Corona ist zurück und das mit voller Wucht. Mit einer 7-Tage-Inzidenz von 53,8 hat der Landkreis Lichtenfels am Dienstag, den 20. Oktober, als erster Landkreis in Oberfranken den kritischen Wert von 50 Corona-Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner überstiegen. Die Corona-Ampel sprang am Mittwochnachmittag gegen 15 Uhr von Gelb auf Rot. Damit ist der Raum Lichtenfels nun Corona-Risikogebiet.

64 Infizierte

Der Landkreis Lichtenfels hat 66 672 Einwohner, 64 davon sind sogenannte "aktive" Coronafälle. Das heißt 64 Frauen und Männer im Landkreis sind derzeit mit dem Corona-Virus infiziert. Ein Patient ist wiedererkrankt. Um das Infektionsgeschehen in ganz Deutschland vergleichen und so besser einordnen zu können, wird ein 7-Tage-Inzidenzwert ermittelt. Dieser gibt an wie, wie viele Menschen in den letzten sieben Tag pro 100 000 Einwohner neu an Covid-19 erkrankten. Um einer unkontrollierten Ausbreitung des Virus entgegenzuwirken und um auf regionales Infektionsgeschehen gezielter reagieren zu können, legt die sogenannte Corona-Ampel in Bayern drei Warnstufen fest: Gelb, Rot und neuerdings Dunkelrot. Bei einem Inzidenzwert von 35 Neuinfektionen je 100 000 Einwohner springt die Ampel auf Gelb, bei 50 Neuinfektionen je 100 000 Einwohner auf Rot. Die dunkelrote Warnstufe ist eine gestrige Neuerung des bayerischen Ministerpräsidenten Söder und tritt ab einem Inzidenzwert von 100 in Kraft.

Rasanter Anstieg

Der Landkreis Lichtenfels überschritt die 35-Marke erstmals am 17. Oktober und nur drei Tage später, am 20. Oktober, war der kritische Wert von 50 erreicht. Am Mittwoch, 21.Oktober, lag die 7-Tage-Inzidenz bei 52,3. Für Verwirrung sorgte zunächst, dass die Corona-Ampel für den Landkreis Lichtenfels trotz des hohen Inzidenzwertes bis Mittwochnachmittag noch Gelb anzeigte. Das Landratsamt verwies hierbei auf die unterschiedlichen Meldezeiträume der Infizierungen.

Damit bleibt auch Lichtenfels nicht unbeeinflusst von den bundesweit rasant steigenden Infektionszahlen. Am Dienstag etwa wurde das Berchtesgadener Land in einen Lockdown mit strengen Ausgangsbeschränkungen geschickt, nachdem der Inzidenzwert hier auf weit über 200 gestiegen war. Zwar ist Oberfranken der bayerische Regierungsbezirk mit der geringsten Zahl an Neuinfektionen, doch auch hier stieg in verschiedenen Städten und Landkreisen die Zahl der Infizierten in den letzten Tagen zunehmend an. So herrscht im Landkreis Wunsiedel und in der Stadt Bayreuth Corona-Warnstufe Gelb.

Acht Patienten

Neben der Zahl der Neuerkrankungen ist auch ein Blick in die Krankenhäuser wichtig. Wenn, unabhängig von den Inzidenzwerten, viele schwerwiegende Verläufe auftreten, dann könnte es unter Umständen in den Krankenhäusern zu Engpässen bei der Versorgung kommen. Die Pressestelle des Klinikverbunds Regiomed meldet, dass derzeit acht Covid-19 Patienten im Klinikum Lichtenfels behandelt werden, von denen zwei intensivpflichtig sind (Stand: Mittwoch, 21. Oktober, 9 Uhr). Ob sich die Altersgruppe der Patienten im Vergleich zu Frühjahr verändert, könne noch nicht gesagt werden. "Aktuell liegt der Altersdurchschnitt der stationären Patienten mit Covid-19 bei 85 Jahren. Die Inzidenz steigt jedoch erst seit dem Wochenende deutlich an und das Geschehen ist sehr dynamisch.", so David Schmitt, Leiter der Regiomed-Presseabteilung.

Ebenfalls schwer abzusehen ist, ob es im Klinikum Lichtenfels Engpässe geben wird, was die Versorgung der an Corona erkrankten Patienten angeht, da die Verläufe der Krankheit sehr unterschiedlich sind. Trotzdem besteht vorerst kein Grund zur Sorge: "Wir im Regiomed-Verbund sind in sehr engem Austausch und somit in der Lage, alle Patienten adäquat zu versorgen.", versichert Schmitt. Das war bereits beim ersten großen Corona-Ausbruch im Frühjahr gelungen.

Diffuses Ausbruchsgeschehen?

