Baur-Triathlon wird zum Duathlon
Autor: Christian Voll
Burgkunstadt, Montag, 16. Mai 2016
Organisationsleiter Helmut Dorsch sagte das "Bad im Main" für die Athleten aufgrund der niedrigen Temperaturen ab.
Helmut Dorsch, Organisationsleiter des Baur-Triathlons entschied, dass der Baur-Triathlon in diesem Jahr als Duathlon stattfindet: "Das Risiko, die Sportler bei 15 Grad Wasser- und einstelliger Lufttemperatur patschnass mit dem Rad loszuschicken, ist nicht zu verantworten. Denn die Gesundheit der Athleten steht über allem." Doch auch ohne "Bad im Main" war der Dreikampf im Dreieck Altenkunstadt/Burgkunstadt/Weismain eine Herausforderung für die "Finisher".
"Denn sie wissen nicht, was sie tun", heißt der Titel eines James-Dean-Films aus dem Jahr 1955. Wie leicht könnte man geneigt sein, diesen Spruch auf die Triathleten zu übertragen, als Außenstehender jedenfalls. Andererseits: Mit einem Vorurteil dieser Art würde man nur seine fehlende Fach- und Sachkenntnis beweisen. Wenn man genauer hinsieht oder auch selbst mal einen solchen Ausdauermehrkampf absolviert hat, urteilt man differenzierter.
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Triathleten sind keine wagemutigen Wilden, sondern akribische Analytiker und kühle Kalkulierer. Es geht um die strategische Ausrichtung, das Planen von Training und Wettkampf, die Organisation der Ausrüstung und das Verhalten in den Wechselzonen.
All diesen Details kommt bei kurzen Distanzen wie beim Baur-Duathlon noch größere Bedeutung zu, weil die Abstände im Ziel oft nur wenige Sekunden betragen. Wobei "kurz" bei Wettkampfzeiten von zwei bis drei Stunden natürlich auch ein relativer Begriff ist.
Die Profis
Eine Stunde und 59 Minuten benötigte der Gewinner des Hauptduathlons über fünf Kilometer Laufen, 40 Kilometer Radfahren und weitere zehn Kilometer Laufen: Henry Beck vom HSV Weimar ist Profi und sieht die Dinge wie viele seiner Mitstreiter: "Das ist eine grandios organisierte Veranstaltung, für etliche von uns ein Aufbauwettkampf für die Großereignisse.
Der Termin liegt früh in der Saison, und nach sieben Monaten Wintertraining will man einfach wissen, wo man steht. Ich hatte gut trainiert, hatte mich gut gefühlt und hätte beim zweiten Laufen durchaus noch einen Zahn zulegen können. Schade zwar ums Schwimmen, aber bei diesen Bedingungen gab es sicher nicht einen einzigen Sportler, der die Entscheidung der Verantwortlichen nicht gutgeheißen hätte." Im kürzeren Volksduathlon (2,5 - 20 - 7) siegte Simon Kandler in 1:15:45 Stunden knapp vor der Ingolstadterin Maria Paulig (1:16:01).
Janorschke als Helfer
Ein anderer Ausdauerprofi, Radsportler Grischa Janorschke aus Altenkunstadt, unterstützte die Sportler als "Einpeitscher" am Mikro.
Er war einer von rund 250 ehrenamtlichen Helfern aus Vereinen der Umgebung - auch ein Indiz dafür, welch familiäres Gefühl und welche Kontinuität der Ausrichter TV Strössendorf hier über die Jahre entwickelt hat. Ausdrücklich bedankte sich deshalb das Organisationsteam bei allen Sponsoren und Unterstützern.Wie Janorschke selbst bei einem solchen Wettkampf abschneiden würde? "Das könnte übel für mich aussehen. Denn das, was ich beim Radfahren gewinne, würde ich beim Laufen im Nu verlieren." Und mit einem kleinen Exkurs in die Trainingslehre erklärt er: "Ein Triathlet muss sich möglichst konstant in einer hohen Pulsregion bewegen können. Das gilt auch für den Radfahrer, aber wir müssen im Wettkampf zudem immer wieder vorübergehend an die totale Belastungsgrenze gehen - ein großer Unterschied. Außerdem: Laufen und Schwimmen beanspruchen andere Muskelgruppen als Radfahren, das in meinem Fall ja auch den Teamgedanken, die Taktik innerhalb einer Gruppe, erfordert."
Welche Selbstbestätigung ein absolvierter Wettkampf gibt, davon weiß ein jeder Triathlet zu berichten, so auch Alexander Bechtel. Der gebürtige Redwitzer ist "ambitionierter Amateur", wie er sich selbst bei einem Trainingspensum von 15 Stunden pro Woche bezeichnet, und hatte als Achter im Gesamtklassement keine sieben Minuten Rückstand auf den Sieger. Weitere 20 Minuten nach ihm kam der Lichtenfelser Bürgermeister Andreas Hügerich nach seinem ersten Duathlon ins Ziel. Zum gefühlt zehnten Mal hat das Wetter gerade wieder zwischen Sonne und Regen gewechselt, was auch an ihm nicht spurlos vorübergegangen ist: "Im Laufen bin ich ja zu Hause, aber das war etwas ganz anderes. In der letzten Radrunde hatte ich vor Kälte und Hagel praktisch kein Gefühl mehr in den Händen und bin erst zur Hälfte des zweiten Laufens wieder aufgetaut."