Für den berühmten oberfränkischen Dichter Jean Paul ist "die Kunst zwar nicht das Brot, wohl aber der Wein des Lebens". In der Region zwischen Hof und Forchheim gibt es viele Orte, an denen man sich am Trank der geistigen Erbauung laben kann. Ein weiterer könnte hinzukommen, plant doch ein Ehepaar aus Weismain den Bau einer multifunktionalen kulturellen Begegnungsstätte.

"Ich bin mir sicher, dass ein Theater das kreative Leben einer Stadt und ihrer Region bereichern kann", sagt Anja Dechant-Sundby, die Tochter des Weismainer Bauunternehmers Alois Dechant. Kultur ist für die 44-Jährige immer auch ein Stück Lebensqualität. Zusammen mit ihrem Ehemann Sigurd Sundby will sie das ambitionierte Vorhaben in der Stadt Kulmbach umsetzen. Man habe sich, so der 45-Jährige, ganz bewusst für die Kommune in der Mitte Oberfrankens entschieden.

Aufgeschlossene Kulturszene

"Hier gibt es eine rege und aufgeschlossene Kulturszene. Durch den Aufbau der Uni-Fakultät wird das Thema Kultur sicher weiter an Bedeutung gewinnen", findet Sundby. Das Paar ist nach vielen zum Teil internationalen Projekten für Film und Theater seit gut zehn Jahren in Oberfrankens Kulturszene aktiv, unter anderem an der Naturbühne Trebgast (siehe Infobox). Das geplante Theater in Kulmbach ist nicht das erste Projekt, mit dem die zwei Weismainer Aufmerksamkeit erzeugen. In ihrer Heimatstadt wollen sie eine Märchenbühne mit Platz für 100 Besucher errichten. Im Jahre 2015 sicherten sie der Stadt zu, innerhalb von zehn Jahren eine solche zu bauen.

Bislang hat sich noch nichts getan. Ist das Projekt eingeschlafen? "Mitnichten", widerspricht Dechant-Sundby. Man werde, verspricht sie, Bürgermeister Michael Zapf (GUB) diesbezüglich kontaktieren. Ihr Projekt in Kulmbach hingegen, das sie aus privaten Mitteln und Fördergeldern finanzieren wollen, fällt ein paar Nummern größer aus. Die Sundbys wollen mehr als ein Theater auf die Beine stellen, in dem Klassiker, Komödien und familienfreundliche Inszenierungen ihren Platz haben. Ihr Haus soll auch ein Hort für Vernissagen, Handwerksausstellungen, Lesungen, Stand-up-Comedy, Musik und Tanz-Events, Poetry-Slams, Firmenpräsentationen und außergewöhnliche Privatveranstaltungen sein.

Öffentlich machten sie ihre Pläne mitten in der Corona-Krise, in der viele Kulturschaffende ums nackte Überleben kämpfen. Die Sundbys finden nicht, den falschen Zeitpunkt gewählt zu haben. Da man die Bevölkerung und die Künstler von Anfang an habe mitnehmen wollen, habe man sich entschieden, in einem frühen Stadium an die Öffentlichkeit zu gehen - trotz der momentan misslichen Lage. "Unsere Initiative will für Künstler, Gastronomie und andere Dienstleister Perspektiven und Arbeitsplätze nach der Krise schaffen und für eine positive Aussicht sorgen", betont Dechant-Sundby. Mitten in den Planungen für ihr Vorhaben kam es im Kulmbacher Rathaus auch noch zu einem Wechsel auf dem Chefsessel. Oberbürgermeister Henry Schramm (CSU), der von einer "ganz tollen Initiative" schwärmte, wurde von Ingo Lehmann (SPD) abgelöst, für den "der Theaterbau keine Priorität hat". Das Künstlerehepaar aus Weismain hofft, dass ihre Pläne nicht in politische Befindlichkeiten geraten. Beim neuen OB haben sie bereits um einen Termin gebeten. Bei ihren Gesprächen mit Kulmbacher Kulturschaffenden, wie der Theatergruppe "Buschklopfer", dem Theaterinhaber Rüdiger Baumann, dem Kunstverein, dem Literaturverein und der Naturbühne Trebgast, hätten sie viel Wohlwollen gespürt.

Für die zwei Künstler aus Weismain ist das eigene Theater ein Lebensprojekt. Das Spielen auf einer Bühne, bei der Menschen in eine andere Rolle schlüpfen, hat für beide viel mit Emotionen, Idealismus und Enthusiasmus zu tun. "Deshalb wollen wir unsere Vision auch mit viel Herzblut weiterverfolgen", sagt Dechant-Sundby.

Anja Dechant-Sundby Ihre Leidenschaft für die darstellende Kunst wurde früh geprägt und gefördert unter anderem von dem Schauspieler Günther Strack und dem Regisseuer Dieter Wedel. Regie führte sie unter anderem bei folgenden Theaterproduktionen: "Einer flog übers Kuckucksnest" (Studiobühne Bayreuth), "Ernst sein ist alles" (Leuchtenberg Festspiele), "Dschungelbuch" (Naturbühne Trebgast), "Draußen vor der Tür" (Studiobühne Bayreuth), "Mirandolia" (Rosenberg Festspiele), "Die Wanderhure" (Naturbühne Trebgast). Sigurd Sundby Der Norweger, der in der Jurastadt Weismain eine zweite Heimat fand, sammelte im Privattheater seines Vaters erste Erfahrungen als Schauspieler. Gemeinsam mit seiner Frau Anja Dechant-Sundby entwickelte und schrieb er Drehbücher für die "Sesamstraße" und "Pfarrer Braun". Auf hiesigen Theaterbühnen war er unter anderem als Macbeth in Shakespeares gleichnamigen Stück (Aufführung der Studiobühne Bayreuth in Sanspareil) und als Mephisto in Goethes "Faust" (Naturbühne Trebgast) zu sehen. stö