Diesen 6. Oktober 2009 wird Facharzt Dieter K. (Name geändert) nicht vergessen. Der Arzt aus dem Landkreis Lichtenfels findet sich zur mündlichen Prüfung ein, die der damals 59-Jährige ablegen muss, um die Bezeichnung als Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie zu bekommen. Die braucht er zum Nachweis seiner Weiterbildungskompetenz, um an seiner Klinik Facharztnachwuchs ausbilden zu können.

Doch gleich die erste Frage der Kommission lässt ihn stutzig werden: Er soll die Ultraschallaufnahme einer Säuglingshüfte erläutern - nach Dafürhalten des Arztes ein Thema, das nicht prüfungsrelevant sei. Es entspinnt sich eine mehrminütige Diskussion. Wie lange die genau dauert, soll noch relevant werden. Den Prüfern aber ist egal, was der Arzt einwendet: Sie werten die Frage als falsch beantwortet. Der gesamte Test dauert etwas mehr als eine halbe Stunde - dann das Urteil: nicht bestanden.
Der Arzt legt dagegen Widerspruch ein.

Zwei Monate später schaltet sich die Bayerische Landesärztekammer ein und befindet ebenfalls: Die Fragen zur Sonographie entsprachen nicht der Prüfungsordnung. Die Kammer bedauert und bietet dem Arzt die Wiederholung an. Doch der lehnt ab und sagt, den prüfungsrelevanten Teil habe er seiner Ansicht nach ja bestanden. So stehe es sogar in der Prüfungsniederschrift, nur eben den Part Sonografie habe er nicht bestanden. Egal, der sei schließlich irrelevant. Sagt ja sogar die Kammer. Er besteht darauf, den Facharzttitel führen zu dürfen.

Das wiederum sieht die Landesärztekammer anders. Als Begründung führt sie an: Ohne die - zweifelsfrei unzulässigen - Fragen der Kommission habe die Prüfung nicht die erforderliche Mindestdauer von 30 Minuten gehabt. Die drei Prüfer hatten in ihrer Stellungnahme erklärt, die Diskussion um die verflixte erste Frage habe fast zehn Minuten in Anspruch genommen. "Maximal zwei Minuten", entgegnet der Arzt.

Wer hat Recht? Für das Verwaltungsgericht um Vorsitzenden Richter Gerd Lederer ein schwieriges Unterfangen. "Für den Betroffenen ist das sehr unbefriedigend, aber: Es steht uns als Gericht nicht zu, uns über das Ergebnis einer Prüfungskommission hinwegzusetzen." Die Justiz könne das Ergebnis nicht nachträglich ändern. Allerdings wolle man die Ärztekammer vor dem Hintergrund der Expertise eines Tübinger Facharztes nochmals befragen. Ausgang? Weiterhin offen.