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Maskenpflicht im Supermarkt: So verlief der erste Tag in Bad Staffelstein


Autor: Mirjam Stumpf

Bad Staffelstein, Montag, 27. April 2020

Zum Einkauf oder in Bus und Bahn gehört sie ab jetzt dazu: Die Schutzmaske. Doch halten sich die Bad Staffelsteiner an die neue Verordnung?
Für Kunde Lorenz Leimbach ist auch das Einkaufen mit der Maske kein neues Gefühl - er arbeitet im Krankenhaus und ist es daher gewohnt, Mund- und Nasenschutz zu tragen.  Foto: Mirjam Stumpf


Es gibt sie schlicht in Weiß oder in Schwarz, andere wiederum sind farbenfroh gemustert. Eines sollten sie aber unabhängig vom Aussehen: Den Träger und vor allem die Mitmenschen vor der Ausbreitung des Corona-Virus schützen. Wer seit Montag ein Geschäft zum Einkauf aufsucht oder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fährt, muss dabei in Bayern nun eine Schutzmaske tragen. Gleichzeitig durften Läden mit einer Verkaufsfläche unter 800 Quadratmetern wieder die Türen zum Verkauf aufsperren.

Ein Gang durch die Regale des Edeka-Supermarktes Werner in der Bamberger Straße lässt erkennen: Hier hält sich bisher jeder an die neue Verordnung. Bis jetzt sei noch niemand ohne Maske in den Laden gekommen, sagt der Bad Staffelsteiner Marktleiter Patrick Lübberstedt. Falls dies aber doch einmal vorkommen sollte, beispielsweise, weil ein Kunde seine Stoffmaske vergessen hat, gibt es an der Infothek einen Mund-Nasen-Schutz zu kaufen.

Zwischen einem und drei Euro kostet eine solche Maske. "Das ist der Selbstkostenpreis, wir möchten keinen Gewinn damit machen", sagt Marina Werner, Inhaberin der fünf Edeka-Märkte Werner. Unentgeltlich möchte sie die Schutzstoffe aber auch nicht hergeben, damit die Kunden nach wie vor sensibilisiert dafür bleiben, dass diese wichtig sind.

Alle Mitarbeiter der Supermärkte hätten bereits eine Woche vor dem 27. April Masken im Verkauf getragen, sagt sie. Um den Kunden ein Stück weit ein Vorbild zu sein und zudem, um zu testen, wie die Zusammenarbeit so funktioniere. Aber auch von den Kunden sei sie überrascht gewesen, die Hälfte bis drei Viertel aller habe bereits vor dem offiziellen Beginn eine Maske getragen. Größtenteils hätten sich die Kunden in den vergangenen Wochen aber ohnehin rücksichtsvoll gegenüber dem Personal verhalten, so Marina Werner.

Langes Tragen wird unangenehm

In den fünf Edeka-Märkten Werner sind insgesamt 230 Mitarbeiter tätig. Allen wurden Masken zur Verfügung gestellt. Sowohl Einmal-Masken, als auch kochbare zur Mehrfachverwendung sind vorrätig, sagt Marktleiter Patrick Lübberstedt. Aber die Mitarbeiter dürften auch auf eigene Masken zurückgreifen. "Man muss sich wohlfühlen", meint Marina Werner.

Doch dass es teilweise anstrengend und unangenehm sei, die Masken für mehrere Stunden zu tragen, lässt sich nicht verbergen. Gerade im Einzelhandel sei man viel in Bewegung, sagt Marina Werner, da verrutsche die Maske schnell einmal. Gleiches gelte für das Sprechen. "Es ist schwieriger geworden, die Leute mit Maske zu verstehen", ergänzt Patrick Lübberstedt. Für Marina Werner ist es deswegen kein Problem, wenn die Mitarbeiter zwischendrin für einen Moment das Lager oder einen Nebenraum aufsuchen, "damit sie mal durchatmen können."

