Im Mai 2018 wurde ein bedeutendes Vorhaben der Öffentlichkeit präsentiert: An der Ecke Kirchgasse/Mauergasse, wo fünf seit langem ungenutzte, marode Häuser standen, soll ein moderner Gebäudekomplex zum Wohnen im Alter entstehen. In einem Architektenwettbewerb war die beste Idee für die Neubebauung dieser Innenstadtlage gekürt worden. Der Siegerentwurf eines Nürnberger Büros erfuhr viel Zustimmung, und Investor Hans-Georg Rießner (Dr.-Rießner-GmbH & Co. KG) freute sich darüber, für die Umsetzung im Bereich Betreutes Wohnen mit Fabian Franke bereits einen Partner zu haben. Über gemeinsame Bekannte hatte man sich kennengelernt, von einem "glücklichen Zufall" sprach Rießner damals. Franke vertrat den ambulanten Pflegedienst Cura, ein in Lichtenfels und darüber hinaus bekannter Dienstleister. Eine im Haus vorgesehene Sozialstation sollte rund um die Uhr Anlaufstelle sein für die in den rund 25 geplanten Apartments lebenden Senioren. Auch eine Arztpraxis war in die Planung integriert, und besonderen Charme hatte der geschützte Innenhofgarten speziell für zehn Menschen mit Demenz. Die Idee dieser Wohngruppe war allerdings bald darauf fallengelassen worden.

Knapp ein Jahr später trat allerdings ein Umstand ein, der sich für den Investor als ganz und gar nicht mehr glücklich darstellte: Franke sagte ab. Das sei "schon ein bisschen ärgerlich gewesen", formuliert es Hans-Georg Rießner heute mit einem gewissen Abstand. Trotz der moderaten Wortwahl merkt man ihm an, dass dies eine große persönliche Enttäuschung für ihn war.

Der Cura-Geschäftsführer begründet seinen Rückzug allein mit betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten. Dass inzwischen das Pflegeheim Elisabeth am Eichenweg gekauft und der Betrieb einer Tagespflege am Bürgerweg aufgenommen wurde, habe damit nichts zu tun. Er habe Zweifel daran gehabt, die Apartments zu dem von Rießner vorgeschlagenen Grundmietpreis weitervermieten zu können, sagt Franke. Ursprünglich sei er von weniger ausgegangen. Sein Vorschlag, nur für den Service im Betreuten Wohnen Verantwortung zu übernehmen, gefiel wiederum Rießner nicht. Er hätte dann direkt als Vermieter und Ansprechpartner für die Bewohner fungieren müssen. Diesen Aufwand wollte sich der Unternehmer zusätzlich zu seiner mehrere Millionen Euro umfassenden Investition nicht aufbürden. Zumal er im Wohnmietbereich keine Erfahrung habe, wie er betont. Es konnte keine Einigung erzielt werden.

Der genaue Quadratmeterpreis muss ohnedies zum jetzigen Zeitpunkt als Spekulation betrachtet werden, denn es gibt ja noch nicht einmal eine Ausschreibung. Freilich waren die Preissteigerungen im Baugewerbe in den letzten Jahren erheblich. Unbestritten ist der hohe Bedarf an seniorengerechten Wohnungen in Lichtenfels. Um den weiß auch Fabian Franke, der seinerseits eine unternehmerische Entscheidung getroffen hat: Er möchte auf dem Grundstück am Eichenweg bauen und Betreutes Wohnen anbieten, hat bereits eine Anfrage an die Stadt gerichtet.

Rießner indes hält an dem Innenstadtvorhaben und dem Entwurf aus dem Wettbewerb fest. Es werde lediglich die Raumaufteilung im Inneren überarbeitet. Er nennt nun Ende 2020 als möglichen Baubeginn, sieht sich damit zwar in seinem Zeitplan zurückgeworfen, aber auf einem guten Weg. Denn es gebe positive Gespräche mit neuen Partnern aus den Bereichen Seniorenwohnen und Behindertenwohnen. Dankbar ist er in diesem Zusammenhang für die Begleitung durch die von der Stadt eingesetzte Beraterin in Sachen Städtebauförderung, Rita von Frantzky. Im Rathaus weiß man um die Veränderung, sieht aber kein Problem, solange es bei der angedachten Nutzung bleibt. Es gebe entsprechende Verträge, erklärt Citymanager Steffen Hofmann. "Wir sind daran interessiert, dass da etwas Schönes passiert."

Was man sich konkret vorstellen darf, darüber möchte der Investor in absehbarer Zeit informieren. Wie Hans-Georg Rießner im Gespräch herausstellt, liegt ihm daran, dass das Projekt auf Langfristigkeit angelegt ist.