Humorige Erinnerungen beim SPD-Jubiläum
Autor: Mario Deller
Bad Staffelstein, Sonntag, 20. Oktober 2019
Der Münchner Ex-OB Christian Ude begeisterte beim Jubiläum der SPD in Bad Staffelstein mit fast kabarettistischen Erzählungen.
Jener sei der einzige Kabarettist, der nebenbei eine Großstadt regiert, lobte einst Dieter Hildebrand die humorige Ader des seinerzeitigen Münchner Oberbürgermeisters Christian Ude. Auch bei der Feier zum 100-jährigen Bestehen des SPD-Ortsvereins Bad Staffelstein in der Peter-J.-Moll-Halle legte der heute 71-jährige Sozialdemokrat einen verbalen Auftritt aufs Parkett, der auch die Ehrengäste anderer Fraktionen schmunzeln ließ.
Ganz bewusst hatte sich der Ortsverein zu seinem "Runden" etwas Besonderes einfallen lassen, verzichtete bei der Gestaltung der Feier auf viele Reden und Ehrungen. Freilich skizzierte Ortsvorsitzender Dieter Leicht wichtige Eckdaten aus 100 Jahren Sozialdemokratie in der Adam-Riese-Stadt.
Am 6. März des Jahres 1919 wurde unter dem damaligen Vorsitzenden Martin Schmeußer in der Gaststätte "Zur Post" die "sozialdemokratische Sektion Staffelstein" ins Leben gerufen. Kurze Zeit später, am 1. Mai, stellte die Partei ihre ersten Kandidaten für die Kommunalwahl auf. Die Tatsache, dass auf der damaligen Liste mit der Taglöhnersgattin Barbara Lauer nur eine einzige Frau stand, kommentierte Leicht mit den Worten: "Da hat sich seitdem viel zum Guten verändert."
Dem unrühmlichen Kapitel des "Dritten Reiches" folgte die Neuzulassung der SPD 1945 (nachdem in Folge des Naziregimes die Parteien verboten worden waren).
Willy Brandt in Staffelstein
Unvergessen bleibt dem SPD-Ortsverein der Kurzbesuch von Willy Brandt 1972. Den größten Erfolg bildete im Jahr 2000 die Wahl von Georg Müller zum Bürgermeister. Der heutige Stadtrat wohnte der Feier ebenso bei wie weitere Vertreter des Ortsvereins und des Kreisverbandes mit dem Lichtenfelser Bürgermeister Andreas Hügerich, Kreisvorsitzendem Sebastian Müller und der Fraktionsvorsitzenden im Kreistag, Monika Faber.
Das parteienübergreifende, konstruktive Miteinander wurde durch das Erscheinen so manchen Kommunalpolitikers anderer Parteien betont. Dass sich der Ortsverband anlässlich seines "Hundertjährigen" bessere politische Rahmenbedingungen, sprich Umfrage- und Wahlergebnisse, gewünscht hätte, steht außer Frage. Dieter Leicht nahm das mit Humor: "Sieht man sich die Zahlen der vergangenen Jahre an, steht SPD leider nicht für siebenundreißig Prozent durchschnittlich." 100 Jahre seien dennoch ein Grund zum Feiern.
Ude gewann im Handumdrehen das Herz der zahlreichen Zuhörer. Von schwungvollem Charakter war schon der erste Abschnitt seiner Ausführungen, in dem er über wichtige Väter der bayerischen Sozialdemokratie sprach. Viel zu verdanken habe man Georg von Vollmar, dem ersten Vorsitzenden der bayerischen SPD. Allerdings wäre diesem fast ein schnödes Brotzeitmesser zum Verhängnis geworden, welches Vollmar im sächsischen Landtag vergessen hatte und weswegen er - natürlich völlig an den Haaren herbeigezogen - beinahe wegen unerlaubten Waffenbesitzes bestraft worden wäre.