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Kloster Banz
Thesen

Wirtschaftsvortrag auf Banz: Kommunikation will klare Kante

Er hält nichts von Work-Life-Balance-Gerede und Shared-Leadership-Geschwafel: Peter Holzer redet Klartext.
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Referent Peter Holzer hatte die Sympathien auf seiner Seite. Sein Vortrag zur klaren Kante in der Kommunikation kam an. Foto: Markus Häggberg
Referent Peter Holzer hatte die Sympathien auf seiner Seite. Sein Vortrag zur klaren Kante in der Kommunikation kam an. Foto: Markus Häggberg

Mut braucht eine Stimme und heikle Botschaften habe man souverän zu platzieren, sagte am Donnerstagabend Peter Holzer. Der Mann hatte Krebs und ist mit dem fertiggeworden, den haut's so schnell nicht um, wenn jemand Anstoß an seinen Ansichten nimmt. Und die sind klar, die kümmern sich nicht um Political Correctness und geben nichts auf sprachliche Beschönigungen. Im Rahmen des Veranstaltungskalenders der Lichtenfelser Wirtschaftsjunioren (WJ) hielt der Business- Coach, Redner und Buchautor einen Vortrag über Sinn und Unsinn heutiger Sprachgepflogenheiten. Bei Menschen der Wirtschaft sah er dabei eine Vorbildfunktion für die Trendumkehr.

Netzwerker unter sich

Er war gut besucht, der Vortrag. Man trifft Gleichgesinnte, man trifft junge Unternehmer, erklärte der Lichtenfelser WJ-Präsident Sebastian Fischer in seiner Begrüßung gut gelaunt. Man traf vor allen Dingen auch Abgesandte der Wirtschaftsjunioren aus Bayreuth und Kulmbach. Nicht zuletzt traf man auch Peter Belina von der IHK Oberfranken, auch er ein Multiplikator für die Bewerbung der Veranstaltung. Doch dass es zu dieser kommen konnte, hat nach Sebastian Fischer seine Bewandtnis darin, dass es das Büro des prominenten Kölner Referenten war, von welchem aus die Anfrage zu einem Vortag an die WJ in Lichtenfels erging. Hintergrund: Dieses Büro habe schon gute Erfahrung mit den WJ und einem anderen Referenten gemacht.

So stand Holzer nun da, leger, vor rund 130 Köpfe zählendem Publikum, nicht immer piekfein in der Ausdrucksweise und betonend, dass es ihm absolut nicht darum gehe. "Es reicht nicht, eine innere Stimme in sich zu haben, man muss sie auch hörbar machen", schickt er seinem Vortrag voraus. Es ist der siebte Vortrag in seinem 40 Vorträge zählenden Jahrespensum.

Wer heutzutage Klartext spricht und nicht nach Mehrheiten schielt, der wird schnell öffentlich gesteinigt. Das habe ein Gemocht-werden-Wollen heraufbeschworen und eine Political Correctness. Auswüchse, welche in der täglichen Kommunikation nichts mehr als Weichspüler seien. Weichgespült kommuniziere man darum mehr und mehr sowohl beruflich wie auch privat. Dann griff er ein Wort auf, welches in vielen Ohren heikel klingen mag: Führer. Doch Menschen wollten und müssten seiner Ansicht nach geführt werden, und gerade von einem Chef erwarte man eine gute Führung und kein Schielen nach Mehrheiten. Und ja, es gebe durchaus Wörter, die "es zu dekontaminieren gilt". So wie das vom Führen eben. Die Klarheit der Sprache gelte es zurückzuerobern. "Veränderungen führen zu Problemen - Ausrufezeichen!", so der Mann, der euphemistischen Alternativwörtern wie Herausforderung und Chance eine Abfuhr erteilte. "In einer infantil-kindlich-neurotischen Gesellschaft redet man von Chancen und Herausforderungen."

Drastisch und erfrischend

Höchst vergnüglich lud er das Publikum zu Gedankenspielen ein. Was, wenn jemandes Auto gestohlen würde? Dann hätte der ein Problem. Und was erst, wenn er sich dann von einer Bekannten heimfahren ließe? Diesen Umstand hätte er seiner Frau zu erklären. Der Mensch, das wurde aus Holzers Auffassung sofort klar, ist in eine Welt gestellt, die immer nur Prozesse bietet und in der Lösungen auch gleich die nächsten Umstände mit sich bringen - Probleme eben. Holzer war drastisch und dadurch erfrischend, weil anders. Man habe sich im Leben dem Kampf zu stellen, so wie er selbst auch in seinem Kampf gegen den Krebs. Von diesem Standpunkt aus formte der Kölner seinen Übertrag in die Wirtschaftswelt. Herrsche dort in den Unternehmen nicht auch ein harter Wettbewerb um die Existenz, also ein "Kampf auf Leben und Tod"? Diesem Kampf würde sinnlos mit Work-Life-Balance-Gerede und Shared-Leadership-Geschwafel begegnet.

Oder an dieser Stelle anders und konkret nach Holzer gesagt: "Scheiß auf Work-Life-Balance." Dann und wann mochte aufblitzen, dass der Mann nicht so hart war, wie er sich durch manche Aussagen darstellte. Dann und wann schien es so, dass er einfach nur Sturm lief gegen ein Übermaß von in Sprache und Wirtschaft auftauchenden Wortschöpfungen, die er als Phrasen begreift. Auswüchse moderner Gesellschaft und einer - auch in Unternehmen - unsicheren Führungskultur, denn: "Wir labern ohne Ende und trotzdem sind wir stumm."

Bei der heutigen Gesellschaft, auch das klang an, schien Holzer eine Art Überzüchtung auszumachen. Man jammere, man begebe sich in Opferrollen, man wälze Verantwortung, auch bei der Kindeserziehung, auf den Staat ab. Weil man selbst keine Strenge und keine klare Kante zeige. Das wälze man auf Kindergärten und Schulen ab und "den Müll kriegen Sie dann in Ihren Unternehmen ab".

Starke Worte, ungewohnte in heutiger Zeit. Aber dadurch für Zuhörer gerade an Reiz gewinnend. Doch der Mann, der für Focus Online schreibt und Unternehmern beibringt, wie sie ihre Ansichten oder Forderungen klar und in der Sache kompromisslos ansprechen sollten, mahnte für die heutige Zeit auch eine moderate Erwartungshaltung bei seinen Mitmenschen an: "Ich wünsche uns allen, dass wir keinen Schlag in die Fresse oder einen Krieg brauchen, um das zu schätzen, was wir haben." Letztlich aber zähle nur, dass man als Führender, als Unternehmer, als Politiker und Mensch zu wissen habe, wo man im Leben eigentlich hin wolle. Das Ziel bestimme die Handlungsweisen und ohne Ziele sei alles nichts.