Rund 90 Traktoren rollten nach Vierzehnheiligen zu einer sehr ungewöhnlichen Wallfahrt.
Normalerweise streben Wallfahrer singend und betend zu Fuß den Berg hinauf zum Gnadenort Vierzehnheiligen. Seit vier Jahren stellt sich auch eine viel beachtete Wallfahrt mit historischen Traktoren unter den Schutz der vierzehn Nothelfer. Als Organisator durften sich die Oldtimerfreunde Staffelstein am Samstagvormittag über zahlreiche Teilnehmer aus dem gesamten Landkreis Lichtenfels und weit darüber hinaus freuen.
Frühmorgens um sechs Uhr haben sich Willi und Michael Dösch auf dem Weg gemacht. Frisch war es, als sie im unterfränkischen Zeil am Main gestartet sind. Gegen die gefühlten fünf bis sechs Grad half nur warme Kleidung, Mütze und Handschuhe. Kurz vor zehn Uhr hat die Sonne deutlich an Kraft gewonnen. Willi und Michael Dösch machen erst einmal Brotzeit, bevor sich der Zug vom Parkplatz unterhalb Vierzehnheiligen aus weiter in Richtung Basilika in Bewegung setzt.
Traktorwallfahrt als Danksagung Es riecht nach Diesel und Motorenöl. Viele der historischen Traktoren sind dem Anlass entsprechend herausgeputzt. "Ich hab ihn ein wenig eingedieselt, damit er Glanz bekommt", schmunzelt Stefan Böhmer. Tatsächlich glänzt sein schwarzer Lanz, Baujahr 1940 im milden Herbstlicht wie eine Speckschwarte. Der Mann aus dem Raum Bamberg ist bereits zum vierten Mal mit von der Partie. "Ich finde das eine super Sache", sagt Stefan Böhmer.
Für ihn ist die Teilnahme weniger ein weiteres Oldtimertreffen, sondern vielmehr ein Ausdruck der Dankbarkeit gegenüber dem Schöpfer. "Dafür, dass in diesem Jahr der landwirtschaftliche Betrieb gut gelaufen ist, dafür dass die Ernte gut war und dass ich unfallfrei mit dem Traktor gefahren bin", sagt Stefan Böhmer. Dann wendet er sich wieder seinen über 70 Jahre alten Ackerschlepper, den Großvater Nikolaus Böhmer einst erworben hat, zu.
Über 90 Traktoren Schließlich setzt sich der Zug in Bewegung. Ein Traktor nach dem anderen verlässt den Parkplatz, reiht sich in die Schlange ein, die sich tuckernd und qualmend den Berg hoch bewegt. Ein beeindruckender Anblick, der manchen Passanten und Pilger anhalten lässt. Im vergangenen Jahr waren es über 70 Fahrzeuge, heuer sind es rund 90 Traktoren.
"Das spirituelle ist auch den Leuten wichtig, die sonst nicht viel mit der Kirche zu tun haben", erklärt Walter Mackert von dem Oldtimerfreunden Staffelstein. Mit seinem Traktor führt Mackert den Tross an.
Die obligatorische Wallfahrtskerze haben die Schwestern aus der Abtei Maria Frieden in Kirschletten angefertigt. Auf ihr ist nicht nur die Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen zu sehen, sondern auch eine Reihe von Traktoren.
Wallfahrt mit anschließendem Umtrunk Eigentlich eine ganz normale Wallfahrt, wäre da nicht der Klang der Motoren, der Geruch nach Diesel. Oben angekommen wird es knapp mit dem Parkplatz. Schließlich stehen all die Lanz, Hanomags, Eicher, Porsche, Deutz und was sonst noch unterwegs ist, in Reih und Glied. Ein beeindruckendes Bild vor dem barocken Glanz der Basilika.
Ob da eine Hochzeit gefeiert wird?, fragen sich zwei Frauen. Bernd und Edeltraud Müller aus Neckarsteinach bei Heidelberg wären auch gerne mit ihrem alten Eicher an den Obermain gekommen. "Aber das ist ein bisschen arg weit weg, da wären wir mindestens einen ganzen Tag unterwegs gewesen", sagt Edeltraud Müller bedauernd. Oder man hätte den Traktor auf einen Anhänger verladen müssen. Während sie fleißig fotografiert, zieht ihr Mann mit den Teilnehmern der Traktorenwallfahrt in die Kirche ein. Die Mistelfelder Blasmusik spielt, Pater Ernst findet während der Dankandacht passende Worte. "Wir stellen unsere Traktoren unter dem Schutz der vierzehn Nothelfer. Gott ist immer dabei, sein Schutz begleitet uns", sagt er. Auch der anschließende Segen mit Weihwasser ist den Männern wichtig. Mancher steht neben seinen Traktor und bekommt dabei auch schon mal einige Tropen ab, andere halten sich dezent im Hintergrund. Beim anschließenden Umtrunk in den ortsansässigen Wirtschaften geht es um den Austausch und den Zusammenhalt.