Prominenz meistert beim Landfrauentag in Bad Staffelstein das Apfelschälen
Autor: Mario Deller
Bad Staffelstein, Freitag, 19. Januar 2018
Rück- und Vorschau, diskutieren und mahnen, aber auch Frohsinn und Kurzweil - bunt wie eine Frühlingswiese war der Landfrauentag in Bad Staffelstein.
Natürlich wurden vor dem Hintergrund der Herausforderungen in der Landwirtschaft kritische Themen nicht ausgeblendet, aber es gab in diesem Jahr auch doppelt Grund zum Feiern. Die Landfrauen blickten mit einer originellen Modenschau auf ihr 70-jähriges Bestehen zurück. Des Weiteren wurde der Verdienst des nunmehr genau 40 Jahre jungen, die Veranstaltung natürlich auch diesmal musikalisch umrahmenden Landfrauenchors gewürdigt. Von der in den 1950er Jahren entstandenen Initiative "Bäuerinnen-Erholung" bis hin zur im 21. Jahrhundert unerlässlichen Öffentlichkeitsarbeit via World Wide web (www.qualitaet-vom-hof.de) - die Ausführungen von Kreisbäuerin Marion Warmuth verdeutlichten die beeindruckende Entwicklung der Landfrauen im Bayerischen Bauernverband.
Die Bandbreite des Betätigungsfeldes ist im Laufe der Jahrzehnte gewachsen "Wir sind nicht müde, uns den Aufgaben zu stellen und den wichtigen Dialog mit der Bevölkerung zu führen", betonte die engagierte Kreisbäuerin angesichts der heutigen Herausforderungen. Bei einer von Warmuth moderierten kurzen Podiumsdiskussion zusammen mit Landrat Christian Meißner und Bad Staffelsteins Bürgermeister Jürgen Kohmann wurde bei aller feierlichen Stimmung auch Klartext gesprochen, manches heiße Eisen angefasst. Klar sei der Flächenverbrauch in freier Natur der falsche Weg, gehe oft zu Lasten der Landwirte, entgegnete Meißner, auf dieses Thema angesprochen. "Da stecken wir in einer großen Bredouille", räumte er ein. Betriebe wollen sich ansiedeln und Bürger Wohnraum schaffen, die Nutzung innerörtlicher Baulücken sei aber oft schwer realisierbar, gab er zu bedenken.
Wie Meißner würdigte auch Bürgermeister Kohmann den gesellschaftlichen Beitrag der Landfrauen in der Region. Der Rathauschef würzte seine Ausführungen passend zum Motto des Landfrauentages "Das ist Heimat" abschließend mit einem lyrischen Zitat: "Heimat ist stets, wo ich bin, schlägt in meinem Herzen, Heimat ist des Lebens Sinn, nicht ein Land mit Grenzen".
Als Erfolg verzeichnen die Landfrauen die Verankerung von sogenannten "Alltagskompetenzen" als fächerübergreifenden Unterrichtsgegenstand an den Schulen. "Mal sehen, ob die Herren hier auch bestehen können", grinste Warmuth. Zur Begeisterung der zahlreichen Gäste aus Politik, Kirche und Gesellschaft reichte sie Bürgermeister und Landrat - auch BBV-Geschäftsführer Hans-Jürgen Rebelein machte bereitwillig mit - Äpfel und Schäler. Die männlichen "Testkandidaten" bewiesen, dass sie in Sachen Essenszubereitung offensichtlich keine zweite linken Hände haben und ließen sich zur Belohnung das leckere Obst samt entfernter "Haut" genüsslich schmecken.
"Heimat ist nichts Gestriges, sondern etwas ganz und gar Gegenwärtiges", betonte Bezirksheimatpfleger Günter Dippold, der die Festrede hielt und ohne Schönfärberei den wahren Kern des Begriffs beleuchtete. Wer für die Heimat eintrete, müsse sein Handeln an Fragen ausrichten wie "Fördert es Gemeinschaft, Bürgergeist, soziale Aktivität?" Das Gegenteil von Heimat heiße nicht Moderne, sondern Eigensucht. Nachwuchssorgen in Vereinen resultierten aus der "sozialen Wegwerfkultur": Es scheine mittlerweile, so der Referent, die irrtümliche Meinung vorzuherrschen, dass man des Miteinanders nicht mehr bedürfe, sondern ein Nebeneinander genüge. Man könne nicht von Heimat reden und sie in Sonntagsreden beschwören, ohne Verantwortung zu übernehmen. "Heimat verpflichtet. Heimat ist da, wo man anpackt", so Dippold zum Abschluss seiner Ausführungen, die ihr Finale in einer verbalen Verneigung vor dem "Geburtstagskind" fanden: " Sie, meine Damen - Sie, die Landfrauen - Sie sind in ihren Dörfern sehr oft diejenigen, die genau dies tun. Sie leben Heimat. Danke dafür!"
Mit gewohnt kräftiger Stimme war auch der Landfrauenchor unter der Leitung von Eva-Maria Schnapp mit von der Partie. Die Damen erfreuten die Gäste mit Darbietungen von "Traum aus der Kinderzeit" bis musikalischen Bekenntnis "Ja, das Singen verschönt unser Leben". Kräftig sangen alle in der Sporthalle bei der Frankenhymne "Wohlauf die Luft geht frisch und rein" mit. Da der Landfrauenchor vor genau vier Jahrzehnten entstand, wurde dies zum Anlass genommen, auf die Historie zurückzublicken und diesem Wertschätzung entgegenzubringen. Ehrenkreisbäuerin Elisabeth Fischer übernahm die Aufgabe, neun Gründungsmitglieder des Landfrauenchors zu ehren: Christine Bähr (Maineck), Antonie Finkel (Ummersberg), Barbara Grasser (Loffeld), Beate Münch (Theisau), Margit Wendler (Horb am Main), Ingrid Hanft (Redwitz) Klothilde Popp (Obristfeld), Hedwig Schober (Wiesen) und Margitte Schmitt (Kirchlein). Applaus sowie ein originelles Dankeschöns in Form eines gebackenen "Notenschlüssels" erhielt an dieser Stelle aber auch ein Mann, nämlich Otto Bähr, der viele Jahre als Dirigent des Chors fungierte und weiterhin diesen unterstützt, so an diesem Nachmittag am Keyboard. Mit passenden Liedern von Heinz Rühmann bis Helene Fischer untermalt war der stimmungsvolle wie fröhliche Abschluss des Landfrauentages: eine Modenschau mit Schürzen aus verschiedenen Epochen. Die Landfrauen präsentierten unter rhythmischem Klatschen um die 100 Jahre alte Modelle, Berufsvarianten wie die Bedienschürze, spezielle Schürzen für Schwangere oder am Ende der unterhaltsamen "Zeitreise" der modischen Art hippe Designerschürzen der Neuzeit.
Sonderapplaus für den bewiesenen Mut bekamen BBV-Kreisgeschäftsführer Hans-Jürgen Rebelein und Kreisobmann Michael Bienlein, die den Spaß mitmachten und mit Männerschürzen posierten. Dank gesagt wurde seitens des Bayerischen Bauernverbandes für die Zurverfügungstellung der Halle und Bewirtung. Auch ein schönes Zeichen der Solidarität wurde an diesem Nachmittag erbracht. Die Sammlung via Spendenkörbchen in Höhe von 470 Euro geht an den Bäuerlichen Hilfsdienst, der unverschuldet in Not geratene bäuerliche Familien unterstützt.