Nach nicht minder kurzweiligen Ausführungen über die friedliche Revolution 1918, die bekanntlich das Ende des Königreichs Bayern besiegelte, meinte Ude im weiteren Verlauf: "Es soll sogar langjährige SPD-Mitglieder geben, die nicht wissen, dass die bayerische Verfassung von einem Sozialdemokraten entworfen wurde." Keineswegs oberlehrerhaft, vielmehr kumpelhaft, unkompliziert und mit einem Augenzwinkern, wie es seine Art ist, sprach er in diesem Zusammenhang über Wilhelm Hoegner. Als junger Jurastudent habe er, Ude, das Glück gehabt, Hoegner, der einst den Verfassungsentwurf erarbeitet hatte, für ein Staatsexamen interviewen zu dürfen. Vor dem Hintergrund, dass in der bayerischen Verfassung viele wichtige Punkte von Grundrechten über Wohnungsprogramm bis zur kommunalen Wasserversorgung verankert wurden, sei es Hoegner sauer aufgestoßen, wenn Konservative ihn immer wieder nur auf den ebenfalls in die Verfassung aufgenommen "Schwammerl-Paragrafen" angesprochen hätten, der besagt, dass sich jedermann die Früchte des Waldes aneignen darf.
Als der frühere Oberbürgermeister Szenen und Erlebnisse aus seinem eigenen politischen Leben zum Besten brachte, lief er zur Hochform auf. Die Zuhörer genossen es, wie er launig vom "Schwabinger Toni" erzählte, einem Pförtner im Münchner Zeitungsverlag, wo Ude Redakteur war.
Das erste "Ozapfen"
"Werd' doch OB, do musst bloß ozapf'n könna", hatte man ihm einst in Verkennung der eigentlichen Aufgaben eines Münchner Oberbürgermeisters auf den Weg gegeben. Und bekanntlich wurde Ude Jahrzehnte später - und das am Ende gleich viermal - zum selbigen gewählt. Für Heiterkeit sorgte seine Schilderung, wie er sich auf seinen ersten "Wies'n"-Anstich vorbereitete. Als Gabriele Weishäupl, damals Direktorin des Münchner Tourismusamtes, mitbekam, dass Ude Linkshänder ist, war sie mit den Nerven am Ende: "Sie sind ja ein Linker! Eine Katastrophe! Wir müssen alles umbauen", habe sie gerufen. In der leeren Küche einer Münchner Brauerei habe er heimlich geübt und riesiges Lampenfieber verspürt vor dem Hintergrund, dass das Prozedere ja sogar im fernen Osten übertragen wird. Als es endlich soweit war, saß der dritte Schlag aufs Fass. Ude allerdings legte mit dem Schlegel zur Sicherheit noch ein paar Mal nach, bis ihm jemand aufgeregt "Aufhören, aufhören!" zurief.
Aufrüttelnde Lieder
Der Auftritt Udes war ein Volltreffer. Auf den Gesichtern in der Menge sah man ein Lächeln, als er schließlich den Staffelstab an Erik Konietzko weitergab. Der junge Liedermacher aus Bad Staffelstein umrahmte die Feier musikalisch mit einfühlsamen, aber auch gesellschaftskritischen Songs wie "Sage nein" von Konstantin Wecker.
Spende statt Gage
Ude verzichtete übrigens auf eine Gage, stattdessen wurde für einen sozialen Zweck gespendet (ein Betreutes-Wohnen-Projekt der Caritas).