Die Fußgängerzone ist belebt

Anders empfindet das Alexandra Hofmann, Inhaberin von Housers home, einem Geschäft für Deko und Geschenke in der Innenstadt. Seit Montag darf auch sie wieder geöffnet haben. Die Inhaberin trägt eine Stoffmaske, die in der Region genäht wurde. Diese Masken verkauft sie auch in ihrem Laden, am Vormittag seien bereits zwei davon über die Theke gegangen. Den Gesichtsschutz empfindet sie als gewöhnungsbedürftig, aber doch bequem. "Ich habe meine Maske seit halb zehn auf", sagt sie am Montag gegen Mittag.

An der Eingangstür ihres Ladens steht außerdem ein Desinfektionsspender. Mehr als zwei Personen dürfen nicht in den kleinen Raum kommen. Für jene, die warten müssen, hat sie draußen einen Stuhl aufgestellt. Alexandra Hofmann ist außerdem überrascht, denn bereits fünf Minuten nach Ladenöffnung am Morgen war die erste Kundin da. Alexandra Hofmann bleibt optimistisch, was die Zukunft des Ladens betrifft. "Man muss geduldig sein. Ich bin dankbar für jeden, der reinkommt", sagt sie.

Schon seit gut einem Monat wieder geöffnet hat der Laden Buch & Papier Geis, da eine Poststelle mit im Laden ist. Ohne Maske habe gestern noch niemand den Laden betreten, sagt Mitarbeiterin Nadja Scheerbaum. Um sicherzustellen, dass nicht mehr als fünf Kunden gleichzeitig im Laden sind, muss sich jeder Kunde beim Betreten einen Korb vor der Tür nehmen. Sind alle vergriffen, heißt es warten. Eine Regelung, die sie dem ein oder anderen Kunden doch bereits hätte verdeutlichen müssen, so Nadja Scheerbaum.

Viel getan zum Selbstschutz

Ob sie sich durch die Masken im Einzelhandel eher geschützt fühlt? Supermark-Inhaberin Marina Werner sieht das Thema zweigeteilt. Vor einigen Wochen haben sie und die Mitarbeiter sich sehr darüber gefreut, dass ihr Beruf nun als systemrelevant wahrgenommen werde. "Zu Beginn haben wir unsere Arbeit mit geschwellter Brust gemacht, hatten aber auch die Angst im Nacken", sagt sie. Umgehend habe man alle Schutzrichtlinien verwirklicht: Plexiglasscheiben schützen vor direktem Kontakt an der Kasse, Desinfektionsmittel stehen am Eingang bereit, und es gibt nur so viele Einkaufswagen vor der Tür, wie Kunden in den Laden dürfen.

Auf der anderen Seite hat sie die Bedenken, dass mit der Maskenpflicht die Rücksicht, untereinander weiterhin Abstand zu halten, verloren geht, wenn man sich durch die Maske in Sicherheit wähnt.

Sie ist dankbar, dass es bisher keinen Krankheitsfall im Unternehmen gegeben hat. Sie hofft, dass jeder Kunde sich trotzdem weiterhin achtsam verhält, um sich selbst und dadurch andere zu schützen. "Wenn jeder die Disziplin hat, das einzuhalten, dann erleichtert das die Arbeit auch für uns."

Kommentar von Mirjam Stumpf: Den Fokus im Blick behalten

Gummis hinter die Ohren geklemmt, den noch Stoff glatt streichen, die Maske sitzt - noch. Was beim Gang durch den Supermarkt seit gestern auffällt: Hier und da wird die Maske zwischendrin von vielen schnell mal wieder zurechtgezupft, weil sie verrutscht ist. Das ist verständlich, nur leider kontraproduktiv. Bleibt zu hoffen, dass wir uns beim Einkaufen nicht zu sehr von rutschendem Stoff ablenken lassen und dabei zwei andere wichtige Schutzmaßnahmen vergessen: Sich nicht ins Gesicht zu fassen und trotz Schutzmaske den Abstand zu den Menschen um uns herum bewahren.