt Wohnungen im höherpreisigen Bereich, aber für die normale Bevölkerung sind die nicht zu bezahlen", beschreibt Heinz Gärtner die Lage. "In den letzten vier Jahren sind die Mietpreise im Landkreis Lichtenfels um fast ein Drittel gestiegen." Kostete 2014 der Quadratmeter noch 4,83 Euro, sind es Ende des Jahres 2018 6,38 Euro.

Industrie setzt Maßstäbe

Die Preise werden noch weiter steigen, weil die Nachfrage die Preise regelt. Und die Nachfrage ist groß. "Es wird viel für die Industrie getan und Arbeitsplätze werden geschaffen. Die Arbeiter und Fachkräfte werden angelockt, hierher zu kommen", so Gärtner. Aber wenn sie dann hier seien, würden sie keine bezahlbare Wohnung finden, weil es keine gebe.

Aber nicht nur sie finden keine Wohnungen. Auch die Neubürger, die aus ihren Sammelunterkünften in eigene Wohnung ziehen wollen, bleiben bei ihrer Suche meist erfolglos. Laut Beate Ehl von der Caritas Lichtenfels seien es zeitweise bis zu 50 Wohnungen, die dafür gesucht werden.

Dabei wäre grundsätzlich Raum zur Verfügung, der dafür genutzt werden könnte: "Wenn man in die Innenstadt blickt, dann gibt es viele leerstehende Gebäude. Sowohl Geschäftshäuser, als auch alte Wohnhäuser", sagt Heinz Gärtner. Hier sieht er die Kommunen gefragt: Alle Leerstände müssten erfasst werden, um einen Überblick über die Lage zu erhalten.

Neben der Kommune sind aber auch die Eigentümer wichtig. "Sie müssen davon überzeugt werden, dass sie nichts davon haben, wenn ihre Gebäude leerstehen."

Förderprogramme gibt es dafür bereits - und auch bei einem Blick in die Nachbarschaft sieht man, was möglich ist. In Weismain sei man mit dem Förderprogramm Soziale Stadt bereits erfolgreich gewesen.

"Wenn man die Altbestände nutzen würde, könnte man sich viel Arbeit sparen: man müsste nichts erschließen, da bereits alles vor Ort ist", sagt Gärtner.

Er ist überzeugt, dass davon auch die Innenstädte profitieren könnten. Wenn bezahlbarer Wohnraum dort geschaffen werde, könne man für ältere Menschen eine günstige Wohnlage ermöglichen, da diese dann ihre Einkäufe vor der Haustür erledigen könnten.

Sofortprogramm

"Das Problem wird immer größer werden. Um der Lage einigermaßen entgegentreten zu können, bräuchten wir ein Sofortprogramm. In den nächsten eineinhalb Jahren müssten 40 neue Wohnungen gebaut werden, die in einem bezahlbaren Bereich liegen", fordert Heinz Gärtner.

Um bereits jetzt handeln zu können, werden den Bürgermeistern Briefe zugesandt, die sie auf die problematische Lage hinweisen. Zudem werden sie mit acht oder neun Fragen konfrontiert, die ihre Bautätigkeiten beantworten soll.