Die aktuelle Energiepolitik in Bund und Land beschert viele Unwägbarkeiten. Die Kommunalwahl beschert bald neue Gemeinde-, Stadt- und Kreisräte und ganz gewiss einen neuen Bürgermeister in der Kreisstadt. Der Lichtenfelser Landrat Christian Meißner (CSU) vertritt deshalb eine abwartende Haltung, wenn es um die mögliche Gründung von Regionalwerken zur Energieversorgung und -gewinnung geht. Eigentlich eine Sache der Städte und Gemeinden. Aber weil sich gerade kleinere Kommunen schwer tun, sich um dieses Thema zu kümmern, ist der Landkreis als Moderator gefragt. Die Grünen hatten schon vor einem Jahr den Antrag gestellt, der Landkreis möge prüfen, wie man hier eine effektive Zusammenarbeit auf die Beine stellen kann - am Beispiel des Nachbarlandkreises Bamberg, wo Stadt, Landkreis und Gemeinden gemeinsam eine GmbH zur Förderung dezentraler Energiegewinnung mit hoher regionaler Wertschöpfung und Einbindung der Bürger
vor Ort gegründet haben.

Kaum Entschlusskraft

Als am Montag in der Sitzung des Kreisausschusses nun dieser Blick über den Tellerrand unterbreitet wurde, war aus den Reihen der Kreisräte, darunter etliche Bürgermeister, kaum Entschlusskraft zu spüren, im Landkreis Lichtenfels im Zuge der Energiewende ebenfalls diesen Weg zu beschreiten. Helmut Fischer (CSU) sah durch die Mitgliedschaft bei der Energieagentur Nordbayern den Beratungsbedarf gedeckt. Im Übrigen habe jede Kommune ihre spezifischen Interessen, von Biogas bis Solarenergie. Er hegte Bedenken gegenüber einer Institution, die ihm "von oben etwas sagt".

Darum gehe es ja gerade nicht, entgegnete Winfred Bogdahn (SPD). "Wir alle können viele Aufgaben nicht mehr alleine lösen", sagte er und sah die Kommunen auch in der Energieversorgung vor großen Aufgaben, unter dem Motto "Geld in die Hand nehmen, um Geld zu sparen."

Kreisrat Bernhard Christoph (Grüne), der dem Kreisausschuss nicht angehört, durfte quasi als Antragsteller sprechen: "Wir stellen uns Regionalwerke vor, möglichst von allen elf Kommunen getragen." Diese könnten sich um die Verpachtung kommunaler Liegenschaften, beispielsweise Flächen von Kläranlagen, zur Energieerzeugung, um die Erstellung eines Solarkatasters mit privaten und öffentlichen Flächen und um eine Planung von Windkraftanlagen kümmern, wo diese verträglich zu gestalten sind. Ziel sei es, Energie für die Region zur Verfügung zu stellen.

Stadtwerke im Blick

Die Stadtwerke Lichtenfels könnten hier künftig eine aktivere Rolle spielen, ließ Landrat Meißner wissen, und dass er erfahren habe, dass die Kandidaten für das Bürgermeisteramt in der Kreisstadt sich da aufgeschlossen zeigen. Er könne sich durchaus vorstellen, Kommunen zusammenzubringen, allein fehlten ihm hierfür Impulse von deren Seite. Eine Bürgermeister-Dienstbesprechung - mit den Neu- oder Wiedergewählten - schien ihm der passende Rahmen zu sein, das Thema erneut aufzugreifen. Aufgeschoben also.

Die Problematik der Energieversorgung beschäftigte die Runde aber weiter: Man bekräftigte die Forderung gegenüber dem Regionalen Planungsverband, die drei ausgewiesenen Vorrangflächen für Windenergie zwischen Baiersdorf und Ge utenreuth, zwischen Großziegenfeld und Wattendorf sowie nahe Buckendorf aus dem Entwurf zu streichen.

Ein Trassenverlauf der neuen Hochspannungsleitung aus Sachsen-Anhalt durch das Maintal oder über den Jura (als Alternative zur Streckenführung durch den Raum Bayreuth) wird abgelehnt. Hier sei dann Bernhard Christophs Eintreten für Regionalwerke noch einmal in den Fokus gerückt: "Stromverschiebung im großen Stil ist nicht die Energiewende, wie wir sie uns vorstellen. Denn Verschiebung bedeutet auch Verluste."




Kommentar: "Es braucht Mut und einen Motor"

Wer immer nur nach der Rendite fragt, wird nichts Großes schaffen. Weil das Große von der Überzeugung beseelt sein muss, dass es richtig und notwendig ist. Im Idealfall erweist sich eine Investition, vielleicht erst ein paar Jahre später, auch in wirtschaftlicher Hinsicht als weise Entscheidung. Es braucht Mut, um unternehmerisch erfolgreich zu sein, und sehr oft den Glauben an eine gute Idee. So ist das auch mit der Energiewende. Ständiges Zagen bringt uns da nicht voran. Lohnen sich die Solarpaneelen auf dem Feuerwehrhaus? Wie ist das nochmal mit der Einspeisevergütung? In welchem Zeitraum werden sich die Kosten amortisieren?

Das Geld, das die Atomkraft verschlungen hat und noch verschlingt, wird sich nie amortisieren. Die Hypothek wird von Generation zu Generation weitervererbt, der billige und saubere Strom aus dem Kernreaktor war von Anfang an eine Lüge. Nach dem Ausstieg müssen wir alle Potenziale ausschöpfen und dezentral denken, wenn wir eine sauberere Energieversorgung wollen. Regionalwerke können hier als Motor wirken. Wenn die Kommunen keine Einheiten bilden, bleiben wir in der Abhängigkeit großer Stromkonzerne. Und die wollen vor allem Geld verdienen.