Infektionsherde zu identifizieren und Infektionsketten unterbrechen ist besonders wichtig, um einen exponentiellen Anstieg der Neuinfektionen zu vermeiden. Andreas Grosch, Pressesprecher des Landratsamt Lichtenfels, spricht von etwa fünf bis sechs Ausbruchsherden im Landkreis. Zuletzt waren etwa von einer Grundschule, einer Realschule, einem Seniorenheim und einem privaten Treffen Corona-Infektionen ausgegangen. Alle Kontaktpersonen und die Infektionsketten nachzuverfolgen sei, Pressesprecher Grosch zufolge, "schwierig, aber händelbar".

Zehn Infektionen im Heim

Das BRK-Seniorenheim "Am Weidengarten" meldet derzeit zehn Coronafälle. Nachdem vergangene Woche eine Bewohnerin positiv auf das Virus getestet worden war, wurden durch eine Reihentestung aller Bewohner und Angestellten neun weitere Fälle identifiziert, darunter eine Pflegekraft. Fünf Infizierte befinden sich derzeit im Krankenhaus. Für das Wohn- und Pflegeheim gilt ein Besuchsverbot und alle Bewohner sowie ein Teil der Belegschaft befinden sich in Quarantäne. Für Anfang nächste Woche ist eine weitere Reihentestung geplant, da erst dann die Inkubationszeit des Virus verstrichen sein wird. Das alles geschehe nach Absprache mit dem Gesundheitsamt, so Thomas Petrak, Kreisgeschäftsführer des BRK Lichtenfels.

Ausreichend Personal sowie Schutzausrüstung stellen für Petrak "kritische Ressourcen" dar. Den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern werde einiges abverlangt. Trotzdem seine diese "sehr besonnen und ruhig" und versuchen, den Bewohnerinnen und Bewohnern die Zeit so angenehm wie möglich zu gestalten und ihnen Sorgen und Ängste zu nehmen. Was die Versorgung mit Schutzausrüstung betrifft, berichtet Thomas Petrak, dass sich die Lage auf den Beschaffungsmärkten wieder kritisch sei. Vorräte seien zwar aufgebaut worden, allerdings sei der Verbrauch auch enorm. "Es ist aber noch nicht so schlimm wie beim ersten Lockdown im Frühjahr. Da hatten wir gar nichts", meint der BRK Kreisgeschäftsführer. In dieser angespannten Lage stehen der Schutz der Bewohner und eine optimale Versorgung der Erkrankten an oberster Stelle, versichert Thomas Petrak. Um weitere Infektionen zu vermeiden, appelliert er an ein gesellschaftliches Verantwortungsbewusstsein: "Wir müssen einen Weg finden, wie wir alle aufeinander aufpassen.", so Petrak.

Wie geht es weiter?

Im Landkreis Lichtenfels gelten ab dem heutigen Donnerstag erweiterte Schutzmaßnahmen. Das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege sieht ab einem Inzidenzwert von 50 folgende Regeln vor: Es gilt Maskenpflicht in öffentlichen Gebäuden, Freizeiteinrichtungen, Kulturstätten, bei Tagungen und Kongressen, in Theatern, Konzerthäusern, sonstigen Bühnen und Kinos, bei sportlichen Veranstaltungen für die Zuschauer sowie in Arbeitsstätten.

Strengere Regeln

In allen Schulen, auch Grundschulen, besteht Maskenpflicht am Platz. Ab 22 Uhr bis sechs Uhr morgens herrscht eine Sperrstunde. Für die Gastronomen im Landkreis bedeutet diese Regelung, dass die Abgabe von Speisen und Getränken zum Verzehr in diesem Zeitraum untersagt ist. Auch Tankstellen, sonstige Verkaufsstellen sowie Lieferdienste dürfen während der Sperrstunde keine alkoholischen Getränke abgeben.

Private Feiern sind auf die Angehörigen zweier Haushalte oder maximal fünf Personen beschränkt. In anderen Worten: Es dürfen nicht mehr als fünf Personen zusammenkommen, unabhängig aus wie vielen Haushalten sie stammen. Oder es dürfen zwei Haushalte zusammen kommen, selbst wenn diese in Summe mehr als fünf Personen sind. Dies gilt auch für den gemeinsamen Aufenthalt im öffentlichen Raum, bei Treffen in privat genutzten Räumen sowie für die Gastronomie.

Der Landkreis erlässt diese Maßnahmen im Rahmen der gültigen siebten Infektionsschutzmaßnahmenverordnung des Freistaats Bayern Diese Beschränkungen werden erst wieder gelockert, wenn der Landkreis Lichtenfels sechs Tage lang unter einer 7-Tages-Inzidenz von 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohnern liegt.

Mehr Rücksicht, mehr Erfolg

Ob und wie schnell dies gelingt, liegt jetzt an allen Bewohnerinnen und Bewohnern des Landkreises. Je mehr sich alle an die Regeln halten, Mund und Nase bedecken, auf größere Zusammenkommen verzichten und Abstand halten, desto schneller springt die Corona Ampel wieder auf gelb und grün zurück.