Wer im Internet den Suchbegriff Mondholz eingibt, der findet zahllose Einträge. Vor allem Möbelhersteller werben damit, dass kurz vor Neumond geerntetes Holz viele Vorteile aufweise. Dem Holz von Bäumen, die im Winter bei absteigendem Mond gefällt werden sagt man besondere Qualitäten nach. Dieses Holz zeichne sich wegen seiner Haltbarkeit, Stabilität, Feuerbeständigkeit, Härte und Widerstandsfähigkeit gegen Schädlinge aus. Das leuchtet ein, denn Bäume, die während des Winters geschlagen werden, stehen nicht im Saftfluss, ihr Holz trocknet schneller. Doch was ist Märchen, was Reklame und wo liegt die Wahrheit? Wir unterhielten uns mit dem Land- und Forstwirt Michael Bienlein darüber.

Der 55-Jährige Siedamsdorfer bewirtschaftet rund sechseinhalb Hektar Wald. Einst, als die Menschen noch keine Zeitung, kein Radio und erst recht kein Fernsehen und Internet hatten, lebten sie von der Naturbeobachtung, sagt er. Die Bauern schlugen das Holz vor allem zu jener Zeit ein, in der sie auf den Feldern wenig zu tun hatten. Im Zuge der Industrialisierung sei dies im Wandel, Holz werde nun zu allen Jahreszeiten gemacht.

Beobachten der Mondphasen

Es sei durchaus etwas dran an dem überlieferten Wissen, dass Holz, das kurz vor Neumond geerntet wird, ganz besondere Eigenschaften aufweist, sagt der 54-Jährige. Mondholz sei rissfest, schwindarm, verwindungsstabil und unempfindlich gegen Fäulnis oder Insektenbefall. 1987, fährt er fort, hatte er ein Schlüsselerlebnis. Er überprüfte die alte Bauernregel "Mähen, wenn's regnet - heuen, wenn die Sonne scheint". Dabei stellte er fest, dass offenbar auch die Mondphasen einen Einfluss aufs Wachstum der Pflanzen haben.

Michael Bienlein beobachtet seither jeweils im ersten Vierteljahr die Mondphasen und das Wetter. Daraus leitet er für sich eine Gesetzmäßigkeit ab: "Immer zwei bis drei Tage vor oder nach dem Mondwechsel ändert sich das Wetter." Bei zunehmendem Mond herrsche in der Regel Hochdruckeinfluss und bei abnehmendem Mond wandle sich das Wetter unter Tiefdruckeinfluss. Das gelte für Sommer und Winter; im Frühjahr und Herbst sei es genau umgekehrt. Werde das Holz im Winter geschlagen, wenn wenig Saft in den Kapillaren ist, sei sowohl das Laub- als auch das Nadelholz langlebiger.

Blütenweißes Kernholz

Zusammen mit einem älteren Landwirt machte Michael Bienlein einmal eine interessante Entdeckung: Sie kamen an einem viele Jahren zuvor im Winter gefällten Fichtenstamm vorbei, der im Wald vergessen worden war. Der Stamm mit rund 60 Zentimetern Durchmesser hatte schon Moos angesetzt. "Spaßhalber schnitten wir mit einer Motorsäge eine Scheibe ab - und waren erstaunt, dass der Stamm innen blütenweiß war und keinerlei Fäulnis aufwies."

Christbaum behält seine Nadeln

"Ich bin ja vorsichtig und glaub' nicht alles", sagt Michael Bienlein. Dennoch bewahrheite sich die Mondphasentheorie von Jahr zu Jahr beim Einschlagen seines Christbaumes. Drei Tage vor dem elften Vollmond im Jahr sollte dieser abgesägt werden - 2018 war das der 21. Oktober, 2019 wird es der 9. November sein.

Als er diese Regel vor vielen Jahren erstmals überprüfte, sägte er zwei Tannen um. Die eine ließ er draußen, die andere stellte er in die beheizten Wohnräume. Die Tanne in den beheizten Räumen behielt sehr lange ihre Nadeln, doch das Erstaunliche war: Jene Tanne, die draußen stand, behielt ihr Grün bis in den Juni hinein.

"Wenn der Mond die Kraft hat, Ebbe und Flut zu beeinflussen, muss er auch die Gewalt über die Flüssigkeiten in Bäumen haben", sagt der Landwirt. Zudem sei Mondholz durchaus feuerfest, ergänzt Bienlein, das habe er selbst überprüft: "Es brennt schlechter." Mondholz verkohle außen zwar, doch es brenne nicht durch.

Der Landwirt und Obstbauer Hans-Karl Hertel aus Horsdorf, der sich seit vielen Jahren als Holzmesswart betätigt, hat mit Mondholz gute Erfahrungen gesammelt und bestätigt die Theorien: "Da muss was dran sein." Vor etlichen Jahren, erzählt er, habe er zur passenden Mondphase eine große Fichte umgemacht und ließ den Baum anschließend lange liegen. Aus dem Holz habe sein Bruder dann vor rund zehn Jahren den Boden für sein Schlafzimmer gemacht. "Die Dielen haben sich nicht verworfen, sie zeigten keinen Schwund - die liegen heute noch so, wie sie reingemacht wurden."

Holz einzuschlagen, wenn es nicht im Saft steht, sei sinnvoll, sagt Hans-Karl Hertel. Das hätten die Alten auch schon so gemacht, die auf eine jahrhundertelange Erfahrung zurückblickten - und außerdem hatten die Bauern früher im Winter einfach die meiste Zeit für die Waldarbeit.