Am 4. Dezember 1946 wurde in München der VdK gegründet, zehn Monate später der Ortsverband Ebensfeld. "Bei der Gründungsversammlung waren wir acht Mitglieder", erinnert sich Philipp Dumproff. Diese reichten gerade mal aus, um den Vorstand zu bilden.

70 Jahre später, zählt der VdK-Ortsverband Ebensfeld 670 Mitglieder und ist damit nach Lichtenfels der zweitgrößte Ortsverband im Landkreis. Philipp Dumproff gehört zu den wenigen noch lebenden Gründungsmitgliedern in Bayern. Am 27. September wird er 92 Jahre alt. Heute lebt der rüstige Rentner gemeinsam mit seiner Frau Margareta im Seniorenheim am Obermain in Kutzenberg Am Mittwoch wurde er für seine 70-jährige Mitgliedschaft beim VdK geehrt.

Philipp Dumproff, Jahrgang 1925, erblickte in Prächting als jüngstes von drei Kindern das Licht der Welt. Im Alter von fünf Jahren zog die Familie nach Ebensfeld. Nach der Volksschule wechselte er ins "Alte Gymnasium" nach Bamberg. Wie so viele seiner Generation, wurde Dumproff von der Schulbank weg zur Infanterie eingezogen und nach kurzer Ausbildung in an die Ostfront geschickt.

Es war der 21. November 1943, als der damals 18-Jährige so schwer verwundet wurde, dass man ihm den rechten Arm und das linke Bein amputieren musste. Er wurde Opfer der gefürchtetsten Waffe der Sowjets. Die Katjuscha-Raketenwerfer, besser bekannt als "Stalinorgeln", konnten binnen weniger Sekunden 12 oder 24 Geschosse abfeuern. "Die Wirkung war ungeheuerlich. Erst hat es gezischt und gepfiffen, dann hat es gekracht. Da haben wir gewusst, das es eingeschlagen hat", berichtet Dumproff.

Die Nachkriegsjahre waren von Entbehrungen und Armut geprägt. "Ein Ei kostete damals fünf Mark, genauso viel wie eine Zigarette", erzählt Philipp Dumproff. Selbst geraucht hat er wenig, dennoch aber Tabak angebaut. So wie viele Gartenbesitzer damals. Natürlich musste auch eine Tabaksteuer bezahlt werden. Regelmäßig zogen Männer von Haus zu Haus und fragten nach, wie viele Tabakpflanzen angebaut werden. Danach hat sich dann die Steuer berechnet. "Überprüft haben sie es aber nie".


Noch einmal auf den Staffelberg

Philipp Dumproff besitzt einen wachen Geist und der Schalk sitzt ihn im Nacken. Plötzlich fällt ihn eine Anekdote aus seiner Zeit am Gymnasium in Bamberg ein. Sie sollten Schillers "Glocke" auswendig lernen. Mehr als die ersten Zeilen hat er nicht gelernt, da er sich irgendwie darüber hinwegmogeln zu hoffte. Natürlich kam er dran und sollte das Gedicht aufsagen. "Fest gemauert in der Erde, steht die Form aus "Laama" gebrannt". Mit dem hiesigen Dialektwort für Lehm hatte er seinen Professor sehr verärgert.

Als er seine Margareta kennenlernte, hat er sie gebeten ihm Kirschen vom Baum zu holen. "Die Leiter hab ich gehalten". Den Bund fürs Leben schlossen beide 1953 in der Ebensfelder Pfarrkirche "Maria Verkündigung".
Bei der kleinen Feier im Seniorenheim am Obermain sind auch VdK-Kreisvorsitzender Heinz Wittmann und Ortsvorsitzende Martina Buhr anwesend. "Sein größter Wunsch ist, noch einmal das Plateau des Staffelbergs sehen", sagt Ortsvorsitzende Martina Buhr. Ein Wunsch, den man ihm erfüllen möchte. Auch zur 70-Jahrfeier am 14. April 2018 im Kaisersaal in Kloster Banz wird Philipp Dumproff eingeladen.


Lob für den Verband

"Der VdK hat gute Arbeit geleistet", lobt Dumproff und das mehr als einmal. "Ich kann nur gutes berichten." Stand anfangs noch die Beratung und Betreuung der Kriegsbeschädigten sowie der Witwen und Waisen im Mittelpunkt der Arbeit, wandelte sich der VdK in den 1990er Jahren zu einem modernen Sozialverband, der die Interessen einer breiten Öffentlichkeit vertritt. Heute gehören dem VdK in Bayern rund 660 000 Menschen an.