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Giftige Pflanzen: Gesundheitsrisiko im eigenen Garten


Autor: Jann Weckel

Lichtenfels, Mittwoch, 22. April 2020

Pflanzen, deren Gift schon in geringer Menge zum Tod führen kann, sind kein fernes Phänomen aus exotischen Ländern. Die heimische Flora hat so einige Arten zu bieten, die dem Menschen gefährlich werden können. Und sie finden sich in den meisten Gärten.
Genau hinschauen beim  Sammeln: Hier wächst giftiger Aronstab (Vordergrund) direkt neben Bärlauch. Josef Schröder


Der Frühling ist in vollem Gange, der Sommer naht. Die Natur hält sich an keine Beschränkungen und profitiert teilweise sogar von der entschleunigten Lebensweise der Bevölkerung in Zeiten der Corona-Pandemie. Besonders gut können das alle beobachten, die einen Garten ihr Eigen nennen. Doch Vorsicht ist geboten, denn der Lichtenfelser Gartenexperte Jupp Schröder weiß: Nicht alles, was hübsch oder lecker aussieht, ist auch harmlos. Einige Pflanzen können durch ihr Gift sogar zum Tod führen. Hier sind fünf Gefahrenquellen.

1. Bärlauch, der keiner ist

Die Bärlauchsaison ist schon fast wieder vorbei, doch jedes Jahr aufs Neue lockt das Wildgemüse Sammler in die Natur. "Die Leute pflücken wie die Weltmeister", sagt Jupp Schröder. Wer Bärlauch selbst pflückt, sollte aber lieber zweimal hinschauen: "Auch andere Pflanzen wie der Aronstab, die Maiglöckchen und die Herbstzeitlosen nutzen jetzt das Licht. Diese sind aber giftig", sagt Schröder. "Wenn Blätter von Maiglöckchen verzehrt werden, kann man sogar daran sterben. Deshalb muss man schon genau hinschauen und die Pflanzen unterscheiden lernen." Der Bärlauch lässt sich zum einen am starken Geruch erkennen. Zudem haben die Blätter einen klar erkennbaren Stiel und sind an der Unterseite matt.

2. Verführerische Beeren

Besonders Kindern werden immer wieder giftige Beeren zum Verhängnis. Was lecker aussieht, kann schon in geringer Dosis zum Tod führen. Von der schwarzen Tollkirsche reichen schon drei bis vier Beeren, um ein Kind in akute Lebensgefahr zu bringen. Bei Erwachsenen sind es etwa zehn bis zwölf der süßlich schmeckenden Früchte. Das enthaltene Atropin wird zwar in der Medizin zu verschiedensten Zwecken verwendet, doch eine Überdosis kann Herzrasen und Atemlähmung auslösen.

Als Nebenwirkung weiten sich unter anderem die Pupillen, weshalb Atropin wohl dosiert zum einen beim Augenarzt zum Einsatz kommt, zum anderen aber auch aus kosmetischen Gründen verwendet wird. "Bei amerikanischen Schauspielerinnen zum Beispiel", sagt Schröder. Denn große Pupillen und damit dunkle Augen sollen attraktiver wirken. Ein Trick, dessen Anwendung schon aus dem Barock überliefert ist. Ähnliche Vergiftungsgefahr droht bei Ligusterbeeren, Heckenkirschen - leicht verwechselbar mit Johannisbeeren - und Seidelbast. Oft befinde sich das Gift bei giftigen Beeren allerdings nicht im Fruchtfleisch, sondern im Kern, was für Vögel beispielsweise keine Gefahr darstellt. Zahnlos zerdrücken sie ihn höchstens mit dem Schnabel, scheiden ihn wieder aus und verbreiten so die Samen. Kinder hingegen können ihn zerbeißen und so das Gift freisetzen. Sogar Apfelkerne sind leicht giftig.

3. Giftfalle im Kräuterbeet

"Man sollte niemals eine giftige Pflanze im Kräuter- oder Gemüsebeet pflanzen", sagt Jupp Schröder. Klingt selbstverständlich, ist es nach seiner Erfahrung aber nicht. Als er ein neu angelegtes Beet begutachtete, sagte er zu dessen Besitzerin: "Sie können doch da keinen Eisenhut dazwischen pflanzen! Wenn da mal jemand davon nascht..." Die verschiedenen Arten des Hahnenfußgewächses zählen zu den giftigsten Pflanzen in Europa. Schröder erntete Lacher - wird

schon nicht passieren!

"Es hat nicht lange gedauert, bis ein Gast dort ein Blatt in den Mund genommen hat." Obwohl der Mann das Blatt direkt ausspuckte, endete die Neugier mit einem angeschwollenen Gesicht im Krankenhaus. Kein Wunder, wurde das enthaltene Gift Aconitin in der Vergangenheit doch sogar gezielt verwendet, um Schaden anzurichten: "Eisenhut war früher ein beliebtes Pfeilgift." Auch Rittersporn, Goldregen und Ginster sind verbreitet in vielen Gärten und ebenfalls giftig.

4. Erst kochen, dann essen

Viele unserer täglichen Lebensmittel sind im Rohzustand nicht ungefährlich. Erst durch kochen werden sie genießbar: "Holunderbeeren zum Beispiel", sagt Schröder. Sonst drohen Magenschmerzen und Erbrechen. Auch Bohnen sind vor dem Kochen giftig: Grüne Bohnen, wie Feuerbohnen oder Buschbohnen, enthalten die Eiweißverbindung Phasin, die die roten Blutkörperchen zusammenkleben lässt und so für schlechten Sauerstofftransport sorgt.

Auch der Reifegrad von Früchten kann eine Rolle spielen: "Ich habe vor einiger Zeit viele grüne Tomaten gegessen und bin davon etwas krank geworden. Dann habe ich mal nachgelesen", erzählt Schröder. Das enthaltene Gift Solanin kann in entsprechender Menge sogar zu Halluzinationen führen.

Solanin ist auch in Kartoffeln enthalten. Daher sollten sie - auch, wenn sie schon gekocht sind - vor dem Essen geschält werden. Denn das meiste Solanin steckt in der Schale. Von stark keimenden oder grünen Kartoffeln sollte man lieber die Finger lassen.

5. Gefährliche Zierde

Der Buchsbaum gehört zu den beliebtesten Zierpflanzen und ist in vielen Gärten zu finden. Dabei ist er durch und durch giftig: Er enthält rund 70 auf den menschlichen Organismus wirkende Substanzen. Ähnlich sieht es bei Thujen aus: Die Zweigspitzen und Zapfen können durch das enthaltene Öl Hautreizungen auslösen.

Besonders Tiere sind hier gefährdet. Für viele Arten sind die Zierpflanzen absolut tödlich. Gerade Weidetiere fallen ihnen immer wieder zum Opfer, wenn abgeschnittene Zweige verfüttert werden.

"Aktuell werden überall Eiben gepflanzt", beobachtet Jupp Schröder. Sie fallen in dieselbe Kategorie: Auch bei dieser Pflanze sind bereits tödliche Vergiftungen bei Menschen, Rindern und Pferden dokumentiert. Die weiblichen Eibenpflanzen tragen zudem rote Früchte mit giftigem Kern.